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FAIRCONOMY-Newsletter 78

* Viele Webinare

* Neue Fairconomy-Videos

* Negativzinsen für immer mehr Bankkunden

Osterhase mit Maske
Foto: suju-foto von Pixabay

Inhalt:

  1. Aktuelles
  2. Termine
  3. Interessantes aus Medien und Netz
  4. Film- und Buchtipps
  5. Worte... zum Schluss

1. Aktuelles

Mutter Natur belohnen heißt der österliche Gastwirtschaft-Kommentar von Beate Bockting in der Frankfurter Rundschau.

Der Fairconomy-Video-Kanal startet 2021, nach einem Jahr Pause, mit gleich zwei neuen Filmchen:

Am 4. März verstarb Ekkehard Lindner, ehemals langjähriger 2. Vorsitzender der mit der INWO gedanklich und personell verbundenen Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft. Der in der Zeitschrift für Sozialökonomie veröffentlichte Nachruf berührt zahlreiche Momente aus knapp 100 Jahren deutscher Geschichte, in denen Ekkehard Lindner lebte und in denen er sich viele Jahrzehnte auch unter widrigen Umständen für die Freiwirtschaft engagierte.

2. Termine

6. April, 19 Uhr: Webinar mit Prof. Michael Hudson (auf Englisch). Michael Hudson (hier im Fairconomy-Interview), u.a. Autor des empfehlenswerten Buches »Der Sektor. Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört«, gilt als einer der weltweit führenden Experten für die Geschichte des Geldes und der Schulden. Hudson legt dar, dass die Geschichte weitgehend ein Kampf um die Frage war, wer von Eigentum, Geld und Schulden profitierte. Anmeldung zum Online-Seminar unter Positiva Pengar.

Webinar »Fairconomy – für eine faire Wirtschaft«

8. April, 19.00 -​ 21.00 Uhr: Webinar »Fairconomy – für eine faire Wirtschaft« mit Prof. Dr. Felix Fuders. Felix Fuders ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomie und Ökologische Ökonomie. Er ist Direktor des Ökonomischen Instituts der Universität Austral de Chile, Direktor SPRING Chile, Mitglied der Gesellschaft für Nachhaltigkeit und im Netzwerk für Nachhaltige Ökonomie, Berlin. Teilnahme-​Link bitte anfordern per E-​Mail an inwo@inwo.de (oder über unser Kontaktformular).

14. April, 19.00 -​ 21.00 Uhr: Webinar »EZB: Niedrigzinsen ohne Ende?«. Webinar im Rahmen von Sven Giegolds Reihe Europe Calling über die neue Rolle der Zentralbanken und ihrer Geldpolitik. War die EZB-Geldpolitik der vergangenen Jahre wirklich zu locker? Müsste die EZB nicht mehr auch an die Kleinsparer*innen denken? Welche Rolle kann und soll die EZB bei der ökologischen Transformation spielen?
Gäste:

  • Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank
  • Prof. Lars P. Feld, Direktor am Walter Eucken Institut und bis Februar 2021 Vorsitzender der Fünf Wirtschaftsweisen

Weitere Informationen und Anmeldung unter Europe Calling.

30. April + 1. Mai: GLS-Bank-Geldgipfel 2021 (online), „Zivilen Druck erhöhen - Wandel mit gestalten!“, unter anderem mit Beate Bockting und Kathrin Latsch für das Forum Geldwende.

Spielzeughaus

Webinar »Bodenpolitische Forderungen zur Bundestagswahl«

8. Mai, 16.00 -​ 18.00 Uhr: Webinar »Bodenpolitische Forderungen zur Bundestagswahl« mit Ulrich Kriese

Das Webinar präsentiert die Positionen zur Boden- und Wohnungspolitik zur Bundestagswahl 2021 von Netzwerk Immovielien e.V. und wohnbund e.V. und stellt sie zur Diskussion. Vorgesehen ist die vertiefte Behandlung der Forderungen zur Wertermittlung, zur Ausweitung des kommunalen Vorkaufsrechts, zur Verbesserung des Erbbaurechts sowie zur Herstellung einer Transparenz am Bodenmarkt. Angesprochen werden außerdem die Basler Bodeninitiative und der Stand der Grundsteuerreform in Deutschland. Auf Wunsch der Teilnehmer*innen können auch andere Schwerpunkte gesetzt werden.

Ulrich Kriese war mitverantwortlich für die Abstimmungskampagne zur Basler Bodeninitiative und ist Mitgründer des Info-Netzwerks »Gemeingut Boden«, Mitglied im Kuratorium der Stiftung trias, Sprecher für Bau- und Siedlungspolitik des Naturschutzbunds Deutschland, Mitbegründer des bundesweiten Aufrufs »Grundsteuer: Zeitgemäß!« sowie u.a. aktiv im Netzwerk Immovielien. Mitherausgeber des Sammelbandes »Boden behalten - Stadt gestalten« (Verlag rüffer & rub, Zürich). Seit 2009 bei der Stiftung Edith Maryon, Basel, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, Erbbaurechtsgestaltung und Forschungsfragen und dort seit einiger Zeit auch Mitglied der Geschäftsleitung.

Teilnahme-​Link bitte anfordern per E-​Mail an inwo@inwo.de (oder über unser Kontaktformular).

24. - 26. September, Silvio-​Gesell-​Tagungsstätte Wuppertal: Ersatztermin für die ursprünglich für März 2020 geplanten 65. Mündener Gespräche mit dem Thema „Proudhon, Gesell, Keynes und negative Zinsen“.

30. - 31. Oktober, Erfurt: INWO-Mitgliederversammlung.

10. - 12. Juni 2022, Wuppertal: Fairconomy-Sommerfest in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte.

Irrtümer und Änderungen vorbehalten. Mehr lokale und aktualisierte Termine stehen manchmal im INWO-​Terminkalender.

3. Interessantes aus Netz und Medien

Im Netz fehlt es nicht an „Petitionen“ zu allen möglichen Themen. Mit Abstimmung21 versucht gerade ein Bündnis von sechs Organisationen, darunter OMNIBUS für Direkte Demokratie, exemplarisch eine erste deutschlandweite Volksabstimmung durchzuführen. Wer die Wahlunterlagen rechtzeitig anfordert, wird zur Bundestagswahl 2021 über vier gesellschaftlich relevante Themen abstimmen können: Klimawende 1,5 Grad, Bundesweite Volksabstimmung sowie zwei Themen, die über Petitionsplattformen ermittelt wurden. Die INWO hatte sich hier mit einem Vorschlag zur Bodenwertsteuer beteiligt. Gewonnen haben allerdings „Keine Profite mit Krankenhäusern“ und „Organspende rettet Leben! Wir fordern die Widerspruchsregelung!“ - die von Bernd Cremer eingebrachte Bodenwertsteuer-​Petition zu Freiland kann man trotzdem noch unterstützen.

Die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank werden immer öfter weitergereicht. Eine aktuelle biallo-Untersuchung von knapp 1.300 Banken und Sparkassen zeigt: 322 Institute kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 379 Geldhäuser. Allein im vergangenen Jahr haben rund 200 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden eingeführt. Seit Jahresanfang sind bereits mehr als 60 Geldhäuser dazugekommen.
Es gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. 40 Banken gewähren nur noch einen Freibetrag von 10.000 Euro oder weniger, 15 verlangen bereits ab dem ersten Euro negative Zinsen.

Während Negativzinsen seit 2014 bei institutionellen Kunden einfacher durchsetzbar waren, verlief die Einführung bei Privatkunden schleppender. Zunächst wurden von einigen Geschäftsbanken nur im Neukundengeschäft Negativzinsen erhoben. Bei Bestandskunden müssen oft bestehende Verträge geändert werden. Die Stadtsparkasse Düsseldorf machte im Februar Schlagzeilen, weil sie bei ihren Bemühungen, auch vermögende Altkunden in die Pflicht zu nehmen, selbst vor einzelnen Kündigungen nicht zurückschreckte. Durch dieses konsequente Vorgehen nimmt sie eine wichtige Vorreiterrolle ein. In »So haben wir die Einlagenflut bremsen können« kommentiert Klaus Willemsen das Sparkassen-Vorgehen und die mediale Begleitung für die INWO.

Recordnings of the conference "Next Generation Gentral Banking - Climate Change, Inequality, Financial Instability". Zur Konferenz Next Generation Central Banking: Klimakrise, Ungleichheit, instabile Finanzmärkte (03. - 05.02.2021) hatte die Böll-Stiftung neben den „grünen“ Finanzexperten Schick und Giegold einige hochrangige Zentralbanken-Vertreter eingeladen.

„Der Internationale Währungsfond (IMF) kommt nach den weltweiten Erfahrungen in einem Umfeld negativer Zinssätze zu einer positiven Bewertung der Entwicklung“ kommentiert Klaus Willemsen eine aktuelle IWF-Studie.

4. Film- und Buchtipps

Titelbild Onken
Marktwirtschaft ohne Kapitalismus

Werner Onken: Marktwirtschaft ohne Kapitalismus - Von der Akkumulation und Konzentration in der Wirtschaft zu ihrer Dezentralisierung

Online-Publikation in 15 Teilen mit insgesamt 1.380 Seiten
Oldenburg 2019/2020

Dieses Buch wirft einen ungewohnten Blick auf die rund 250-jährige Entwicklung der Wirtschaft im Zeitalter der Moderne und der sie prägenden ökonomischen Theorien. Aus der Perspektive der unkonventionellen Denkansätze einer Bodenrechts- und Geldreform zeigt es, dass die Marktwirtschaft noch nie wirklich ‚frei‘ und die bürgerliche Gesellschaft noch nie eine Gesellschaft von Freien und solidarisch verbundenen Gleichen war. Vielmehr waren der wirtschaftliche Wettbewerb auf den Märkten und auch die politische Demokratie von Anfang an durch Privilegien des privaten Geld- und Realkapitals einschließlich des privaten Bodeneigentums verfälscht. Diese Privilegien bewirkten eine fortwährende Akkumulation und Konzentration von wirtschaftlicher und politischer Macht. Die Monopolisierung der Märkte machte die Entwicklung einer egalitären bürgerlichen Gesellschaft, die die Humanisten und Aufklärer sowie die Klassiker der Ökonomie nach dem Ende des Feudalismus erwartet hatten, unmöglich. Stattdessen führte sie zur Entstehung einer hierarchisch geschichteten bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Zu deren innerer sozialer Spaltung kam die Aufspaltung der Einheit von menschlicher Gesellschaft und Natur hinzu.
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5. Worte... zum Schluss

»Es gibt eine Alternative. Um sie zu verwirklichen, muss man die Dynamik, die hier am Werk ist, verstehen und zwischen (durch eigene Arbeit) ›verdientem‹ und ›unverdientem‹ Einkommen, zwischen produktiven und unproduktiven Formen der Vermögensbildung unterscheiden.«
Michael Hudson in: Der Sektor, Klett-Cotta 2016, S. 601.

Mit freundlichen Grüßen
Beate Bockting und Vlado Plaga