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FAIRCONOMY-Newsletter 79

* Webinare

* Rente mit 68 vs. Fairconomy-Rente

* Vermögensmarke 20 Billionen $

* Silvio Gesell weltweit

 

Inhalt:

  1. Aktuelles
  2. Termine
  3. Interessantes aus Medien und Netz
  4. Film- und Buchtipps
  5. Worte... zum Schluss

1. Aktuelles

FAIRCONOMY-Webinar mit Christian Gelleri am Freitag, den 18. Juni 2021 um 19 Uhr: Klimabonus – klimafreundliches Handeln belohnen

Geld wird in diesem Webinar als Werkzeug vorgestellt, neben sozialen auch ökologische Ziele zu erreichen. Der „Klimabonus“ ist ein Konzept zur regionalen Gestaltung des Klimaschutzes. Grundlegend kann dieses Konzept in die drei Bereiche Information, Reduktion und Kompensation unterteilt werden, deren Zusammenspiel zu erhöhter Partizipation und Wirksamkeit der lokalen Bevölkerung führt.

INWO-Mitglied Christian Gelleri, geb. 1973, hat als Initiator der Regionalwährung Chiemgauer die Verbreitung von Regiogeldern in Deutschland maßgeblich geprägt. Er ist ausgebildeter Diplom-Handelslehrer und Diplom-Betriebswirt. Anfang 2003 initiierte er als Wirtschaftslehrer an der Freien Waldorfschule Chiemgau zusammen mit sechs Schülerinnen den Chiemgauer, die umsatzstärkste und bekannteste Regionalwährung Deutschlands.

Fairconomy-Titel
Fairconomy 1/2021

Anmeldungen per E-Mail (Betreff „Klimabonus“) an: inwo@inwo.de

Rente mit 68?

Im Juli erscheint die neue Fairconomy mit dem Schwerpunkt Alterssicherung!

Pünktlich in den Ruhestand: Rente mit 68 nicht nötig ist der neue Gastwirtschaft-Kommentar von Beate Bockting in der Frankfurter Rundschau.

Am 10.6. schrieb Klaus Willemsen im INWO-Medienkommentar dazu: „Kurz vor einer Bundestagswahl wird niemand ein höheres Renteneintrittsalter fordern. Dennoch kommt der „alte Hut“ nicht zufällig auf die Agenda.“

Zum Thema Grundsteuer heißt es in einem weiteren Medienkommentar:
Etliche Bundesländer haben sich als Bemessungsgrundlage für die Grundsteuer auf das Bundes- bzw. Scholzmodell verständigt. »Das ist die teuerste und schlechteste Lösung«, urteilt der Bund der Steuerzahler NRW. Gleichzeitig spricht er sich jedoch für das unbrauchbare und ungerechte Flächenmodell der Spekulanten-Lobby aus.

2. Termine

30. Juni (jeden letzten Mittwoch im Monat), 20 – 21 Uhr, online: INWO-Mitmachseminar (für INWO-Mitglieder)

Jetzt Mitglied werden!

20. August, 19 Uhr, online: FAIRCONOMY-Webinar mit Dr. Dirk Ehnts zum Thema Modern Monetary Theory
Teilnahme-?Link bitte anfordern per E-?Mail an inwo@inwo.de (oder über unser Kontaktformular).

24. - 26. September, Silvio-?Gesell-?Tagungsstätte Wuppertal: Ersatztermin für die ursprünglich für März 2020 geplanten 65. Mündener Gespräche mit dem Thema „Proudhon, Gesell, Keynes und negative Zinsen“.

30. - 31. Oktober, Erfurt: INWO-Mitgliederversammlung.

10. - 12. Juni 2022, Wuppertal: Fairconomy-Sommerfest in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte.

Irrtümer und Änderungen vorbehalten. Mehr lokale und aktualisierte Termine stehen manchmal im INWO-​Terminkalender.

3. Interessantes aus Netz und Medien

„Hamburgs rot-grüne Regierung steht auf der Seite reicher Grundbesitzer“ schreibt Ulrich Kriese in einem scharfen Meinungsartikel in Norbert Härings Blog „Geld und mehr“.

„20.000.000.000.000 Dollar - über diese beeindruckende Summe an Privatvermögen verfügten die privaten Haushalte in Deutschland 2020“ schreibt die Tagesschau in Vor allem Superreiche werden reicher. In dieser Zahl (20 Billionen $) wird für den Global Wealth Report zusammengerechnet (und dann in US-Dollar benannt): Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Pensionen und Lebensversicherungen, vor allem aber Immobilien, also Boden mit ggf. darauf befindlichen Gebäuden.

Fast 1.500.000.000.000 € (1,5 Billionen €) kosten die Corona-Maßnahmen der deutschen Bundesregierung die „öffentlichen Kassen“ in den Jahren 2020/21 laut Linken-Anfrage (faz.net am 18.10.2020). Das sind bei gut 40 Millionen Haushalten ca. 37.000 € pro Haushalt. Auch wenn die Hälfte davon nur Garantien sind, der Verlust womöglich also nicht eintritt, ist das doch eine beachtliche Summe. Wir hatten noch im Newsletter 74 Ursula von der Leyen zitiert: „Die vielen Milliarden, [...] werden Generationen binden.“ „Gratulation“, kann man da nur sagen, „Mission erfüllt“.

„Die Deutschen können nicht mit Schulden umgehen“ sagt Carl-Ludwig Holtfrerich, emeritierter Professor für Wirtschaftsgeschichte und Autor eines Standardwerks zur deutschen Inflation 1914–1923, im Zeit-Interview (10. Juni 2021). Anlass des Interviews sind die aktuell steigenden Preise, die in Deutschland alte Ängste wecken. Holtfrerich betont, es sei ein Mythos, dass Hitler „das Ziehkind der Inflation“ gewesen sei. „Die Inflation war sicher für viele eine traumatische Erfahrung. Aber als Hitler an die Macht kam, herrschte in Deutschland Deflation.“ Bestimmt hat er Recht, wenn er Deflation für viel problematischer hält als Inflation. Zweifellos ist auch sein Hinweis richtig, dass das weltweite Geldvermögen stets genauso hoch ist wie die weltweite Summe aller Schulden. „Das sind die zwei Seiten derselben Medaille.“ Allerdings betrachtet er im nächsten Satz finanzielle Verpflichtungen zwischen Generationen, während es sich nach den bekannten Oxfam-Zahlen zur Vermögensverteilung eher um Verpflichtungen zwischen Gesellschaftsschichten handeln dürfte. Auch mit seiner Prognose „Öl wird aber irgendwann auch wieder billiger werden“ könnte er kolossal daneben liegen...

Seit Februar betreibt der vormalige US-Investment-Banker Josh Sidman seinen englischsprachigen Blog Fundamentals of Money, in dem er Silvio Gesells Theorien beleuchtet. Ein Auszug daraus vom 7. Juni: „Hier arbeitete ich bei der renommiertesten Investmentbank der Welt und wusste nicht einmal, was Geld ist. Und als ich mich mit meinen Kollegen unterhielt, wurde mir klar, dass auch keiner von ihnen es wusste. [...] Offenbar war der einzige Unterschied zwischen mir und den Leuten um mich herum, dass mich die Tatsache störte, dass ich eine so grundlegende Frage nicht beantworten konnte.“ (mit DeepL übersetzt)

In obigem Beitrag präsentiert Sidman auch seine Zusammenarbeit in einem wachsenden internationalen Gesell-Netzwerk, zu dem neben der INWO auch das argentinische Instituto de Estudios Economicos Silvio Gesell – IEESG mit Sitz in Villa Gesell gehört (dank Josh nun auch auf facebook).

Katalog-Titel

4. Film- und Buchtipps

Ausstellungskatalog „Boden für Alle“

Architekturzentrum Wien (Hrsg.). Wien und Zürich: Park Books, 2020, 320 Seiten.

Dazu Bernadette-Julia Felsch in der Zeitschrift für Sozialökonomie (am 24.05.2021):

Der Kauf des reich bebilderten Katalogs ist unbedingt zu empfehlen, denn er bietet einen umfassenden und interessanten Gesamt-Überblick zu einem Thema, das in der politischen Debatte viel zu lange sträflich vernachlässigt wurde und aus sozialen wie aus umweltpolitischen Gründen dringend auf die Agenda gesetzt werden müsste.

Im Netz gibt es einen Film und aufschlussreiche Fotos vom Eröffnungstag der Ausstellung Boden für Alle.

Peukert-Titel

Helge Peukert: Klimaneutralität jetzt!

Politiken der Klimaneutralität auf dem Prüfstand: IPCC-Berichte, Pariser Abkommen, europäischer Emissionshandel und Green Deal, internationale freiwillige Klimakompensationsprojekte und die deutsche Klimapolitik.

Marburg: Metropolis-Verlag, 2021, 514 Seiten.

Im April erschien aus der Feder von Prof. Dr. Dr. Helge Peukert ein Buch über die schwer durchschaubare Umwelt- und Klimapolitik, beleuchtet aus einer fundamentalökologischen Perspektive. Helge Peukert ist Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen und in Geldreform-Kreisen bestens bekannt. Sein Kollege Niko Paech schreibt im Vorwort: „Vielleicht stellt sich bald heraus, dass die ökologisch notwendige Transformation vieles von dem mitliefert, was auch einem langfristig resilienten und zufriedenen Dasein zuträglich wäre. Helge Peukert … ist es gelungen, das Buch der Stunde zum Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdiskurs vorzulegen.“

5. Worte... zum Schluss

„Die Ideen der Ökonomen [...], ob richtig oder falsch, sind einflussreicher als man gewöhnlich meint. In der Tat wird die Welt von kaum etwas Anderem regiert. Praktiker, die sich frei von intellektuellen Einflüssen glauben, sind normalerweise die Sklaven irgendeines verstorbenen Ökonomen.“
J. M. Keynes, 1936 (zitiert nach Kreiß: „Mephisto-Prinzip“, S. 74)

Mit freundlichen Grüßen
Beate Bockting und Vlado Plaga