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»So haben wir die Einlagenflut bremsen können«

Die Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf, Karin-Brigitte Göbel, ist mit dem Jahresabschluss ihres Instituts zufrieden und verteidigt die Negativzinsen. Unter der Überschrift »Sparkasse verteidigt Negativzinsen« macht die Rheinische Post deutlich, dass von Negativzinsen lediglich eine Hand voll Spekulanten und Privatpersonen, die nicht wissen wohin mit ihrer Liquidität, überhaupt betroffen sind.

Mit dem vermitteln von Krediten zwischen Geldgebern und Kreditnehmern hat die Stadtsparkasse auch im abgelaufenen Jahr gute Geschäfte gemacht. »Die Bilanzsumme wuchs um 6,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro.« Das Betriebsergebnis viel mit 58,5 Millionen Euro etwas niedriger aus als im Vorjahr. Ursächlich hierfür sei vor allem, dass »die Erträge aus dem Zinsüberschuss zurückgingen, um 14,1 Prozent auf 165,3 Millionen Euro«.

Bemerkenswert an dem Beitrag von Alexander Esch sind zwei Dinge:

1. Ursache für den zurückgegangenen Gewinn der Sparkasse sind nicht die »Negativzinsen«, wie es in dem Beitrag heißt. Der eigentliche Grund ist die fehlende Differenz zwischen den Einlagenzinsen und den Kreditzinsen. Warum der Autor und die Sparkassenchefin dies unerwähnt lassen bleibt unklar.

2. In der online Ausgabe wird aus der ursprünglichen Formulierung »Sparkasse verteidigt Negativzinsen« die von Finanz-Ideologen seit Jahren gepowerte Stereotype »Negativzinsen könnten bald mehr Kunden der Stadtsparkasse drohen«.

In seinem Beitrag stellt der Autor klar, dass »Verwahrentgelte« lediglich eine notwendige Gebühr darstellen, um ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen kurzfristigen und langfristigen Anlagen wiederherzustellen. Da diese Gebühr lediglich Tagesgeldkonten ab über 100.000 Euro Guthaben betrifft, wird praktisch keiner seiner Leser durch die in der online-Überschrift stilisierte Bedrohung betroffen sein.

Frau Göbel und Herr Esch stellen unmissverständlich klar, dass ein großer Bedarf am Kreditgeschäft der Sparkasse besteht. Ihren Worten kann man entnehmen, dass eine »Einlagenflut« für eine Bank nur so lange eine Belastung darstellt, wie die Einlagen täglich abrufbar sind. Beiden ist klar, dass die viel zu hohen Tagesgeld-Bestände das Kreditgeschäft unnötig verteuern und riskanter machen. Sagen dürfen sie Letzteres jedoch nicht. Stattdessen müssen sie hinnehmen, dass die Redaktion zum wiederholten Male dem Druck der Spekulanten-Lobby nachgibt und im Netz eine sinnentstellende Überschrift einfordert: »Negativzinsen könnten bald mehr Kunden der Stadtsparkasse drohen«. Traurig, beschämend und wenig vertrauenerweckend.

Lesen Sie hierzu auch: »Negativzinsen auf 35 Prozent der weltweiten Geldvermögen«, »Zentralbanken könnten laut IMF-Studie Negativzinsen weiter senken« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.


Klaus Willemsen, 30.03.2021

 

Verwendete Quellen:

rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorf-negativzinsen-koennten-bald-mehr-kunden-der-stadtsparkasse-drohen_aid-56850327

www.inwo.de/medienkommentare/negativzinsen-auf-35-prozent-der-weltweiten-geldvermoegen/

www.inwo.de/medienkommentare/zentralbanken-koennten-negativzinsen-weiter-senken-imf-studie/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld