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Wenn Boden zur Ware wird

ARTE berichtet über den Ausverkauf des Agrarlandes in Rumänien. Die Existenz von Millionen bäuerlicher Betriebe ist bedroht, weil Bodenspekulanten massiv Land aufkaufen. Mit Zuschüssen der EU wird immer mehr Land zum Spekulationsgut.

 

Der Beitrag von Spiegel TV im Auftrag von ZDF und ARTE beschreibt exemplarisch die Folgen der Kapitalisierung von Boden. Unter dem Vorwand, die gewachsenen Strukturen würden der Entwicklung des Landes im Wege stehen, verliert die Landbevölkerung ihre Existenzgrundlage. Die Betroffenen müssen in die Ballungszentren ausweichen, werden zu Wanderarbeitern und Arbeitsmigranten.

Bedenkt man alle gesellschaftlichen und ökologischen Folgen dieser Entwicklung, wird es sehr fraglich, ob unter dem Strich ein ökonomischer und kultureller Fortschritt für die rumänische Gesellschaft entsteht. Profiteure sind das weltweite Finanzkapital und dessen Besitzer. Die Verlierer sind Millionen Rumänen, die ihre Heimat aufgeben müssen, ihr Haus und Grund verlieren und vielfach, getrennt von der Familie, als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. »Einer ganzen Generation einheimischer Bauern wird so buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen«, heißt es in dem Beitrag von Detlev Konnerth.

Der Beitrag zeigt aber auch, dass sich Widerstand regt. Doch um diese Entwicklung aufzuhalten ist es von Bedeutung, die Strukturen grundsätzlich zu hinterfragen. Es geht nicht darum, kulturelle und ökonomische Veränderungen abzulehnen. Ländliche Räume verändern sich und Menschen müssen sich gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. Beim Landraub geht es jedoch nicht um notwendige strukturelle Veränderungen. Es geht darum, gesellschaftliches Eigentum zur privaten Profitmaximierung auszubeuten und es geht darum, Mächtigen und Reichen die Möglichkeit zu geben schwächere übers Ohr zu hauen und zu berauben.

Landraub und Vertreibung geschehen weltweit. Gleichermaßen in Afrika, in China, den USA und Deutschland. Wenige Reiche bereichern sich auf Kosten der Allgemeinheit. Um dies zu verändern braucht es einen gesellschaftlichen Konsens, den Boden und die Rohstoffe als Allgemeingut zu betrachten, als ein Erbe, das allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen sollte. Der Boden ist keine vermehrbare Ware. Er ist Gemeingut, das von der Gemeinschaft an private Nutzer verpachtet werden sollte und von dessen Pachterträgen das Dorf, eine Region oder die Weltgemeinschaft profitieren sollten.

»Kleinbäuerliche Betriebe vor Großinvestoren zu schützen, sollte ein Zukunftsmodell werden für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft«, lautet der Schlusssatz des Beitrags. Wie dies geht, muss auch hier in Deutschland erkämpft und umgesetzt werden. Es braucht eine weltweite Diskussion über die notwendige Bodenreform.

Lesen Sie dazu bitte auch »Wem gehört die Erde, wem die Atmosphäre?«, »Ursache der Bodenpreisentwicklung bleibt ein Tabu«, »CSU-Minister will Spekulation mit Ackerland stoppen« und »Grundsteuer: Zeitgemäß!«

Klaus Willemsen, 9.11.2017

Verwendete Quellen:

www.arte.tv/de/videos/073399-044-A/re-wenn-boden-zur-ware-wird/

www.inwo.de/boden-und-ressourcenreform/

http://www.inwo.de/medienkommentare/ursache-der-bodenpreisentwicklung-bleibt-ein-tabu/

http://www.inwo.de/medienkommentare/csu-minister-will-spekulation-mit-ackerland-stoppen/

http://www.grundsteuerreform.net