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Rekordtief bei den Arbeitslosenzahlen

Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass es 2018 weniger als 2,5 Millionen Arbeitslose in Deutschland geben wird. Von den 44,5 Mio. Erwerbstätigen sind mittlerweile 32,5 Millionen Menschen versicherungspflichtig beschäftigt. Eine unglaublich positive Entwicklung, doch die wahren Hintergründe werden in den Medien kaum oder gar nicht benannt.

Im November wurde zunächst die saisonübliche »Herbstbelebung« in den Vordergrund gestellt. Aktuell hebt die Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, dass ihr die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen zunehmend besser gelingt: »Die Zahl der Menschen mit andauernden Problemen bei der Jobsuche ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich und stark zurückgegangen«. (zeit.de) BA- Chef Detlef Scheele erwähnt in seiner Pressekonferenz auch die moderate »Winterarbeitslosigkeit« und die »arbeitssuchenden Flüchtlinge«. Spiegel online verweist lapidar auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Einige Medien unterstellen, dass das Jobwunder eine Spätfolge der Hartz-IV-Reformen sei. Die für Wachstum und Beschäftigung ausschlaggebende Zinsentwicklung der letzten 10 Jahre ist weder Scheele noch den meisten Zeitungen ein Hinweis wert.

Wie gründlich die Vernebelung der Ursachen gelungen ist, zeigt sich in diversen Foren. Viele Leser kritisieren die Zusammensetzung der Zahlen und unterstellen Manipulationen an den Statistiken. Wie es dazu kommen kann, dass es seit einem Jahrzehnt immer mehr sozialversicherungspflichtige Stellen gibt, ist kaum jemandem ein Kommentar wert.

Fakt ist, dass eine weltweite Geldschwemme und eine entsprechende Notenbankpolitik für ein positives Investitionsklima sorgen. Die niedrigen Kapitalmarktzinsen machen heute Investitionen möglich, für die früher keine Finanzierung zu Stande gekommen wäre. Viel Geld wandert mittlerweile in Projekte mit sehr geringen und sogar gegen null gehenden Renditen. Die realen Zinsersparnisse der Unternehmen und öffentlicher Kassen werden investiert und die steigende Nachfrage nach Arbeitskräften führt zu höheren Lohnforderungen. Höhere Löhne wiederum steigern die Nachfrage und ermöglichen vielen Beschäftigten, die individuelle Arbeitszeit zu reduzieren. Es entsteht eine positive Spirale, an deren Anfang das anhaltend niedrige Zinsniveau steht.

Die Konsequenz aus dieser Analyse besteht darin, das Notwendige einzuleiten, um eine inflationsfreie Währung mit einem dauerhaften Null-Zins-Niveau zu gewährleisten. Darüber wird jedoch nicht geschrieben. Es stellt sich die Frage, warum weder die Bundesagentur für Arbeit noch die Interessenverbände von Handwerk, Industrie und Beschäftigten bereit sind, die Bedeutung der Währungspolitik und die Notwendigkeit einer stabilen Währung mit anhaltend niedrigen Zinssätzen zu betonen.

Lesen Sie dazu bitte auch »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«

Klaus Willemsen, 10.1.2018

Verwendete Quellen:
www.zeit.de/wirtschaft/2018-01/arbeitsmarkt-chronische-arbeitslosigkeit-gesunken www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/