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»In was für einer Stadt leben wir eigentlich?«

… fragt der WZ-Redakteur Peter Littek. Die Entwicklung der Mietpreise lässt für ihn nur einen Schluss zu: »Bauen muss einfach billiger werden«. Doch sein Lösungsvorschlag greift zu kurz und ignoriert die Ursache der Problematik.

Sehr ausführlich beschreibt seine Kollegin Nele Dohmen ihre Erfahrungen bei der Wohnungssuche in Düsseldorf. Quadratmeterpreise bis zu 24 € sind hier keine Ausnahme. Für den gewöhnlichen Düsseldorfer wird das Wohnen in Düsseldorf unerschwinglich. Interessenten derartiger Objekte kommen überwiegend aus dem Ausland oder sind Düsseldorfer Unternehmen, die Wohnungen für neue Mitarbeiter anmieten. Die Forderung nach subventioniertem Wohnraum kann dieses Problem nicht lösen. Selbst die weitergehende Forderung von Littek, »städtisches Bauland darf nichts kosten, damit sollte die Stadt kein Geld verdienen«, greift zu kurz. Der Wertzuwachs des gesamten Bodens ist die Folge der Leistung der Allgemeinheit. Die private Abschöpfung durch einen - letztlich sehr kleinen - Teil der Bevölkerung, bedroht den gesellschaftlichen Frieden.

Der Soziologe Professor Reinhold Knopp gibt im Interview einen Hinweis auf die Ursachen der Problematik: »Die Tatsache, dass Wohnungen im Kontext der Niedrigzinsen eine der wichtigsten Möglichkeiten bieten, Profit zu machen, lockt immer mehr Investoren aus dem In- und auch Ausland nach Düsseldorf, wo der Wohnungsmarkt genau das hergibt.« Der Anstieg der Baupreise mit den angestrebten Renditen »wird auch in Zukunft in den innenstadtnahen Bereichen mit Privatvermietung zu Mietanstieg und zu Verdrängungen führen«. Der Soziologe Knopp fordert, »es müssen alle gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Markt zu zügeln«. Doch auch er geht nicht so weit, die Abschöpfung der Bodenrente, wie sie vor über 100 Jahren von namhaften Bodenreformern formuliert wurde, zu thematisieren. Dabei ist der Gedanke von Henry George, den Anteil des Bodenertrages, der einzig aus der allgemeinen Wertentwicklung resultiert, und unabhängig von der individuellen Leistung des Besitzers oder Nutzers ist, abzuschöpfen, absolut plausibel und gesellschaftlich stabilisierend. Unabhängig davon, ob man die Bodenrente zur Finanzierung der kommunalen Infrastrukturleistung heranzieht, oder sie pro Kopf an die Wohnbevölkerung zurück verteilt, bietet die Entkapitalisierung des Bodens enorme gesellschaftliche Chancen.

Leider schrecken sowohl Wissenschaftler als auch Politiker bisher zurück vor der Konfrontation mit der omnipotenten Lobby der Bodeneigentümer. Der private Grundbesitz, weltweit die tragende Säule von Macht und Reichtum über Generationen hinweg, existiert im Bewusstsein der deutschen Politik praktisch nicht.

In was für einer Welt leben wir eigentlich, lieber Peter Littek, wenn selbst der WZ-Redakteur es nicht für notwendig hält zu schreiben, wie hoch die Bodenrente ist, und wem sie zufließt?

Lesen Sie hierzu auch: »Propaganda und Desinformation«, »GRÜNE Bodenpolitik: mutig und doch halbherzig« und »Grundsteuer: Zeitgemäß!«.

Klaus Willemsen, 06.02.2020


Verwendete Quellen:

Westdeutsche Zeitung (WZ), 6. Februar 2020, Seite 15 & 16
https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/alleine-in-einer-wohnung-wohnen-in-duesseldorf-ist-das-jetzt-luxus_aid-48779127

www.inwo.de/medienkommentare/propaganda-und-desinformation/

www.inwo.de/medienkommentare/gruene-bodenpolitik-mutig-und-doch-halbherzig/

www.grundsteuerreform.net