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Grünes Dilemma II

Der Schutz der Umwelt steht für viele Wähler ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Parteien jedoch bieten vor allem Placebos. Die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie gelingt nicht. Eine Abkehr vom permanenten Wirtschaftswachstum möchte sich selbst in der Partei DIE GRÜNEN kaum jemand vorstellen. Die Partei hat ihren Markenkern eingebüßt.

Die Großstadt Düsseldorf will den Fahrradverkehr fördern, um die Luftvergiftung zu verringern. Die Vorgabe an die Verwaltung lautet jedoch, es darf keinerlei Einschränkungen für den PKW-Verkehr geben. Die Bundesregierung hat ambitionierte Vorgaben zur Reduzierung der Klimagase, agiert jedoch als mächtiger Lobbyist der Autoindustrie und der Verbrennungsmotoren. Weltweit hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Produktion und Energieverbrauch der Menschheit drastisch reduziert werden müssen, um einen katastrophalen Klimawandel noch abwenden zu können. Dennoch marschiert die Menschheit weiter stramm in die entgegengesetzte Richtung.

Wachstum, Wachstum über alles!
Ohne Wenn und Aber setzt man weltweit auf mehr Produktion, mehr Handel, mehr Transport mehr Verbrauch, mehr und schneller und konsequenter. In den autoverstopften Zentren stellt man sich nicht die Frage, wie man Pendlerströme verringern könnte. Politiker arbeiten daran, wie man den Flugverkehr ausweiten kann, nicht daran, Flugverkehr zu vermeiden. Politiker, Ökonomen und Wirtschaftslobbyisten folgen einer Prämisse: mehr Konsum, mehr Verkehr, mehr Produktion und - hurra! - mehr Arbeitsplätze! Kaum jemand hinterfragt dieses Wachstumsprinzip, obwohl allerorts sichtbar wird, dass Weniger für Mensch und Umwelt meist viel mehr wäre. Wachstum sei nötig, um Arbeitseinkommen zu sichern und Verarmung zu verhindern. Zum Wirtschaftswachstum gibt es scheinbar keine Alternative.

Scheuklappen aus Stahlbeton
Die Verteilung von Wohlstand kann man vernünftig regeln, auch ohne immer mehr produzieren zu müssen. Vollbeschäftigung kann man sichern, indem man den Produktivitätszuwachs durch Arbeitszeitverkürzung ausgleicht. Die Ausweitung des Welthandels als Selbstzweck, ohne die ökologischen Folgen einzupreisen, ist ganz augenscheinlich absurd. Die Liste der Absurditäten ließe sich beliebig verlängern. Führende Ökonomen jedoch weigern sich, Alternativen aufzuzeigen. Als hätten sie Scheuklappen aus Stahlbeton vor den Augen, wird jeder Gedanke über die ökonomischen Ursachen dieses Wachstumszwangs verdrängt. Selbst bei Greenpeace und den GRÜNEN wird die Perspektive einer Postwachstumsökonomie verleugnet. Selbst die Analyse der Ursachen wird in den entscheidenden Gremien seit Jahrzehnten erfolgreich verweigert. Die Kritik an der Wachstumsökonomie sei Fundamentalismus oder realitätsferne Fantasterei.

Die grüne Partei steckt fest im Wachstumsdilemma und droht dabei überflüssig zu werden. Grünes Wachstum vertreten mittlerweile einige Parteien. Mehr Autos, aber sauberer als bisher; mehr Konsum, aber mit ökologischen Baustoffen; mehr Flugreisen, aber mit leiseren Motoren; mehr Energieverbrauch, aber mit weniger Kohleverbrennung; mehr Rüstungsgüter, aber mit weniger zivilen Opfern; höhere Dividenden, aber mit mehr Moral und Ethik - die Liste ist beliebig verlängerbar. Die Alternative: Mehr Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit durch weniger Raubbau, weniger Plünderung, weniger Vergeudung, weniger Zerstörung, weniger Ausbeutung und mehr Lebensqualität. Diese Vision mit den dazu notwendigen ökonomischen Rahmenbedingungen und politischen Teilzielen wäre ein Kraftzentrum für eine moderne, nachhaltige grüne Politik. Schade, dass der Partei dafür derzeit offensichtlich der Mut fehlt.

Lesen Sie dazu bitte auch »Die Grünen haben endlich mal etwas richtig gemacht«, »Grünes Dilemma«, »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld« und »Grundsteuer: Zeitgemäß!«

Klaus Willemsen, 14.9.2017

Verwendete Quellen:

http://www.inwo.de/medienkommentare/die-gruenen-haben-endlich-mal-etwas-richtig-gemacht/

http://www.inwo.de/medienkommentare/gruenes-dilemma/

http://www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld

http://www.grundsteuerreform.net/

 

 

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