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FAIRCONOMY-Newsletter Nr. 57

Film zur "Natürlichen Wirtschaftsordung" von INWO und Humane Wirtschaft geplant

Japan führt Negativzinsen ein (FAZ)

SPD-Mitglieder fordern "Abschaffung der größten Banknoten" (Welt)

Studie des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft Köln (IW) emp­fiehlt ei­ne rei­ne Bo­den­wert­steu­er

Keine neuen Schulden - nur dank niedriger Zinsen

1. Aktuelles

Helmut Creutz
Geld-oder-Leben-Vorschau

100 Jah­re nach Er­schei­nen der Na­tür­li­chen Wirt­schafts­ord­nung von Sil­vio Ge­sell soll die­ses Jahr mit Un­ter­stüt­zung durch IN­WO und Hu­ma­ne Wirt­schaft ein Film ent­ste­hen, der auf ein­fach zu­gäng­li­che Wei­se den von Ge­sell er­kann­ten Sys­tem­feh­ler und die Grund­la­gen sei­nes Lö­sungs­an­sat­zes dar­stellt. Ger­ne neh­men wir Spen­den (Be­treff: „NWO-Fil­m“) zur Fi­nan­zie­rung wei­te­rer Dreh- und Schnitt­ar­beit ent­ge­gen. Spä­ter soll es auch die Mög­lich­keit ge­ben, ei­ne DVD-Ko­pie des Films crowd­fun­ding-mä­ßig schon vor Fer­tig­stel­lung zu kau­fen (mehr da­zu im nächs­ten News­let­ter).

Flagge
Neu­es aus Fern­ost

Auch Ja­pans No­ten­bank führt Ne­ga­tiv­zin­sen ein (FAZ am 29.01.2016), als Drit­tes im Bun­de nach Schwei­ze­ri­scher Na­tio­nal­bank und Eu­ro­päi­scher Zen­tral­bank. Da­mit soll nach 20 Jah­ren sta­gnie­ren­der Wirt­schaft und zu­letzt ei­nem Rück­fall in die De­fla­tion die Geld­hor­tung re­du­ziert wer­den. Wenn auch ein Zins von -0,1 Pro­zent nicht ge­ra­de ent­schie­den wir­ken mag, wei­te­re Ab­sen­kun­gen wer­den be­reits nicht aus­ge­schlos­sen. Für die IN­WO kom­men­tiert Bea­te Bock­ting.

Un­ein­sich­tig zeigt sich aber noch die ame­ri­ka­ni­sche Fe­deral Re­serve, die sich im De­zem­ber zum ers­ten Mal seit Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se zu ei­ner Leit­zins-An­he­bung ent­schloss und ih­ren Ein­la­gen­zins von 0,2 auf 0,3 Pro­zent er­höh­te. Al­ler­dings darf man sich fra­gen, wie weit sie da­mit kommt, und ihr Vi­ze Stan Fi­scher sag­te am 3. Ja­nu­ar bei der Jah­res­ta­gung der Ame­ri­can Eco­no­mic As­so­cia­tion in sei­ner Re­de über “Mo­ne­ta­ry Po­li­cy, Fi­nan­cial Sta­bi­li­ty, and the Ze­ro Lo­wer Bound”:
„Ein an­de­rer mög­li­cher Schritt wä­re es, wenn er­for­der­lich die kurz­fris­ti­gen Zin­sen un­ter null zu sen­ken, um ei­ne wei­te­re Ak­kom­mo­die­rung zu ge­währ­leis­ten. Un­se­re Kol­le­gen in Eu­ro­pa sind im Mo­ment da­bei, auf die­sem Ge­biet die öko­no­mi­schen Lehr­bü­cher neu zu schrei­ben - und hel­fen uns, frü­he­re Dis­kus­sio­nen über Ne­ga­tiv­zin­sen von Key­nes, Ir­ving Fis­her, Hicks und den be­deu­ten­den Ge­sell ins Ge­dächt­nis zu brin­gen, des­sen Ar­beit so­gar in der Ge­ne­ral Theo­ry als rich­tig be­ur­teilt wur­de.“

Beim Stra­te­gie­tref­fen zum Auf­ruf Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß, im No­vem­ber 2015 in Wall­me­rod, nahm für die IN­WO Vla­do Pla­ga teil. Ei­ne ak­tu­el­le Stu­die des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft Köln (IW) hat ver­schie­de­ne Grund­steu­er­mo­del­le ana­ly­siert und emp­fiehlt ei­ne rei­ne Bo­den­wert­steu­er. Drei Ar­gu­men­te für ei­ne rein bo­den­ba­sier­te Grund­steu­er wur­den beim Tref­fen be­son­ders her­vor­ge­ho­ben:

  • Äqui­va­lenz und Ge­rech­tig­keit: Gleich­be­hand­lung von un­be­bau­ten und be­bau­ten Grund­stücken, denn aus Sicht der Ge­mein­den gibt es kei­nen Un­ter­scheid im Auf­wand
  • In­nen­ent­wick­lung: Die rei­ne Bo­den­steu­er hat ei­nen Mo­bi­li­sie­rungs­ef­fekt und be­sei­tigt die In­ves­ti­ti­ons­hem­mung der Ge­bäu­de­be­steue­rung, was bei­des den Flä­chen­ver­brauch re­du­ziert
  • Bü­ro­kra­tie­ab­bau: Die Ge­bäu­de un­be­rück­sich­tigt zu las­sen, be­deu­tet ei­ne we­sent­li­che Ver­ein­fa­chung

Ei­ne Bo­den­wert­steu­er könn­te bei ent­spre­chen­der Hö­he an­de­re Steu­ern (vor al­lem auf Ar­beit) er­set­zen und da­mit zur von der IN­WO ge­for­der­ten Bo­den­re­form wer­den.

Ei­ne wei­te­re Steu­er­re­form im IN­WO-Sin­ne wä­re die Be­las­tung von Ener­gie­ver­brauch, vor al­lem bei ei­ner gleich­zei­ti­gen Pro-Kopf-Rück­ver­tei­lung als Mi­ni-Gr­und­ein­kom­men. Dies for­dert in Deutsch­land der Ver­ein Bür­ger­lob­by Kli­ma­schutz, wie die taz un­ter der Über­schrift Rauch zu Geld be­rich­te­te (am 29.01.).

durchgestrichener Schein
500er weg!

Ei­ni­ge SPD­ler sind mit ei­ner For­de­rung nach vor­ne ge­prescht, die wir als IN­WO uns beim letz­ten Ar­beits­tref­fen als The­ma für ei­ne Kam­pa­gne vor­ge­nom­men hat­ten: die Ab­schaf­fung der größ­ten Bank­no­ten (Welt-Ar­ti­kel vom 26.01.). Uns geht es da­bei we­ni­ger um die Be­käm­pfung der klas­si­schen Kri­mi­na­li­tät, als da­rum, das qua­si-kri­mi­nel­le Zu­rück­hal­ten von be­nö­tig­ten Zah­lungs­mit­teln zu­min­dest un­hand­li­cher zu ma­chen. Für die IN­WO kom­men­tiert Klaus Wil­lem­sen. Es hilft der Sache und wir freu­en uns, wenn Les­er un­se­rer Tex­te (z.B. News­let­ter und Medien­spie­gel) in Kom­men­ta­ren bei an­de­ren Me­dien auf die­se (im Netz) ver­wei­sen!

2. Termine

2. Fe­bruar, Dort­mund: Frie­dens­fra­gen - Jür­gen Wag­ner von IMI Tü­bin­gen mit dem The­ma „Kriegs­u­nion EU / Glo­ba­li­sie­rungs­stra­te­gie“. Um 19 Uhr in der Aus­lands­ge­sell­schaft NRW. Mark Brill or­ga­ni­siert die­se in Geld- und Bo­den­fra­gen ver­wur­zel­te Ver­an­stal­tungs­rei­he (je­den 1. Diens­tag im Mo­nat).

6. Fe­bruar, Leip­zig: Spe­zial­se­mi­nar Die „Geld­schöpfung“ von Stef­fen Hen­ke, Vor­stand der Neu­es Geld gGmbH (Teil­nah­me hier schon ab 10 €).

17. - 19. Fe­bruar, Wup­per­tal: „Von der Knapp­heit in die Fül­le - ein an­de­res Zu­kunfts­bild des Wirt­schaf­tens“. Ver­an­stal­tung mit Tan­ja Adam-Heus­ler, Dr. Mi­chael Ko­patz (Wup­per­tal-In­sti­tut), Dr. Hol­ger Kreft, Stef­fen Hen­ke, An­dre­as Ban­ge­mann und ei­ni­gen mehr.

27. - 28. Fe­bruar, Bad Boll: Ta­gung Aus­wir­kun­gen ei­ner Geld­re­form des SFFO.

1. März, Dort­mund: Frie­dens­fra­gen - Pe­ter Wahl (At­tac & WEED) mit dem The­ma „TTIP und der Um­bruch der Welt­ord­nung“. Sie­he Ter­min 2. Fe­bruar.

4. und 5. März, Hom­burg-Er­bach: Vor­trag (um 19 Uhr) und Spe­zial­se­mi­nar Die „Geld­schöpfung“ (10 - 18:30 Uhr) von Stef­fen Hen­ke (s.o.)

12. - 13. März, Ful­da­tal (Sim­mers­hau­sen): Quo va­dis, Eu­ro­pa? , 57. Mün­de­ner Ge­sprä­chen.

19. Fe­bruar, Vai­hin­gen. Vor­trä­ge ab 19 Uhr von Ru­dolf Mehl (CGW) und Hel­mut Rau (IN­WO) im Rah­mend der Dis­kus­si­ons­rei­he „We­ge aus der Wachs­tums­fal­le“ der Ini­tia­ti­ve Vai­hin­gen Öko­lo­gisch So­zial (VÖS).

21. und 22. Mai in Wit­ten: Geld­gip­fel 2016 – Vom Fuß­ab­druck zum Han­d­ab­druck. Zwei­ter Geld­gip­fel der GLS-Bank nach 2014.

30. Mai bis 02. Ju­ni 2016 in Ber­lin: Der Streit ums Land, Se­mi­nar.

25. Ju­li bis 7. Au­gust 2016, Wup­per­tal: 3. Som­mer­camp der Wup­per­ta­ler Frei­licht­büh­ne.

30. Ju­li 2016, Wup­per­tal: Mit­glie­der­ver­samm­lung der IN­WO Deutsch­land mit Ein­stei­ger­se­mi­nar zur Frei­wirt­schaft als „Vor­pro­gramm“.

Irr­tü­mer und Än­de­run­gen vor­be­hal­ten. Mehr lo­ka­le und ak­tua­li­sier­te Ter­mi­ne ste­hen im­mer im IN­WO-Ter­min­ka­len­der.

3. In­ter­essan­tes aus Me­dien und Netz

Graph
Überschuss durch niedrige Zinsen

Kei­ne neu­en Schul­den – nur dank nied­ri­ger Zin­sen kom­men­tiert IN­WO-Mit­glied Jens Ha­ke­nes die Mel­dung zum Jah­res­be­ginn, dass der Bund 2015 und 2014 erst­mals seit 1969 die Ver­schul­dung nicht aus­wei­te­te.

Wäh­rend Oxfam letz­tes Jahr noch mel­de­te, dass ein Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung mehr be­sit­ze als „der Rest“ (al­so et­wa 70 Mil­lio­nen zu 7 Mil­li­ar­den), wird die­ses Jahr et­was an­schau­li­cher zu­ge­spitzt: Nur 62 Men­schen be­sit­zen mehr Ver­mö­gen, als die „är­me­re Hälf­te“, der Welt­be­völ­ke­rung (wo­bei die­se ver­mut­lich wie in Deutsch­land re­la­tiv fast nichts be­sitzt). Ei­gent­lich sind sol­che un­fass­ba­ren Zah­len nur noch mit Sa­ti­re zu er­tra­gen... und dank der wei­ter­hin den Rei­chen zu­flie­ßen­den leis­tungs­lo­sen Ein­kom­men aus Bo­den­be­sitz und Ur­zins wird die Zu­spit­zung je­des Jahr dra­ma­ti­scher.

Ein Bei­trag und ei­ne Re­por­ta­ge von Deutsch­land­ra­dio Kul­tur prä­sen­tie­ren Men­schen und Grup­pen, die aus gu­ten Grün­den ein be­ding­ungs­lo­ses Gr­und­ein­kom­men for­dern, oh­ne sich da­bei al­ler­dings un­be­dingt auf ei­ne be­stimm­te Fi­nan­zie­rung des­sel­ben fest­zu­le­gen. Die von der IN­WO ge­for­der­te Bo­den­re­form wür­de die Mit­tel da­zu auf ge­rech­tes­tem We­ge be­reit­stel­len - man könn­te die­se aber statt für ein Gr­und­ein­kom­men auch „le­dig­lich“ zur Ab­lö­sung al­ler an­de­ren Steu­ern ver­wen­den und wei­ter­hin nur be­dürf­ti­ge Men­schen ge­zielt un­ter­stüt­zen.

Vol­ker Pis­pers bringt in sei­nem lau­fend ak­tua­li­sier­ten Pro­gramm „Bis Neu­lich“ die trau­ri­gen The­men Flücht­lings- und Fi­nanz­kri­se auf ir­gend­wie noch un­ter­halt­sa­me Wei­se un­ter ei­nen Hut. Da der WDR of­fen­bar kein Au­dio-Ar­chiv an­bie­ten kann oder will, muss man auf ei­ne an­de­re Quel­le zu­rück­grei­fen.

4. Film- und Buch­tipps

Titelbild
Geit­mann 2016

Ro­land Geit­mann - So­zial­öko­no­mi­sche Weis­heits­schät­ze der Re­li­gio­nen (2016)

Der lei­der En­de 2013 ver­stor­be­ne Geit­mann, Pro­fes­sor für Ver­wal­tungs­recht an der Fach­hoch­schu­le Kehl bis 2006, war von 1989 bis 2009 Vor­sit­zen­der der Chris­ten für ge­rech­te Wirt­schafts­ord­nung, die in­halt­lich der IN­WO sehr na­he ste­hen. In der Kri­tik der ge­gen­wär­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nahm er kein Blatt vor den Mund. Un­ser Wirt­schafts­sys­tem nann­te er „zer­stö­re­risch“ und „ver­bre­che­risch“.

In dem post­hum zu­sam­men­ge­stell­ten Band sieht Geit­mann in der „Vor­ent­hal­tung des Bo­dens und [der] Pri­va­ti­sie­rung der Bo­den­ren­te welt­weit Quel­len so­zia­ler Un­ge­rech­tig­keit und mensch­li­cher Ver­elen­dung“. Das Geld­we­sen sei „der töd­li­che Tu­mor der Ge­sell­schaft und [bil­de] den Kern struk­tu­rel­ler Ge­wal­t“. Un­ser „struk­tu­rell ge­walt­tä­ti­ges Wirt­schafts­sys­tem“ über­for­de­re die Men­schen und trei­be sie im­mer wie­der zu di­rek­ter Ge­walt an. Letzt­end­lich müs­se „ei­ne auf Zin­ses­zins ba­sie­ren­de und des­we­gen auf ex­po­nen­tiel­les Wachs­tum an­ge­leg­te Wirt­schaft [...] mit ma­the­ma­ti­scher Zwangs­läu­fig­keit kol­la­bie­ren“. Das, was land­läu­fig als „Fi­nanz­kri­se seit 2007“ be­zeich­net wird, sieht Geit­mann als über­fäl­li­gen „schritt­wei­sen Sys­tem­zu­sam­men­bruch“. Doch die in den USA und der EU er­grif­fe­ne Maß­nah­me, „die Fi­nanz­bla­se mit Hil­fe zu­sätz­li­cher Staats­ver­schul­dung zu flicken“, ze­men­tie­re und ver­schär­fe „ein Tri­but­zah­lungs­sys­tem zu­guns­ten ei­ner rei­chen Schicht und [be­deu­te] mo­ne­tä­re Re­feu­da­li­sie­rung.“

In den ver­schie­de­nen le­sens­wer­ten Tex­ten ana­ly­siert Geit­mann Ausprä­gung und Ent­wick­lung des Zins­ver­bots in Chris­ten­tum, Ju­den­tum, Is­lam und An­tro­po­so­phie. Er ar­gu­men­tiert al­ler­dings über­wie­gend ganz welt­lich: „In der De­mo­kra­tie trägt je­der Bür­ger Mit­ver­ant­wor­tung für die zeit­ge­mä­ße Fort­ent­wick­lung des Rechts.“

Ei­ne et­was aus­führ­li­che­re Be­spre­chung wird in Fair­co­no­my 1/2016 er­schei­nen.

5. Das Wort zum ... Schluss

 

„Wir le­ben in ei­nem Drit­ten Welt­krieg, ei­nem Wirt­schafts­krieg der Wu­cher­zin­sen, des Preis­ver­falls und des un­glei­chen Aus­tau­sches. Die Ar­men die­ser Er­de weh­ren sich mit Dro­gen und künf­tig ver­mut­lich mit un­auf­halt­sa­men Hun­ger­mär­schen gen Nor­den und gen Wes­ten.“
Prof. Ro­land Geit­mann be­reits 1991 in Zins­ver­bot aus Lie­be - Christ­li­cher Glau­be und Wirt­schafts­mo­ral in Sonn­tags­blatt. Zi­tiert nach obi­gem Buch­tipp-Buch (S. 78)

 

Mit freund­li­chen Grüßen
Vla­do Pla­ga und Mit­strei­ter

Im­pres­s­um:

Her­aus­ge­ber: IN­WO Deutsch­land e. V., Wüste­feld 6, 36199 Ro­ten­burg an der Fulda
Te­le­fon: 06623-919601, Fax: 06623-919602, E-Mail: inwo(at)INWO.de
Ver­tre­tungs­be­rech­tig­ter Vor­stand und in­halt­lich Ver­ant­wort­li­cher gemäß §10 Ab­satz 3 MDStV: Erich Lan­ge & Vla­do Pla­ga
Re­gis­ter­ge­richt: Amts­ge­richt Frank­furt am Main, Re­gis­ter­num­mer: VR 10338
Bank­ver­bin­dung: GLS Ge­mein­schafts­bank e.G. Bo­chum, IBAN: DE32430609676010451400, BIC: GENODEM1GLS