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»Wenn die Rente nicht zum Leben reicht«

Ein paar Prozent mehr Rente hilft nicht gegen Altersarmut. SPD und Gewerkschaften blenden auch weiterhin die Ursachen aus. Die Vermögen der Grundeigentümer explodieren, Mieter und Pächter werden bis an die Schmerzgrenze belastet und wer sein Einkommen nicht entsprechend steigern kann, bleibt auf der Strecke. »Wenn die Rente nicht zum Leben reicht« müsste in den meisten Fällen lauten: wenn die Rente nicht für den Vermieter reicht.

 

»Das Risiko, im Alter arm zu sein, wird in den kommenden Jahren steigen. Die drastischen Warnungen vieler Politiker und Gewerkschafter sind aber ziemlich übertrieben.« Mit diesen Worten leitete Thomas Öchsner in der Süddeutschen Zeitung seinen Beitrag »Wenn die Rente nicht zum Leben reicht« ein. Der Autor macht deutlich, dass viele »Anwälte« des kleinen Mannes auf Grundlage falscher Zahlen argumentieren. Diverse Ungenauigkeiten diskreditieren die berechtigten Sorgen und Ansprüche der wirklich betroffenen Bevölkerungsgruppen.

6 % von wenig bleibt wenig
Mit der Fixierung auf ein Rentenniveau von 46% oder 50% blenden Gewerkschafter und SPD-Strategen die tatsächlichen Gefahren der und Ursachen für Altersarmut aus. Für Beschäftigte im Niedriglohnbereich und Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien spielen 5, 6 oder 7% mehr Rente letztlich keine Rolle.

Was aber für Menschen mit geringem Einkommen durchaus eine Rolle spielt ist die Entwicklung der Mieten. In vielen Gegenden Deutschlands haben sich die Bodenpreise, und damit die Mieten, in den letzten 20 bis 30 Jahren verdoppelt. Selbst Genossenschaften haben für »ihre Genossen« die Quadratmeterpreise bei Neuvermietung der Marktentwicklung notwendigerweise angepasst. Würden sie darauf verzichten, würden gut verdienende Mieter durch einen wachsenden Anspruch an Wohnraum mehr und mehr Geringverdiener aus den Häusern verdrängen.

Genau dieser Trend findet allgemein auf dem Wohnungsmarkt statt. Die Grundstückspreise und Renditen explodieren regelrecht und werden für Geringverdiener zur existenziellen Belastung ihres geringen Budgets. Diese Zusammenhänge finden sich leider weder in dem Beitrag von Thomas Öchsner, noch in Forderungspapieren von SPD oder Gewerkschaften.

Generationengerechtigkeit darf auch Spekulanten nicht ausgrenzen
Würde man die Spekulationsgewinne des Bodens aus den letzten 20 Jahren steuerlich abschöpfen und pro Kopf komplett und zu gleichen Teilen an die Bevölkerung zurückverteilen, hätten alle Bürger einen dreistelligen Betrag als monatlichen Bonus zusätzlich zur Verfügung. Je geringer das eigene Einkommen, desto größer wäre der persönliche Gewinn für Rentner, Teilzeitbeschäftigte, Studenten und insbesondere für alle Lebensgemeinschaften mit Kindern.

Anstatt über den Generationenausgleich die arbeitende Bevölkerung immer stärker zur Kasse zu bitten, könnte man die Grundeigentümer in die Pflicht nehmen. Diese Form der Sozialpartnerschaft wäre insbesondere dann gerecht und ausgewogen, wenn man sich darauf beschränkt, lediglich die Spekulationsgewinne abzuschöpfen. Diese gehen nicht mit einer individuellen Leistung des Eigentümers einher, sondern resultieren nahezu ausschließlich aus der gesellschaftlichen Entwicklung des Umfelds. Lesen Sie dazu bitte auch »im Handelsblatt: Einen Bodenwertsteuer hätte viele Vorteile« und »Grundsteuer: Zeitgemäß!«.

Klaus Willemsen, 27.6.2017

Verwendete Quellen: www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arm-im-alter-wenn-die-rente-nicht-zum-leben-reicht-1.3559922

http://www.inwo.de/medienkommentare/im-handelsblatt-eine-bodenwertsteuer-haette-viele-vorteile/

www.grundsteuerreform.net