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FAIRCONOMY-Newsletter Nr. 45

Der Krieg um das si­che­re Geld der Zu­kunft (Die Welt),
Auf Sardinien rollt statt des Euro der Sardex (Der Standard),
Zum Tod von Margrit Kennedy (28.12.2013),
Buchtipp Arno Garmann - „Wir arbeiten und nicht das Geld“

1. Interessantes aus den Medien:

Sogar die Welt hat 2014 mit einem Artikel über alternative Geldsysteme begonnen - natürlich nicht ohne einen reißerischen Titel zu verwenden: Der Krieg um das sichere Geld der Zukunft (12.01.).

Mit Als gäbe es kein Morgen kommentiert am 10.01.2014 Klaus Willemsen den gleichnamigen Zeit-Artikel, in dem es um die aktuelle Situation an den „Finanzmärkten“ geht. Mittlerweile ist es übrigens möglich, seine Zustimmung zu unseren Medienkommentaren auf bequeme und knappe Weise zu bekunden: per like, +1 oder tweet.

Auf Sardinien rollt der Sardex berichtete am 18.11.2013 der Standard. Die Währung ist umlaufgesichert und bargeldlos, mit hoher Umlaufgeschwindigkeit und zinslosen Krediten. Im Kleingedruckten wird auf das historische Vorbild aus Wörgl hingewiesen und unter dem Artikel gibt es 557 Leserkommentare.

Der „Newsletter Zins & Börse“ (!) der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling enthielt eine Ausgabe über den Zinseszinseffekt - mit einer Grafik von Helmut Creutz und zahlreichen Gedanken aus der Freiwirtschaft.

 

Margrit Kennedy
Beisetzung von M. Kennedy

2. Aktuelles:

Margrit Kennedy ist am 28. Dezember 2013 verstorben. Sie, die nun ihre Augen geschlossen hat, öffnete so vielen die Augen mit Vorträgen und mit Büchern wie Geld ohne Zinsen und Inflation (1991) oder dem wunderbar kompakten Occupy Money (2011).

3. Termine:

01. Fe­bruar 2014, Stutt­gart: SO­Fa-Kon­gress im Fo­rum 3 mit Vor­trägen/Work­shops von Hel­mut Rau (Geld­re­form) und Frank Boh­ner (Bo­den­re­form). Beide Vorträge sind von 13.30 Uhr bis 15 Uhr.

15./16. März 2014: 53. Mündener Gespräche.

05./06. April 2014: INWO-Mitgliederversammlung in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte

Mehr lo­ka­le und ak­tua­li­sier­te Ter­mi­ne ste­hen im­mer im IN­WO-Ter­min­ka­len­der.

4. Film- und Buchtipps:

 

Buch: Gahrmann

Arno Gahrmann: Wir arbeiten, und nicht das Geld. Wie wir unsere Wirtschaft wieder lebenswert machen. Westend, Frankfurt/Main 2013, 224 S., 17.99 €, ISBN 978-3-86489-038-3

Arno Gahrmann, emeritierter Professor für Finanzierung und Investition, hat nichts weniger vorgelegt als ein Manifest gegen die herrschende Zahlengläubigkeit.

Kritisch hinterfragt er beispielsweise die Aussagekraft von Unternehmensbilanzen: „Welchen Wert haben solche penibel errechneten Zahlen, wenn sie sich ohnehin alle drei Monate ändern? Welche Substanz können in Geld ausgedrückte Vermögenswerte überhaupt besitzen?“ Er vermutet zurecht, dass sich hinter vielen der aufgeblähten Zahlenwerke inflationäre Preissteigerungen und Blasen bei Immobilien und Aktien verbergen. Ein Unternehmen sei in der modernen Ökonomie ohnehin nur mehr „ein Mittel zum Zweck der Kapitalmehrung“. Der Finanzkapitalismus treibt diese Entwicklung auf die Spitze, indem aus dem Kapital selbst heraus neue virtuelle „Produkte“ kreiert werden, die es mehren helfen – völlig losgelöst von der Realwirtschaft. In der Konsequenz ist für Gahrmann die Werthaftigkeit von Vermögen an sich fragwürdig geworden.

Schulden sind in einer arbeitsteiligen Gesellschaft „so natürlich wie unerlässlich“. Es wundert daher nicht, dass „schon im Moment der Geldschöpfung Kreditschulden generiert werden“. Dass jedoch die Bereitstellung und Nutzung von Geld mit Zinskosten verbunden ist, habe mit diesem Prinzip nichts zu tun. Vielmehr könne ein Geldgeber – hier referiert er die Sicht der Freiwirtschaftler – „ohnehin froh sein, wenn der Kreditnehmer so gut mit dem Geld wirtschaftet, dass er den Wert des Geldvermögens erhält“. Erwähnung findet auch die Umlaufsicherungsgebühr: „Wer hingegen sein Geld nur bar oder auf einem Girokonto hält, müsste sogar mit einem negativen Zins, nämlich der Prämie an die Allgemeinheit, rechnen“. Die Allgemeinheit habe ja erst den „Supermarkt Deutschland“ hingestellt, der die reiche Verwendungsmöglichkeit von Geld sichere.

Dieses Buch enthält viele aufrüttelnde Passagen und provokante Fragen. Es ist eine wirkliche Perle unter den vielen Wirtschaftsbüchern der letzten Jahre und ein tolles Geschenk für alle (noch) Zahlengläubigen.

Kurzversion der Rezension von Beate Bockting aus Fairconomy 4/2013 (S. 20)

5. Das Wort zum ... Schluss:

Mir wäre viele Jahre lang nichts lieber gewesen, als dass mir jemand hätte nachweisen können, dass ich einen wirklichen Denkfehler begangen habe. Dann wäre ich zum ökologischen Bauen zurückgekehrt.

Margrit Kennedy im taz-Interview (ursprünglich am 01.09.2012 veröffentlicht)

Mit freundlichen Grüßen
Vlado Plaga