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FAIRCONOMY-Newsletter Nr. 41

1. Interessantes aus den Medien:

INWO-Aktive auf dem Kirchentag

Auf dem Kirchentag stellte der Entwickler des FCoin (Fair Coin, „gerechte Münze“) sein Projekt einer Internetwährung mit Umlaufsicherungsgebühr (0,01 % pro Tag, also etwa 3,5 % pro Jahr) vor. Auf dem eingebauten Marktplatz finden sich momentan hauptsächlich Teilnehmer aus dem Raum Hannover.

Arm und Reich – Wie geteilt ist Deutschland? (3sat, Erstsendung 19.3.) zeigt mit markanten Bildern und Aussagen die düstere Ist-Situation in Deutschland. Unter „Mediathek“ im oberen rechten Bereich gelangt man zum eigentlichen Beitrag. Außerdem wiederholt 3sat den Film am 25. Mai um 21 Uhr im „traditionellen“ Fernsehen.

Zypern ist ein Einzelfall (Deutschlandradio Kultur, 19.03.): zum ersten mal in der gegenwärtigen Finanz- und Schuldenkrise werden die BankKUNDEN (als die eigentlichen privaten Gläubiger) zur Reduzierung der öffentlichen Schulden herangezogen, auch die „kleinen“ Sparvermögen unter 100.000 Euro sollten mit einer Zwangsabgabe belegt werden - Problem: Man befürchtet zu Recht einen Bankrun! Warum Herr Fratzschker aber meint, dass dieses Modell auf keinen Fall in anderen europäischen Staaten Schule machen soll, bleibt unklar - ebenso seine Bezeichnung der portugiesischen Schulden als „nachhaltig“. Nachhaltig wäre die von der INWO geforderte Umlaufsicherung, denn damit würde Geld auch ohne Zinsen verliehen und die Banken wären weder von Bankruns, noch von Zinserwartungen, noch von Kreditausfällen in dem Maße bedroht, wie sie das heute sind.
Präzedenzfall Zypern (Deutschlandradio Kultur, 05.04.): Freiwirtschaftliche Sichtweisen werden im Gespräch dieser Finanzexperten zwar nicht eingebracht, aber die Diskussion über Banken, Gläubiger, Vermögensanlagen, „Steuerwettbewerb“, Staatsinsolvenz und „normale“ Zinsniveaus hat durchaus interessante Aspekte.
Jeweils in der rechten Seitenleiste findet man unter „Audio on demand“ die Beiträge zum Nachhören.

Neues aus der Anstalt vom 26.03. (ZDF): Mit einem Geldautomaten im Studio wird geschickt auf die Geldsystemkrise hingewiesen, Pelzig berichtet Neues von right2water, welches er in der vorherigen Sendung stark beworben hatte (und wir im Rundbrief #39) und Christine Prayon ermahnte unsere Politiker, im Andenken an das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich („Ermächtigungsgesetz“) sich nicht mit dem ESM scheibchenweise selbst zu entmachten.

2. Aktuelles:

Die maßgeblich von der INWO organisierte Perspektiventagung in Essen war sehr erfolgreich! Zahlreiche Besucher gaben lobende Rückmeldungen und wir erhielten von den vielen fachlich starken und gut präsentierten Vorträgen qualitativ hochwertige Video-Aufzeichnungen. Ein erster Vortrag davon ist jetzt im Netz, Prof. Felix Fuders - Der geldpolitische Ausweg aus dem ökonomischen Dilemma. Weitere Filme sollen in den nächsten Wochen folgen.

Auf dem Kirchentag war die INWO mit einem großen Stand stark vertreten. Nicht nur am eigenen Stand konnten wir uns und die Freiwirtschaft bekannt machen, sondern wir besuchten auch gezielt andere Kirchentagsaktive, zum Beispiel Christian Felber (Gemeinwohlökonomie), der ein Foto vom INWO-Vorsitzenden mit seinem „70% Wolle / 30% Zins“-T-Shirt machte oder Sigmar Gabriel (SPD), der die 30%-Zinsanteil-Bierdeckel lobte.

Seit dem 08.04. veranstaltet INWO-Mitglied Joseph Meyer im belgischen St. Vith, der Geburtsstadt Silvio Gesells, regelmäßig „Montagsdemonstrationen“ unter dem Motto „Es ist doch Wahnsinn zu glauben, man könne alles so lassen wie es ist, wenn man auf einer Bombe [...] sitzt, welche mit einem Zeitzünder, dem Zinseszins, verbunden ist.“ - zur Nachahmung empfohlen.

3. Termine:

Frankfurt, 1. Juni: Blockupy 2013. Wie schon im letzten Jahr wird die INWO im Zentrum der Bankenmacht Flagge zeigen für ein gerechtes, langfristig tragfähiges Geld- und Finanzsystem (siehe Fairconomy 2/2012, Seite 13).

Brixen (Südtirol), 23. bis 26. Mai: „Die Kunst der Freiheit – „Tage der Nachhaltigkeit“ Unter anderem mit Helena Norberg-Hodge, Bernd Senf und Niko Paech.

Werdau (Sachsen) am 29. Mai und Witzenhausen (Hessen) am 27. Juni: Vorträge von Steffen Henke.

Nürnberg, Samstag, 8. Juni, 10 bis 20 Uhr: Sommertagung der Humanen Wirtschaft. Vorträge und Diskussionen u.a. mit Prof. Wolfgang Berger und Steffen Henke.

Bad Boll (Baden-Württemberg), 6./7. Juli: Tagung Wege zur Stabilität im Euroraum des Seminars für freiheitliche Ordnung, unter anderem mit Fritz Andres und Prof. Thomas Huth.

Karlsruhe, 20. und 21. Juli, INWO-Infostand beim Musik-Festival Das Fest.

Fuldatal-Simmershausen (Hessen), 12. und 13. Oktober: Mündener Gespräche der Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft.

Mehr lokale und aktualisierte Termine stehen immer im INWO-Terminkalender.

4. Film- und Buchtipps:

Der Finanzschlumpf (1992) ist zwar nicht mehr neu, aber da am 11.05. Gratis-Comic-Tag war, passt eine Empfehlung doch gerade in den Mai-Fairconomy-Newsletter. Man kann woanders schon eine ausführliche Kritik finden und somit belasse ich es bei wenigen Sätzen: die Einführung von unvergänglichem und damit zinsbringendem Geld führt im vormals friedlichen Schlumpf-Dorf zu einer Spaltung in Arm und Reich, dazu dass die vormals kostenlos nutzbare Brücke gebührenpflichtig wird und zu manch anderer Entwicklung, die wir auch in unserer Gesellschaft beobachten können. Nachdem es fast allen Schlümpfen genug mit dem Geld geworden ist, finden sie einen Ausweg aus dem System... leider einen, der uns nicht so leicht möglich sein dürfte.

Vermögens- und Schuldenuhr

5. Das Wort zum ... Schluss:

„Es ist alles still, wie in einer verschneiten Winternacht. Nur ein leiser, monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal auch klirrt etwas, wie ein Messer, das gewetzt wird.“


Heinrich Heine, Lutetia (Artikel LII), 1855

 

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Schütze und Vlado Plaga