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FAIRCONOMY Newsletter Nr. 39

1. Interessantes aus den Medien:

In Ist der Monetarismus widerlegt? brachte der emeritierte Schweizer Wirtschaftsprofessor Peter Bernholz am 14.01.2013 mal wieder den Namen Silvio Gesell in die wirtschafts-wissenschaftliche Diskussion um die richtige Notenbank-Politik ein. Besonders unter dem Aspekt der von der INWO geforderten Gesell'schen Bodenreform ist auch der erste Kommentar unter diesem Artikel, von Gerhardus Lang, lesenswert.

Am 17.12.2012 berichtete die FAZ unter dem Titel „Das Gespenst der negativen Leitzinsen“, dass einige Analysten glauben, die EZB könne den Einlagezins bald „unter null Prozent drücken“. Ziel dieser Maßnahme sei, die Geschäftsbanken dazu zu bewegen, mit ihrem vielen neuen Zentralbankgeld tatsächlich Kredite zu vergeben - als Wirtschaftsförderung und um eine Deflation vor allem in den südlichen „Euro-Krisenländern“ zu vermeiden. Laut Artikel fürchtet Makroökonom Ansgar Belke, dass die Banken den negativen Leitzinsen durch einen Umstieg in Bargeld oder Immobilien und Rohstoffe auswichen - wogegen die von der INWO geforderte Geld- und Bodenreform ein wirksames Mittel wäre.

Am 13.12.2012 brachte Monitor einen Beitrag zur von der EU-Komission forcierten Wasserprivatisierung. Zu dieser fortschreitenden Privatisierung und damit gleichzeitig zunehmenden Konzentration von Ressourcen in den Händen Weniger, die dem freiwirtschaftlichen Anliegen des gleichen und bis zur mittleren Benutzung effektiv kostenlosen Zugangs diametral entgegengesetzt ist, gibt es (mindestens) eine Gegenkampagne.

Mit Ausweg Vermögenssteuer? veröffentlichte Telepolis am 08.12.2012 wieder einen Artikel von Klaus Willemsen. Der Artikel argumentiert für fließendes Geld bzw. Freigeld im Sinne der INWO, statt der jetzt vielfach geforderten Vermögensbesteuerung, aber die sehr zahlreichen Leser-Kommentare zum Artikel lassen darauf schließen, dass Einige ihn missverstanden haben. Kronzeuge für Willemsen ist in diesem Fall der Kolumnist Wolfgang Münchau bzw. sein in einer der letzten Ausgaben der FTD veröffentlichtes Plädoyer für negative Zinsen.

Mit Die einzige Deckung des Geldes ist Vertrauen liefert Andreas Bangemann in der November-Ausgabe der Humanen Wirtschaft einen aufschlussreichen kommentierten Bericht vom ersten „Bargeldsymposium“ der Deutschen Bundesbank.

2. Aktuelles:

Bild aus dem Film

Unser Internetauftritt INWO.de wird nicht nur mit Medienkommentaren, Newsletter- und kompletten Fairconomy-Zeitschriften ständig aktualisiert, sondern zuweilen geschieht auch an anderen Stellen etwas. Kurz vor diesem Rundbrief wurde zum ersten Mal seit langem der Video-Bereich aufgeräumt und erweitert - jetzt mit dem neuen INWO-Werbefilm an der Spitze.

Das noch raumlose INWO-Regionalbüro West in Dortmund hat mit Beginn des Jahres seine Arbeit aufgenommen. Darin erreichbar ist Vlado Plaga unter Tel. 0231 44995855 oder per E-Mail: vlado.plaga@inwo.de

Die INWO unterstützt den bundesweiten Aufruf zur Grundsteuerreform Grundsteuer: Zeitgemäß!. Die Forderung dieses unter anderem von Dirk Löhr initiierten Aufrufs, die Besteuerung von Landbesitz generell zu aktualisieren und von der Bebauung weitgehend unabhängig zu machen, könnte ganz im Sinne des Gesell'schen Freilandes die Bodenrente „wegsteuern“. Eine Folge wären gleichmäßig hohe Steuereinnahmen aus dem Boden, dessen Wert ja hauptsächlich durch die umliegende gemeinschaftlich geschaffene Infrastruktur bestimmt wird, was eine massive Steuerentlastung für diejenigen möglich machte, die nicht über Bodeneigentum verfügen. Auch Einzelpersonen können diesen Aufruf unterstützen.

Im Dezember 2012 hat die IG Metall sich auf ihrem dreitägigen Berliner Kurswechsel-Kongress intensiv mit der Wirtschaftskrise und einer gewerkschaftlichen Antwort darauf befasst. In der knappen, zweiseitigen Abschlusserklärung lässt sich leicht nachlesen, was dort Konsens war - aus freiwirtschaftlicher Sicht viele richtige Ziele (soziale Spaltung stoppen, auskömmliche Löhne für alle, Mitbestimmung, ...), aber leider nur bedingt wirksame Maßnahmen (Finanztransaktionssteuer, Regulierung, ...).

3. Termine:

Köthen, 8. bis 14. März: Macht Geld Sinn Energie 2013.

Prof. Max OtteFreitag, 15. März, bis Samstag, 16. März 2013, Essen: Der Crash kommt ...! - Perspektiventagung von INWO, ÖSF, Sozialwissenschaftlicher Gesellschaft und VHS Essen unter der Fragestellung: Kann eine Veränderung der Geldordnung ein wachstums- und verteilungsneutrales Geld ermöglichen?
Referenten sind unter anderem Prof. Max Otte (Der Crash kommt), Prof. Dirk Löhr (SG) und Christian Gelleri (Chiemgauer).
Bis zum 31.01. anmelden und sieben Euro Anmeldegebür sparen!
Wer Handzettel (Flyer) verteilen möchte, kann diese beim INWO-Versand oder bei Vlado Plaga anfordern.
Bitte machen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis oder im Internet auf die Perspektiventagung aufmerksam und tragen Sie mit dazu bei, dass diese ein Erfolg wird!

Sonntag, 17. März 2013, Essen: INWO-Mitgliederversammlung von 10 Uhr bis 17:30 Uhr.

2. bis 5. Mai, Hamburg: Die INWO auf dem Kirchentag - Wie bei den Evangelischen Kirchentagen zuvor wird die INWO auf dem Markt der Möglichkeiten mit einem Stand vertreten sein. Wir suchen noch Standbetreuer! Bei Interesse bitte Frank Roessner (frank.roessner@inwo.de) kontaktieren!

In zeitlicher Konkurrenz zum Kirchentag, aber am entgegengesetzten Ende von Deutschland, findet vom 3. bis 5. Mai in Traunstein der 5. Regiogeld-Kongress statt, auf dem der Chiemgauer 10jähriges Bestehen feiern kann.

Mehr lokale und aktualisierte Termine stehen immer im INWO-Terminkalender.

4. Film- und Buchtipps:

In Wir sind das Volk - Bürgerrecht statt Bankenrecht bekommt man über eine gut gefilmte und geschnittene Podiumsdiskussion Einblick in den Konflikt einiger österreichischen Unternehmer mit ihrer Finanzmarktaufsicht (FMA). Auf dem Podium befinden sich mehrere Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen, insbesondere der GEA, von dessen Gründer Heini Staudinger das Abschlusszitat dieses Rundbriefs stammt. Diese Unternehmen finanzieren sich an den Banken und an der Börse vorbei mit Direkt-Krediten von Privatpersonen und streiten dafür, dies auch weiterhin tun zu können. Die GEA akzeptiert, wie einige andere Unternehmen aus der Region, neben dem Euro auch die regionale, umlaufgesicherte Währung, den Waldviertler.
Leider ist der Ton nicht so gut aufgenommen wie das Bild und gerade für Menschen von nördlich der sprachlichen Mainlinie bleibt so Manches unverständlich - aber dafür ist der Unterhaltungswert umso größer. Zusätzlich zur hier besprochenen 1:08-Stunden-Version gibt es auch eine ausführlichere 2:23-Stunden-Version.

5. Das Wort zum ... Schluss:

„Ich glaube, dass das Geld der erfolgreichste Sklavenhalter der Weltgeschichte ist. Und die Marie von Ebner-Eschenbach hat es einmal so gesagt: »Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.«“
Heini Staudinger (siehe Filmtipp)

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Schütze und Vlado Plaga