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FAIRCONOMY-Newsletter 77

* Fairconomy-Webinare

* Jahresrückblick 2020

* "Zwi­schen Kon­junk­tur­pro­gramm und großer Trans­for­ma­tion"

 

Titelbild Fairconomy
Fairconomy 3/2020

Inhalt:

  1. Aktuelles
  2. Termine
  3. Interessantes aus Medien und Netz
  4. Film- und Buchtipps
  5. Worte... zum Schluss

1. Ak­tu­el­les

Jahresrückblick 2020

...»und den­noch trau­en sich selbst grü­ne Ö­ko­no­men nicht, Al­ter­na­ti­ven zum per­ma­nen­ten Wirt­schafts­wachs­tum auf­zu­zei­gen«, so be­ginnt der Jah­res­rück­blick 2020 von Klaus Wil­lem­sen auf ei­ne bun­te Pa­let­te sehr le­sens­wer­ter Me­dien­spie­gel-Bei­trä­ge, die im ver­gan­ge­nen Jahr auf IN­WO.de er­schie­nen sind. Es lohnt sich, die­se in den so­zia­len Me­dien zu ver­lin­ken; das hilft, un­se­re The­men in den Fo­kus der öf­fent­li­chen Dis­kus­sio­nen zu rü­cken!

Fair­co­no­my: Ver­bes­se­rung un­se­res On­li­ne-An­ge­bots

Statt vier ge­druck­ter Aus­ga­ben wird es zu­künf­tig nur noch zwei ge­druck­te Fair­co­no­my pro Jahr ge­ben – da­für aber mehr und ak­tu­el­le­re In­hal­te auf IN­WO.de, dar­un­ter Fair­co­no­my-Ar­ti­kel aus dem PDF-For­mat „her­aus­ge­löst“ (so dass sie ins­be­son­de­re auf klei­nen End­ge­rä­ten bes­ser les­bar sind).

Grund zum Fei­ern: Ba­den-Würt­tem­berg führt ei­ne Bo­den­wert­steu­er ein!

Der Land­tag in Stutt­gart hat am 4. No­vem­ber ein neu­es Lan­des-Grund­steu­er­ge­setz ver­ab­schie­det. Die Grund­steu­er B wird da­mit zu ei­ner mo­di­fi­zier­ten Bo­den­wert­steu­er. Ba­den-Würt­tem­berg geht da­mit als ers­tes Land ei­nen ei­ge­nen Weg und nutzt die Län­der-Öff­nungs­klau­sel des Bun­des. „Mit un­se­rem Bo­den­wert­mo­dell ha­ben wir ein in­no­va­ti­ves, neu­es Kon­zept ent­wi­ckelt, mit dem auch die kom­mu­na­len Lan­des­ver­bän­de zu­frie­den sind. Es ist trans­pa­rent und ein­fach, nach­voll­zieh­bar und bü­ro­kra­tie­arm“, freut sich Fi­nanz­mi­nis­te­rin Edith Sitz­mann (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) Die „mo­di­fi­zier­te Bo­den­wert­steu­er“ ba­siert im We­sent­li­chen auf nur zwei Kri­te­ri­en: Grund­stücks­flä­che und Bo­den­richt­wert und wird ab 1. Ja­nu­ar 2025 er­ho­ben.

Mehr In­fos da­zu gibt es in un­se­rem We­bi­nar:

Dirk Löhr
Dirk Löhr

Webinar »Bo­den­wert­steuer – die Steu­er der Zu­kunft!«

am Sam­stag, 9. Ja­nu­ar, um 15.00 Uhr mit Prof. Dr. Dirk Löhr (Um­welt-Cam­pus Bir­ken­feld)

Wer teil­neh­men möch­te, kann per E-Mail an inwo@inwo.de (oder über un­ser Kon­takt­for­mu­lar) ei­nen Teil­nah­me-Link an­for­dern (wird ma­nu­ell ver­schickt, nach Ver­füg­bar­keit).

Wie be­reits im De­zem­ber­heft der FAIR­CO­NO­MY an­ge­kün­digt, star­tet die IN­WO da­mit ei­ne ei­ge­ne Rei­he von ko­sten­frei­en On­line-Se­mi­na­ren. Die Teil­nahme ist je­weils auf die er­sten 100 Teil­neh­mer be­grenzt.

2. Ter­mi­ne (wei­te­re)

6. März, 10.00 - 12.00 Uhr: On­li­ne-Tref­fen für neue und al­te Mit­glie­der »FAIR­CO­NO­MY and me« mit Bea­te Bock­ting und Matt­hias Klim­pel. Teil­nah­me-Link bit­te an­for­dern per E-Mail an in­wo@in­wo.de (oder über un­ser Kon­takt­for­mu­lar).

8. April, 19.00 - 21.00 Uhr: We­bi­nar »Fair­co­no­my – für ei­ne fai­re Wirt­schaft« mit Prof. Dr. Fe­lix Fu­ders (Uni­ver­si­dad Aus­tral de Chi­le). Teil­nah­me-Link bit­te an­for­dern per E-Mail an in­wo@in­wo.de (oder über un­ser Kon­takt­for­mu­lar).

24. - 26. Sep­tem­ber, Sil­vio-Ge­sell-Ta­gungs­stät­te Wup­per­tal: Er­satz­ter­min für die ur­sprüng­lich für März 2020 ge­plan­ten 65. Mün­de­ner Ge­sprä­che mit dem The­ma „Proud­hon, Ge­sell, Key­nes und ne­ga­ti­ve Zin­sen“.

Irr­tü­mer und Än­de­run­gen vor­be­hal­ten. Mehr lo­ka­le und ak­tua­li­sier­te Ter­mi­ne ste­hen im­mer im IN­WO-​Ter­min­ka­len­der

3. In­ter­essan­tes aus Netz und Me­dien

Dirk Löhr ist Pro­fes­sor für Steu­er­leh­re und Ö­ko­lo­gi­sche Ö­ko­no­mik am Um­welt-Cam­pus Bir­ken­feld der Fach­hoch­schu­le Trier, Au­tor und Blog­ger und Ini­tia­tor des Auf­rufs „Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß!“ Ak­tu­ell er­schien von ihm ein mei­nungs­star­ker Gast­bei­trag im Han­dels­blatt: Wir soll­ten leis­tungs­lo­se Ein­kom­men statt Leis­tung be­steu­ern (vom 15.12.2020, lei­der ist nur der An­fang kos­ten­los les­bar).

Auch von Ul­rich Krie­se, Spre­cher für Bau- und Sied­lungs­po­li­tik des Na­tur­schutz­bund Deutsch­land e.V. (NA­BU) und Mit­strei­ter bei "Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß!", sind zwei Bei­trä­ge im Han­dels­blatt er­schie­nen: Ba­den-Würt­tem­berg macht vor, wie sich die Grund­steu­er re­for­mie­ren lässt (vom 02.12.2020) und Die Baye­ri­sche Flä­chen­steu­er ist un­taug­lich und re­gres­siv (vom 21.12.2020). Zu­min­dest der zwei­te Ar­ti­kel ist nicht kom­plett kos­ten­los les­bar.

In ei­ner Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he des ar­gen­ti­ni­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums er­schien En­de 2020 der Sam­mel­band Sil­vio Ge­sell. Obra ar­gen­tina. Er ent­hält vier Wer­ke Ge­sells, von de­nen drei 1893, 1898 und 1909 in Bue­nos Ai­res ver­öf­fent­licht wur­den, so­wie ein Vor­wort des Staats­se­kre­tärs für Wirt­schafts­po­li­tik, Ha­rol­do Mon­ta­gu, und ei­ne Ein­führung des Ö­ko­no­men und So­zio­lo­gen Ro­dri­go López. „Sil­vio Ge­sell ist nicht nur der Va­ter des Grün­ders von Vil­la Ge­sell, son­dern auch der be­rühm­tes­te Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler un­se­res Lan­des in der Welt“, heiß es dort. „Er wur­de von Key­nes in ‘The Ge­ne­ral Theo­ry’ zi­tiert und ist ein Vor­läu­fer des ma­kro­ö­ko­no­mi­schen Den­kens. Heut­zu­ta­ge ha­ben die wich­tigs­ten Uni­ver­si­tä­ten der Welt und in­ter­na­tio­na­le Fi­nan­z­or­ga­ni­sa­tio­nen ihr In­ter­es­se an den in sei­nen Wer­ken ent­wi­ckel­ten mo­ne­tä­ren Ide­en er­neu­ert."

„Warum pas­sen wir zum Bei­spiel die Sub­ven­tio­nen und den Min­dest­lohn nicht schnel­ler an und be­steu­ern das Rent-See­king, al­so die un­pro­duk­ti­ven Ein­kom­men hin­ter den Miet- und Bo­den­preis­s­tei­ge­run­gen?“ fragt die Po­lit­ö­ko­no­min Ma­ja Gö­pel im Schrot-und-Korn-In­ter­view „Das kön­nen wir bes­ser“.

In der On­li­ne-Ver­an­stal­tung Zwi­schen Kon­junk­tur­pro­gramm und großer Trans­for­ma­tion: Wel­cher Weg führt aus der Kri­se? der grün-na­hen Hein­rich-Böll-Stif­tung dis­ku­tie­ren Ma­ja Gö­pel und Tom Krebs über die bes­ten Stra­te­gien zur Ü­ber­win­dung der Co­ro­na-Wirt­schafts­kri­se.

Die Zeit­schrift für So­zial­ö­ko­no­mie (ZfSÖ) hat am 1. Ja­nu­ar den auf­schluss­rei­chen Ar­ti­kel Ak­tu­el­le Stu­dien zur Un­gleich­heit des Ver­mö­gens­be­sit­zes in Deutsch­land von Karl-Mar­tin Hent­schel ver­öf­fent­licht.

4. Film- und Buchtipps

Zwei Bü­cher wer­den in der ak­tu­el­len Fair­co­no­my aus­führ­lich und hier nur kurz vor­ge­stellt:

Titelbild Pistor
Pistor: Der Code des Ka­pi­tals

Ka­tha­ri­na Pis­tor: Der Co­de des Ka­pi­tals

Ber­lin: Suhr­kamp Ver­lag, 2020

Ein Werk das von der Fi­nan­cial Ti­mes als ei­nes der bes­ten Bü­cher des ver­gan­ge­nen Jah­res aus­ge­zeich­net wur­de. Sein The­ma: Was ver­wan­delt blo­ßen Reich­tum in ein Ver­mö­gen, das au­to­ma­tisch mehr Reich­tum schafft?

Hö­ren Sie rein (Vi­deo-Ge­spräch bei You­tu­be, 1:34 h, deutsch) wie Ka­tha­ri­na Pis­tor in ei­nem Ge­spräch mit Sven Gie­gold die zen­tra­len The­sen ih­res hoch­ge­lob­ten Bu­ches vor­stellt, das am 16. No­vem­ber bei Suhr­kamp auf Deutsch er­schie­nen ist.

Titelbild Proudhon
Proud­hon: Was ist das Ei­gen­tum?

Pi­er­re-Jo­se­ph Proud­hon: Was ist das Ei­gen­tum?

Wien: Mon­te Ve­ri­ta, 2020

Ide­en­ge­schicht­lich Neu­es er­gibt sich häu­fig er­st im ra­di­ka­len Bruch mit Tra­di­tio­nen. Für ei­ne sol­che Zä­sur steht der fran­zö­si­sche An­ar­chist Pi­er­re-Jo­se­ph Proud­hon (1809-1865). Sei­ne um­fas­sen­de Struk­tur­ana­ly­se von Ei­gen­tum, Zins und Zir­ku­la­tion mach­te Epo­che.

Ei­ne en­ga­gier­te, kraft­vol­le An­kla­ge, von Lutz Ro­em­held er­fri­schend zeit­ge­mäß über­setzt und in sprach­lich vi­ta­le Form ge­bracht. Vor­an­ge­stellt ist ei­ne his­to­risch sys­te­ma­ti­sche Ein­lei­tung von Ger­hard Senft (S. 7-45)

Den Deu­tungs­be­reich der klas­si­schen Ö­ko­no­mie ließ Proud­hon nicht nur in der Ei­gen­tums­fra­ge weit hin­ter sich. Pio­nier war er auch in sei­ner Kri­tik der kri­sen­haf­ten Ei­gen­dy­na­mik des ka­pi­ta­lis­ti­schen Geld­we­sens. Es dau­er­te al­ler­dings noch zwei Ge­ne­ra­tio­nen, bis sein An­satz in ei­ner gang­ba­ren Lö­sung vollen­det wur­de und Sil­vio Ge­sell ein un­ter Um­lauf­zwang ge­setz­tes Frei­geld mo­del­lier­te. Das soll Proud­hons Ver­diens­te nicht schmä­lern. Auch heu­te noch kann die Geld- und Bo­den­re­form bei ihm aus dem Vol­len schöp­fen, schreibt Mar­kus Hen­ning in sei­ner Re­zen­sion.

5. Wor­te... zum Schluss

“If you owe a bank a hundred thousand dollars, the bank owns you. If you owe the bank a hundred million dollars, you own the bank.”
(„Schuldet man einer Bank 100.000 Dollar, gehört man der Bank. Schuldet man ihr 100.000.000 Dollar, gehört einem die Bank.“)
David Graeber (1961 - 2020) im Disenz-Interview, auf Deutsch erschienen in espero Nr 2

Mit freund­li­chen Grüßen
Beate Bockting und Vla­do Pla­ga