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Fairconomy-Newsletter 75

Baden-Württemberg führt Bodenwertsteuer ein

Schlussphase von „Die EZB hört zu“

Hans-Jochen Vogel gestorben

Die wichtigsten Aufsätze von Fritz Andres im Sammelband

 

FAIRCONOMY
Fair­co­no­my 2/2020

Inhalt:

  1. Aktuelles
  2. Termine
  3. Interessantes aus Medien und Netz
  4. Film- und Buchtipps
  5. Worte... zum Schluss

1. Ak­tu­el­les

Ba­den-​Würt­tem­berg führt die Bo­den­wert­steu­er ein! Das dritt­grö­ßte deut­sche Land (nach Ein­wohner­zahl und nach Flä­che) ist das ers­te, das die von der IN­WO seit Jah­ren be­wor­be­ne Be­steue­rungs­me­tho­de wählt. Da­mit ist ein großer Schritt in Rich­tung ei­ner ge­rech­teren Bo­den­ord­nung ge­macht – der sich si­cher­lich im Ver­gleich mit an­de­ren Län­dern be­währen und des­we­gen Nach­ah­mer fin­den wird. Ü­ber die Ent­schei­dung be­rich­tet das Stutt­gar­ter Tag­blatt, ein aus­führ­li­ches Ge­spräch mit Pro­fes­sor Dirk Löhr über die Hin­ter­grün­de brach­te die Wo­chen­zei­tung Kon­text am 29. April.

Die Bür­ge­be­tei­li­gungs-​Ak­tion Die EZB hört zu im Rah­men der „Stra­te­gie­übe­r­prü­fung“ der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank läuft noch bis zum En­de Ok­to­ber (ver­län­gert). Wei­ter­hin bie­tet die IN­WO da­zu ein paar Ant­wort­vor­schlä­ge.

Zur Wie­ner „Sum­mer School“ Al­ter­na­ti­ve Eco­no­mic and Mo­ne­ta­ry Sys­tems, die­ses Jahr na­tür­lich nur im Netz, hat Tho­mas Ku­bo ei­ne Vor­le­sung Com­pound in­te­rest and in­ter­na­tio­nal debts bei­tra­gen kön­nen.

Fe­lix Fu­ders hat am 17.7. an ei­ner großen in­ter­na­tio­na­len On­li­ne-​Ö­ko­no­men­kon­fe­renz zur Co­ro­na-​Wirt­schafts­kri­se teil­ge­nom­men, aus­ge­rich­tet vom ar­gen­ti­ni­schen Ö­ko­no­men-​Fach­ver­band FACP­CE (ab 1h:59­min).

2. Termine

Ab­ge­sagt: 11. - 13. Sep­tem­ber, Wup­per­tal: Frei­wirt­schaft­li­ches Ver­net­zungs­tref­fen in der Sil­vio-Ge­sell-Ta­gungs­stät­te.

31. Ok­to­ber - 1. No­vem­ber, Ju­gend­her­ber­ge Düs­sel­dorf: IN­WO-​Mit­glie­der­ver­samm­lung (Zim­mer­re­ser­vie­rung bis 31.8. un­ter IN­WO@IN­WO.de).

14. - 15. No­vem­ber 2020, Sil­vio-Ge­sell-Ta­gungs­stät­te Wup­per­tal: Er­satz­ter­min für die im März we­gen Co­ro­na aus­ge­fal­le­nen 65. Mün­de­ner Ge­sprä­che mit dem The­ma „Proud­hon, Ge­sell, Key­nes und ne­ga­ti­ve Zin­sen“.

3. Interessantes aus Netz und Medien

Hans-Jochen Vogel
Hans-​Jo­chen Vo­gel, † 2020 (Foto: Bun­des­ar­chiv)

Hans-Jo­chen Vo­gel, Vor­kämp­fer für ei­ne ge­rech­te Bo­den­ord­nung ist am 26. Ju­li ver­stor­ben. Sein letz­tes Buch „Mehr Ge­rech­tig­keit! Wir brau­chen ei­ne neue Bo­den­ord­nung – nur dann wird auch Woh­nen wie­der be­zahl­bar“ ha­ben wir er­st im vor­letz­ten Fair­co­no­my-Newslet­ter vor­ge­stellt. Beim Po­li­ti­schen Ascher­mitt­wo­ch 2020 hat noch Ge­org Schramm das Buch be­wor­ben: (ab Mi­nu­te 25).

Das Deut­sche In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) hat im Auf­trag des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums die Ver­mö­gens­ver­tei­lung in Deutsch­landun­ter­sucht und da­beibe­son­ders Das obe­re Pro­zent (Zeit-Ar­ti­kel vom 14. Ju­li) in den Blick ge­nom­men,das in an­de­ren Un­ter­su­chun­gen oft nurun­zu­rei­chend er­fasst wur­de. Her­aus­ge­kom­men ist, dass Ver­mö­gen in Deutsch­land noch un­glei­cher ver­teilt ist, als bis­her all­ge­mein an­ge­nom­men (Der Spie­gel, 14. Ju­li). In­ter­essant ist, dass so­wohl die Zeit als auch der Spie­gel die ex­tre­me Un­gleich­heit zu­min­dest teil­wei­se da­mit ver­tei­di­gen, dass sie den über­durch­schnitt­li­chen Ar­beitseinsatz (laut Selbst­aus­kunft) der be­frag­ten Ver­mö­gen­den be­to­nen. Un­ter der Ü­ber­schrift „Lie­ber Ar­men hel­fen als Rei­che be­steu­ern“ lässt die Zeit ei­nen DIW-​Ö­ko­no­men da­für plä­die­ren, lie­ber den Ver­mö­gensauf­bau der Ärme­ren zu för­dern, als die Rei­chen zu be­steu­ern – was kom­plett igno­riert, dass die von Deut­schen ge­hal­te­nen Ver­mö­gen zum Groß­teil in Im­mo­bi­li­en ste­cken und ein Groß­teil des Im­mo­bi­li­en­wer­tes wie­der­um auf dem Bo­den­wert ba­siert. Bo­den ist aber, genau wie Gold, nicht ver­mehr­bar und wenn ein klei­ner Be­völ­ke­rungs­an­teil sehr viel da­von hat, bleibt für den Rest der Be­völ­ke­rung ent­spre­chend we­ni­ger.

Mie­ten in Ber­lin stei­gen in fünf Jah­ren um 44 Pro­zent schreibt der Ber­li­ner Ta­gess­pie­gel. Der Qua­drat­me­ter­preis der „An­ge­bots­mie­ten“ sei seit 2015 von 8,50 € auf 12,20 € ge­stie­gen.

Al­ler­dings gilt seit 2019 in Ber­lin der Mie­ten­de­ckel, von der Zeit vor­ge­stellt un­ter dem schö­nen Ti­tel Das vor­läu­fi­ge En­de des Im­mer­mehr.

Ul­ri­ke Herr­mann, Wirt­schafts­re­dak­teu­rin der taz, lobt nied­ri­ge Zin­sen.

Die Bür­ger­be­we­gung Fi­nan­zwen­de ver­gleicht Dis­po-​Kon­di­tio­nen ver­schie­de­ner Ban­ken. Im Nied­rig­zins-Um­feld der letz­ten Jah­re ist es er­staun­lich, dass ei­ni­ge Ban­ken noch ei­nen Jah­res­zins­satz von 10% und mehr an­set­zen, für die Kon­to-​Ü­ber­zie­hung, während an­de­re dies seit Jah­ren kos­ten­los an­bie­ten. Ver­mut­lich wis­sen vie­le Be­trof­fe­ne nicht, dass der Ban­ken­wech­sel im Nor­mal­fall kaum schwie­ri­ger ist, als ein Wech­sel des Te­le­fonan­bie­ters.

Titelbild The Economist
The Eco­no­mist

The Eco­no­mist stellt in der letz­ten Ju­li-​Wo­che drei ver­schie­de­ne in der ak­tu­el­len La­ge er­kenn­bar ö­ko­no­mi­sche Rich­tun­gen mit ih­ren Fürs und Wi­ders dar:

  1. Wei­ter so, Fort­set­zung der An­lei­he­käu­fe
  2. Stär­ke­re Nut­zung der Fis­kal­po­li­tik
  3. Ne­ga­tiv­zin­sen

“The best way to sti­mu­la­te eco­no­mies on an on­going ba­sis is not, the­re­fo­re, to crea­te end­less bills to be paid when ra­tes ri­se again. It is to ta­ke in­te­rest ra­tes ne­ga­ti­ve.” (deutsch „Der bes­te Weg, um Volks­wirt­schaf­ten kon­ti­nu­ier­lich an­zu­kur­beln, be­steht da­her nicht da­rin, end­lo­se For­de­run­gen zu stel­len, die be­zahlt wer­den müs­sen, wenn die Zin­sen wie­der stei­gen. Der bes­te Weg ist es, die Zins­sät­ze in den ne­ga­ti­ven Be­reich zu ver­la­gern.“). Die Zwi­schen­über­schrif­ten stam­men aus dem Song Tal­king About a Re­vo­lu­tion von Tra­cy Chap­man und das Heft trägt den Ti­tel „Free mo­ney“.

In sei­nem Bei­trag Three strikes against the Fed (Eng­lisch) kri­ti­siert Pro­fes­sor Wil­lem Bui­ter dieAr­beit der „mäch­tigs­ten Zen­tral­bank der Welt“ und for­dert ins­be­son­de­re, dass sie ei­ne „Bar­geld­geld-​Ge­bühr“ ein­führen sol­le, wievon Sil­vio Ge­sell vor­ge­schla­gen.

4. Film- und Buchtipps

Titelseite
Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß!

»Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß!« hat ei­ne Ak­tua­li­sie­rung in Form ei­ner 16-sei­ti­ge Bro­schü­re von Ul­rich Krie­se und Dirk Löhr er­fah­ren. Die­se kann ge­kauft oder kos­ten­los als PDF ge­le­sen wer­den.

In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Se­mi­nar für frei­heit­li­che Ord­nung so­wie derStif­tung für Re­form der Geld- und Bo­den­ord­nung ist in den letz­tenMo­na­ten ein Sam­mel­band ent­stan­den, der die wich­tigs­ten Auf­sät­ze vonFritz An­dres ver­sam­melt: FritzAn­dres: Bo­den, Res­sour­cen, Kli­ma – Geld – Un­ter­neh­men
Ei­nen klei­nen Vor­ge­schmack bot dieVor­ab­ver­öf­fent­li­chung des Vor­trags »Em­pa­thi­sche Geo­me­trie« in der Fair­co­no­my 4/2019, den Da­vid Fied­ler an­hand ei­ner Tonauf­zeich­nung tran­skri­biert und so der Nach­welter­hal­ten hat.

Das Werk hat 560 Sei­ten, ist ge­bun­den mitFa­den­hef­tung und kos­tet 36,00 €.

5. Wor­te... zum Schluss

"The Eu­ro is a pu­blic good. The Eu­ro ac­tual­ly be­longs to all of us. It be­longs to you."
EZB-Prä­si­den­tin Chris­ti­ne La­gar­de im kur­z­en Vi­deo-Auf­ruf zur oben be­wor­be­nen Ak­tion "Die EZB hört zu".

Mit freund­li­chen Grüßen
Vla­do Pla­ga und Mit­strei­ter