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Fairconomy-Newsletter 74

EZB-Strategieüberprüfung

Spen­den für die Geld-​ und Bo­den­wen­de

Corona-Wirtschaftskrise

Margrit-Kennedy-Biographie

Inhalt:

  1. EZB-Strategieüberprüfung
  2. Aktuelles / Corona
  3. Termine
  4. Interessantes aus Medien und Netz
  5. Film- und Buchtipps
  6. Worte... zum Schluss

EZB-Strategieüberprüfung

„Die Zentralbankstrategie, die jetzt festgelegt wird, gilt für viele Jahre und kann im Zweifelsfall das nächste Jahrhundert prägen.“
Matthias Klimpel, INWO-Vorstand

Die Europäische Zentralbank führt aktuell eine „Strategieüberprüfung“ (Strategy Review) durch. Mit „Die EZB hört zu“ fragt unsere Zentralbank explizit im Netz nach Meinungen aus der Zivilgesellschaft.

Zu den Fragen der EZB haben wir als Denkanstöße einige Antwortmöglichkeiten vorbereitet.

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Spen­de für die Geld-​ und Bo­den­wen­de!

Seit März ver­än­dert sich die Welt in ra­san­tem Tem­po. Co­ro­na be­droht nicht nur un­se­re Ge­sund­heit. Es dro­hen uns mas­si­ve Schul­den­aus­wei­tun­gen, In­sol­ven­zen und Ü­ber­nah­men, Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und Ein­schrän­kun­gen der de­mo­kra­ti­schen Rech­te! Wir hal­ten es in die­ser kri­ti­schen La­ge für drin­gend not­wen­dig, un­se­re Vor­schlä­ge im Be­reich Geld und Bo­den stär­ker als bis­her ver­tre­ten zu kön­nen. Wir wol­len uns jetzt mit al­ler Kraft da­für ein­set­zen, dass die Ver­mö­gen an den Kos­ten der Kri­se an­ge­mes­sen be­tei­ligt wer­den. Nur dann kann die Co­ro­na-​Kri­se zu ei­ner ech­ten Chan­ce für ei­nen po­si­ti­ven ge­sell­schaft­li­chen Wan­del wer­den!

Wir wol­len un­se­re Eh­ren­amt­li­chen ent­las­ten und uns pro­fes­sio­nel­ler auf­stel­len. Da­her bit­ten wir Euch: Spen­det für die Geld-​ und Bo­den­wen­de!

Bis En­de April un­ter­stützt bet­ter­pla­ce.org Spen­den an die IN­WO mit +10% bet­ter­pla­ce-​So­li.

1. Ak­tu­el­les / Co­ro­na

„Die vie­len Mil­li­ar­den, die heu­te in­ves­tiert wer­den müs­sen, um ei­ne grö­ße­re Ka­ta­stro­phe ab­zu­wen­den, wer­den Ge­ne­ra­tio­nen bin­den.“

EU-​Ko­mis­si­ons­prä­si­den­tin von der Leyen be­schreibt am 4. April in der Welt am Sonn­tag, wel­che Di­men­sio­nen die Co­ro­na-​Maß­nah­men fi­nan­zi­ell an­neh­men kön­nen: neue Schul­den­ber­ge, die über vie­le Jahr­zehn­te hin­weg von den ar­bei­ten­den Men­schen „be­dient“ wer­den müs­sen (zu Guns­ten der Be­sit­zer von Ka­pi­tal)! Das er­scheint zum ei­nen ziem­lich über­trie­ben, an­ge­sichts ei­ni­ger Mo­na­te re­du­zier­ter Wirt­schafts­ak­ti­vi­tät, wenn man be­denkt, dass der Wie­der­auf­bau Eu­ro­pas nach mas­si­ver Kriegs­zer­stö­rung im 20. Jahr­hun­dert im We­sent­li­chen in­ner­halb von ein, zwei Ge­ne­ra­tio­nen ab­ge­schlos­sen wer­den konn­te (un­ter an­de­rem dank Ver­mö­gens­ab­ga­be) – und zum an­de­ren gibt es Al­ter­na­ti­ven, wie man Ka­pi­tal statt Ar­beit die Kri­sen­kos­ten be­zah­len las­sen könn­te:

Jetzt Boden-​Soli fordern!

In The day af­ter Co­ro­na: So­li­da­risch aus der Kri­se! schlägt Dirk Löhr vor, die Co­ro­na-​Kos­ten durch ei­nen Bo­den-​So­li, ei­ne et­wa drei Jah­re lau­fen­de 1%-​Ab­ga­be auf den Bo­den­wert, zu fi­nan­zie­ren.

Mit Ne­ga­tiv­zin­sen die Schul­den­be­las­tung sen­ken!

Ne­ga­tiv­zin­sen fe­dern Kos­ten der Co­ro­na-​Re­zes­sion ab heißt ein ak­tu­el­ler Tele­po­lis-​Ar­ti­kel von IN­WO-​Re­fe­rent Klaus Wil­lem­sen.

FAIRCONOMY
Fair­co­no­my 1/2020

IN­WO-Me­dien­kom­men­ta­re

Seit dem letz­ten Newslet­ter ha­ben wir zahl­rei­che Me­dien­kom­men­ta­re auf IN­WO.de ver­öf­fent­licht:

Bit­te helft mit, die­se Kom­men­ta­re in Eu­ren (so­zia­len) Netz­wer­ken wei­ter­zu­ver­brei­ten.

Auch die Fed soll­te Ne­ga­tiv­zin­sen ein­führen

Nach­dem die US-ame­ri­ka­ni­sche Fe­deral Re­ser­ve im Sep­tem­ber 2019 ih­re Leit­zin­sen erst­mals seit 2015 wie­der un­ter 2 % ge­senkt hat­te, sah sie sich im März zu wei­te­ren dras­ti­schen Zins­sen­kun­gen ge­zwun­gen:er­st auf 1 – 1,25 %, dann auf 0 – 0,25 %. Die Zin­sen für kurz­fris­ti­ge US-Tre­a­su­ries fie­len un­ter 0 %. Ne­ga­tiv­zins-​Vor­den­ker Mi­les Kim­ball (auf Eng­lisch) be­män­gelt al­ler­dings ei­ne noch „zu große Zu­rüc­k­hal­tung“ der Fed hin­sicht­lich ne­ga­ti­ver Zins­sät­ze. Es kön­ne zur Wie­der­be­le­bung der Wirt­schaft not­wen­dig sein, dass die US-No­ten­bank die Ge­samt­nach­fra­ge durch Zins­sen­kun­gen in den ne­ga­ti­ven Be­reich un­ter­stüt­zen müs­se.

Mit Ge­sell-​Geld aus der Kri­se

Stra­te­gisch äu­ßer­st in­ter­essant ist der Vor­schlag des schwe­di­schen Ö­ko­no­men Ro­ger Svens­son: Am 5. April kri­ti­sier­te er un­ter dem Ti­tel „Ge­sell-​Geld kann die Ge­samt­wirt­schaft an­kur­beln“ (Ar­ti­kel auf Schwe­disch), die von der Re­gie­rung be­reit­ge­stell­ten Kri­sen­gel­der droh­ten er­folg­los zu ver­si­ckern. Der Schlüs­sel­fak­tor für die Ret­tung der Re­al­wirt­schaft be­ste­he viel­mehr da­rin, den pri­va­ten Kon­sum wie­der in Gang zu set­zen. Zur wirt­schaft­li­chen Er­ho­lung könn­te je­de er­wach­se­ne Per­son 10.000 und je­des Kind 5.000 Schwe­di­sche Kro­nen als Ge­sell-​Geld auf ei­nem spe­zi­el­len Kon­to er­hal­ten, das mit ei­ner di­gi­ta­len Kar­te ver­bun­den wä­re. Wö­chent­lich wür­de der Wert des ver­blei­ben­den Gel­des auf dem Kon­to au­to­ma­tisch um 2 – 3 % re­du­ziert. Dies kä­me ei­ner Steu­er auf Bar­geld gleich und wirk­te als An­reiz, das Ge­sell-​Geld so schnell wie mög­lich aus­zu­ge­ben. Nach 50 bis 100 Wo­chen (ab­hän­gig vom Steu­er­satz) wür­de der Wert des Ge­sell-​Gel­des auf Null fal­len und aus der Wirt­schaft ver­schwin­den. Ge­gen­über He­li­ko­pter­geld, das den Bür­gern in der nor­ma­len Währung ge­zahlt wür­de, hät­te Ge­sell-​Geld den Vor­teil, dass es nicht ge­spart wer­den könn­te. Dar­über hin­aus wirk­te es im Ge­gen­satz zum He­li­ko­pter­geld le­dig­lich als Ka­ta­ly­sa­tor und nicht in­fla­tio­när. Tech­nisch sieht Svens­son kei­ne Pro­ble­me, das tech­ni­sche Knowhow sei vor­han­den.

2. Termine

11. - 13. September, Wuppertal: Freiwirtschaftliches Vernetzungstreffen in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte.

31. Oktober - 1. November, Düsseldorf: INWO-Mitgliederversammlung.

3. Interessantes aus Netz und Medien

Ernte in der Ukraine Ernte in der Ukraine (Pxfuel)

Ukrai­ne er­füllt ei­ne For­de­rung des IWF und gibt ihr Acker­land zum Aus­ver­kauf frei lau­tet ei­ne Schlag­zei­le der Nach­Denk­Sei­ten. Was zeigt: Die Not­wen­dig­keit von Frei­land be­steht bei land­wirt­schaft­li­chem Bo­den gen­au­so wie bei städ­ti­schem.

Mit Ei­gen­tums­re­li­gion - Von der Idee, mit Grund und Bo­den reich zu wer­den sen­de­te der Deutsch­land­funk am 29. März ei­nen sehr in­for­ma­ti­ven, ra­di­kal das Ei­gen­tum an Grund und Bo­den in Fra­ge stel­len­den Bei­trag von Ti­mo Rieg. Die knapp 30-mi­nü­ti­ge Sen­dung kann man im Netz kom­plett nach­hö­ren oder -le­sen.

Eben­falls am 29. März er­schien Newslet­ter 43 von Lust auf neu­es Geld, mit schö­nen Gra­fi­ken und ei­ner schar­fen Kri­tik der „Bür­ger­be­we­gung Fi­nan­zwen­de e. V.“ Letz­te­re bie­tet der­zeit ei­ne hilf­rei­che Ü­ber­sicht über die wirt­schaft­li­chen Maß­nah­men, die seit An­fang März ge­trof­fen wer­den.

Jo­hann Sil­vio Ge­sell – Vor­den­ker ei­ner ge­rech­ten Ge­sell­schaft heißt ei­ne knapp 30-mi­nü­ti­ge SWR2-​Ra­dio-​Re­por­ta­ge von Na­ta­lie Kreisz. Mit Wort­bei­trä­gen von Ger­hard Senft, Ul­ri­ke Herr­mann, Dirk Löhr und Wer­ner On­ken.

Wie das Co­ro­na-​Vi­rus und die be­schlos­se­nen Ein­däm­mungs-​Maß­nah­men zu be­ur­tei­len sind, wird man er­st in ei­ni­gen Mo­na­ten ver­läss­lich sa­gen kön­nen und auch dann wird es, schon we­gen der un­ter­schied­li­chen Be­trof­fen­heit, ver­mut­lich sehr un­ter­schied­li­che Ein­schät­zun­gen ge­ben. Si­cher­lich wer­den aber vie­le von uns die Stumm­fisch-​Kri­tik an der un­be­kann­ten und kaum hin­ter­frag­ten Co­ro­na-​Dun­kel­zif­fer tei­len (durch die Streeck-​Stu­die fast zeit­glich mit der Vi­deo-​Ver­öf­fen­li­chung end­lich et­was be­leuch­tet).

In sei­nem „Mor­ning Brie­fing“ vom 12. März spricht Ga­bor Stein­gart mit Rut­ger Breg­man, Au­tor von „Im Grun­de gut“ (auf Eng­lisch). Der Au­tor, Jahr­gang 1988, hat­te schon beim World Eco­no­mic Fo­rum in Da­vos die dort ver­sam­mel­ten selbst­er­klär­ten Welt­ver­bes­se­rer da­für kri­ti­siert, dass sie nicht über ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­steue­rung spra­chen.

Zur Co­ro­na-​Wirt­schafts­kri­se ver­an­stal­te­te der Eu­ro­pa­par­la­men­ta­rier und Grü­nen-​Fi­nanz­ex­per­te Sven Gie­gold am 30. März ein „We­bi­nar“ mit Prof. Ga­bri­el Fel­ber­mayr, Ul­ri­ke Herr­mann und Fe­de­ri­co Cor­nel­li. In Mi­nu­te 47 konn­te Bea­te Bock­ting das The­ma Ne­ga­tiv­zin­sen ins Ge­spräch ein­brin­gen.

Es gibt zur Co­ro­na-​Kri­se ei­ne bis­her we­nig be­ach­te­te, eh­ren­wer­te Ver­mie­ter-​Pe­ti­tion „Miet­ver­zicht für Ge­wer­be­trei­ben­de und Selb­stän­di­ge“.

Pas­send da­zu hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ei­ne Kla­ge ge­gen den be­reits be­schlos­se­nen Mie­ter­schutz mit ei­ner schö­nen Be­grün­dung ab­ge­leht: „Zu­dem fehlt die er­for­der­li­che ar­gu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit der Be­grün­dung des Ge­setz­ent­wurfs und dem Sinn und Zweck der an­ge­grif­fe­nen Re­ge­lun­gen auch im Hin­blick auf die Be­lan­ge der Mie­te­rin­nen und Mie­ter.“

In der Co­ro­na-​Wirt­schafts-Kri­se ist der Öl­preis an der Bör­se un­ter 0 ge­fal­len. Es muss­te al­so be­zah­len, wer sein Öl los wer­den woll­te. Dies ver­deut­licht noch­mal, was Sil­vio Ge­sell in sei­ner Ro­bin­so­na­de be­ton­te: der An­bie­ter von Wa­ren hat (La­ge­rungs-)Kos­ten und kann nicht war­ten, was un­ge­rech­ter­wei­se auf den Be­sit­zer von Geld nicht zu­trifft.

Buchtitelseite

4. Film-​ und Buch­tipps

Pe­ter Krau­se

Mar­grit Ken­ne­dy -​ Ar­chi­tek­tin für Ö­ko­lo­gie, kom­ple­men­tä­re Geld­sys­te­me und so­zia­le Ge­rech­tig­keit

End­lich wird mit die­ser Bio­gra­fie Le­ben und Wir­ken der 2013 ver­stor­be­nen Mar­grit Ken­ne­dy ge­bührend ge­wür­digt. Der Au­tor be­schreibt in sehr em­pa­thi­scher, re­spekt­vol­ler Wei­se die Ent­wick­lung die­ser be­wun­derns­wer­ten Frau. Er folgt ih­rem Le­ben un­ter den ver­schie­de­nen Aspek­ten ih­rer Ar­beit als Ar­chi­tek­tin und mit ih­rem Ehe­mann zu­sam­men als Weg­be­rei­te­rin der Ö­ko­lo­gie­be­we­gung, bis zur Be­geg­nung mit dem Geldthe­ma. Der Be­zug zur Zeit­ge­schich­te so­wie Pri­va­tes und Per­sön­li­ches tra­gen mit da­zu bei, den Men­schen Mar­grit zu ver­ste­hen und in all sei­nen Fa­cet­ten le­ben­dig wer­den zu las­sen. „Die drei Haupt­the­men in mei­nem Le­ben... sind das Un­gleich­ge­wicht zwi­schen Mann und Frau, zwi­schen Na­tur und Men­sch und zwi­schen Arm und Reich. Die­se Un­gleich­ge­wich­te möchte ich auf­he­ben... Wenn ich ih­nen be­geg­ne, er­wacht mein gan­zer Kampf­geist.“ Als er­folg­rei­che Ar­chi­tek­tin, als Hoch­schul­leh­re­rin und ge­frag­te Vor­tags­red­ne­rin setz­te sie sich für men­schen­freund­li­che und um­welt­scho­nen­de Ar­chi­tek­tur, für Frau­en­be­lan­ge und so­zia­le Ge­rech­tig­keit ein. Nach­dem sie den Feh­ler in un­se­rem Geld­sys­tem er­kannt hat­te, wid­me­te sie sich mit be­son­de­rer Lei­den­schaft der Ver­brei­tung die­ser Ge­dan­ken und bald auch der prak­ti­schen Um­set­zung durch Ini­ti­ie­rung der Re­gio­geld­be­we­gung. Ihr Buch „Geld oh­ne Zin­sen und In­fla­tion, ein Tausch­mit­tel, das je­dem dient“ wur­de zu ei­nem „Klas­si­ker“ der frei­wirt­schaft­li­chen Li­te­ra­tur und hat si­cher man­chem die Au­gen ge­öff­net. Ihr welt­wei­ter Ein­satz für kom­ple­men­tä­re Währun­gen und das En­ga­ge­ment ih­rer Mit­strei­ten­den be­kam durch die Grün­dung der Or­ga­ni­sa­tion Mon­ne­ta und des Re­gio­geld-​Ver­band pro­fes­sio­nel­le Struk­tu­ren. Ein span­nen­des Buch über ei­ne be­deu­ten­de Per­son der Zeit­ge­schich­te und ei­ne wun­der­ba­re Frau, emp­foh­len von ei­ner, die sie kann­te – al­len, die sie kann­ten, und vor al­lem je­nen, die sie nicht kann­ten – als Vor­bild und Mut­ma­che­rin!

Gu­drun Mül­ler, 17.04.2020

5. Wor­te... zum Schluss

Die Ab­schaf­fung des pri­va­ten Grund­ei­gen­tums wird rück­bli­ckend ein­mal so selbst­ver­ständ­lich und übe­r­fäl­lig er­schei­nen wie das En­de der Skla­ver­ei und die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau.
Schluss­wort im oben ge­nann­ten Deutsch­land­funk-​Bei­trag von Ti­mo Rieg

Mit freund­li­chen Grüßen
Vla­do Pla­ga und Mit­strei­ter