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ZEIT: Das Wunder von Wörgl

"Wie bekommt man das Geld zum Zirkulieren und in hoffnungsloser Rezession die Wirtschaft in Schwung?", fragt die Wochenzeitung und berichtet über ein "erstaunliches Experiment". Michael Unterguggenberger sorgte mit seiner Gemeinde 1932 weltweit für Aufsehen und einen unerwarteten Aufschwung.

Die ZEIT schreibt über den damaligen Bürgermeister der österreichischen Kleinstadt, dem 1916 als Lokführer ein Exemplar der Zeitschrift Physiokrat in die Hände fiel:

"Herausgeber und einer der wichtigsten Autoren ist Silvio Gesell, geboren 1862, ein Kaufmann, Vegetarier und ökonomischer Autodidakt mit einer seltsamen Idee: Er behauptet, das Grundübel aller Finanzen liege darin, dass Geld anders sei als Eisen. Man kann es lagern, solange man will. Es fängt nicht an zu rosten. Im Gegenteil, es gewinnt an Wert. Wer sein Geld hortet, wer es anlegt, kann Zinsen kassieren und Zinseszinsen und dabei vergessen, dass irgendjemand die Rendite erwirtschaften muss. Arbeiter, Angestellte, Manager."

Gesell, Begründer der Natürlichen Wirtschaftsordnung, für die sich die INWO einsetzt, beschreibt das sich zuspitzende Problem. Solange die Unternehmen ausreichend Gewinne machen, würde alles gut gehen. Reichen auch der größte Fleiß und die besten Ideen nicht mehr, um Zinsen und Zinseszinsen zu zahlen, dann platzen Kredite, dann gehen Firmen pleite. Börsen und Banken drohen die Menschen ins Unglück zu stürzen - so fasst die ZEIT die Erkenntnisse Gesells zusammen und zitiert dazu auch FAIRCONOMY-Autor und INWO-Referent Werner Onken.

"Jahre später, 1929, passiert das, was Gesell vorausgesehen hat. In New York bricht die Börse zusammen. (...) Der Regierung in Wien fällt als Mittel gegen die Krise nur eines ein: sparen. Die Löhne kürzen, die Staatsausgaben senken, das Personal abbauen. Irgendwann geht es dann allen wieder besser, so das Kalkül. (...) Der Bürgermeister Unterguggenberger beschließt, nicht zu sparen. Im Gegenteil, er will im Auftrag der Gemeinde eine Brücke bauen, Straßen reparieren lassen, das ist der erste Teil seines Plans. Dann kommt Geld unter die Leute, dann fließt es wieder."

Ausführlich beschreibt ZEIT-Autor Wolfgang Uchatius, wie das Wunder von Wörgl abläuft, wie das "Schwundgeld" funktioniert, wie es sich in den Nachbargemeinden ausbreitet, weltweit für Schlagzeilen sorgt und schließlich von der Österreichischen Nationalbank verboten wird. Inzwischen haben Regiogelder die praktische Idee wiederbelebt, die INWO macht sich für die Idee des "fließenden Geldes" auf überregionaler Ebene stark und beide können sich dabei auf die ebenfalls von der ZEIT zitierte Einschätzung des bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftlers des 20. Jahrhunderts über den "zu Unrecht übersehenen Propheten" berufen: "Ich glaube, die Zukunft wird vom Geiste Gesells mehr lernen als von jenem von Marx".

Mehr über das Experiment von Wörgl erfahren Sie in den Medien, die die INWO dazu anbietet. Mit dem Kauf unterstützen Sie unsere Arbeit.

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