• DE

Wo sind die Grünen, wenn man sie mal braucht?

fragt Bernd Ulrich auf ZEIT-online. Produktion, Konsumtion und die damit verbundene Umweltzerstörung haben rapide abgenommen. Als hätte im letzten Moment eine spirituelle Macht den Hebel auf »überleben« umgelegt. Die Menschheit sagt für ein paar Monate: Wir können auch anders. »Nicht zuletzt könnte nun sogar das ganze Wachstums- und Konsummodell in die Krise kommen, jedenfalls in seiner bisherigen Form.«

Anstatt jedoch die Chancen zu sehen, die darin für die globale Ökologie stecken, bangen Grüne Protagonisten, wann der Wachstumsmotor wieder anspringen wird. Bis heute haben Grüne Vordenker versäumt aufzuzeigen, wie Wohlstand ohne Wachstum gelingen kann. »Doch damit nicht genug: Die Partei, die sich so kunstvoll an das politische System angepasst hatte, dass es manchmal sogar noch wie Abweichung aussah, steht nun etwas ratlos vor den Krisen ebendieses Systems. Wachstumskritik beispielsweise hatten sich die Grünen komplett abgewöhnt – und plötzlich wird bei den zu erwartenden Konjunkturkurven aus dem V vermutlich ein U oder womöglich sogar eine Badewanne. Will heißen: Wann und ob jemals der Kapitalismus wieder das konventionelle Wachstum generiert, das er zu brauchen meint, steht in den Sternen. Auch der Teufel-komm-raus-Konsum, den die Grünen längst nur noch sehr zart kritisieren, kommt durch die Corona-bedingte Konsumpause im Verbund mit der Rezession nun ganz ohne Zutun der Ökopartei in eine Sinnkrise.« Folgt man Bernd Ulrich, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass sich die Grünen selbst überflüssig machen wollen. Etwas mehr grün als die CDU und etwas sozialer als die SPD, aber bloß nicht anders denken, als der Mainstream ökonomisch vorgibt. So erlebt man Grün in abendlichen Talkshows.

»Wer sagt, dass es mit Blick auf die vorliegenden Zahlen und Entwicklungen mit dem Wachstum dauerhaft schwierig werden könnte, wird umgehend zum Wachstumskritiker ernannt, wenn nicht gleich zum Wachstumsfrevler, der mit seiner Analyse herbeiführt, was er beschreibt.« Intern wird das exponentielle Wachstum des Finanzkapitals verteidigt und „das Recht des Sparers“ – sprich des Billionen-schweren Finanzkapitals – auf positive Verzinsung als moralischer Anspruch gerechtfertigt. Das Schrumpfen von Geldvermögen, Sachvermögen oder Konsumbedürfnissen wird kategorisch ausgeschlossen. Diese ideologische Verbohrtheit hat gefährliche Folgen, denn »wenn das System in der Krise ist, systemrettende und zugleich systemüberwindende Ideen aber erfolgreich tabuisiert werden, dann manövriert sich Deutschland in die Sackgasse.«

Für die Partei, aber auch für die wirtschaftliche Lage in Deutschland rächt sich jetzt, dass man auch bei den Grünen die Diskussion über eine »Post-Wachstums-Ökonomie« seit Jahrzehnten verdrängt. Vorschläge kommen von Seiten der EZB, des IWF und von namhaften Ökonomen wie Kenneth Rogoff, Miles Kimball und Katrin Assenmacher-Wesche, nicht aber von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Wuppertal Institut oder aus Grünen-Gremien.


Lesen Sie hierzu auch: »Baerbock, Scholz und Merkel: Rettet die Geldrendite!«, »Eine Billionen zusätzliche Schulden, oder zwei Billionen…« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 05.06.2020

Verwendete Quellen:

www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/corona-krise-die-gruenen-systemkrise/komplettansicht

https://www.klaus-willemsen.de/2020/05/03/warum-ich-fuer-die-bargeldgebuehr-bin/

www.inwo.de/medienkommentare/baerbock-scholz-und-merkel-rettet-die-geldrendite/

www.inwo.de/medienkommentare/eine-billionen-zusaetzliche-schulden-oder-zwei-billionen/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/