• DE

Wenn staatliche Konjunkturhilfen die Konjunktur belasten

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hebt hervor, dass der Regierungswechsel in den USA zwei markante ökonomische Konsequenzen haben wird: steigende Zinsen und höhere »Konjunkturhilfen«. Leider verzichtet der Beitrag darauf, die Korrelationen und negativen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Entwicklungen aufzuzeigen.

 

Fälschlicherweise vermittelt der kurze Beitrag den Eindruck, es handele sich um zwei unabhängige Tendenzen. »Nach der Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden als nächster amerikanischer Präsident setzen Investoren immer stärker auf Zinsanhebungen durch die amerikanische Notenbank Fed. Auch auf weitere Konjunkturhilfen wegen Corona wird spekuliert«, heißt es dort.

»Die Finanzmärkte« freuen sich auf »zusätzliche staatliche Konjunkturhilfen«. Dass bedeutet, eine verstärkte Nachfrage nach Krediten wird den Preis hierfür, die Zinsen am Kapitalmarkt, stützen oder sogar ansteigen lassen. Verschwiegen wird dabei aber, dass ein Anstieg der Zinsen eine hochverschuldete Wirtschaft zusätzlich belastet. Dabei bräuchte es zur Ankurbelung des wirtschaftlichen Geschehens weiter sinkende Zinsen. Sinkende und negative Zinsen entlasten Investoren und Unternehmen und stützen dadurch die Konjunktur auf breiter Front. Billionen schweren »Hilfspakete«, wie sie auch die europäische Union aufgelegt hat, behindern dagegen ein weiteres Absinken der Marktzinsen und verringern dadurch das Potenzial für Investitionen und vergrößern die Gefahr für Insolvenzen.

Man könnte dies unter der Rubrik ablegen: gut gedacht aber schlecht gemacht. Doch dies trifft nicht zu. Schon lange haben die Lobbyisten des Finanzkapitals bei weitem mehr Macht und Einfluss auf die Politik als Vertreter anderer Verbände und Interessengruppen. Eine fatale Entwicklung.


Lesen Sie hierzu auch: »Eine Billionen zusätzliche Schulden oder zwei Billionen...«, »The Economist titelt "Free money" (Freigeld)« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.


Klaus Willemsen, 12.01.2021


Verwendete Quellen:

www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/mehr-wetten-auf-zinserhoehungen-in-amerika-am-geldmarkt-17140476.html

www.inwo.de/medienkommentare/eine-billionen-zusaetzliche-schulden-oder-zwei-billionen/

www.inwo.de/medienkommentare/the-economist-titelt-free-money-freigeld/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/