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Weder hart noch fair

Frank Plasberg wagte sich an das Thema Zinsen heran und scheiterte kolossal. Schon das Thema der Sendung bleibt unklar. Will man die Geschäftsbanken vorführen, weil sie die Bürger abzocken? Oder will man die Zentralbank anklagen, weil man die Niedrigzinspolitik für ungerecht hält?

Frank Plasberg schmiss beides in einen Topf. Zunächst schimpfte man auf die Milliarden Boni und die Milliarden an hohen Strafzahlungen der Deutschen Bank und klagte dann über die Europäische Zentralbank, dass ihre Politik für niedrige und Minuszinsen verantwortlich sei. "Niedrige Zinsen sind schlecht, unfair und ungerecht", lautete der allgemeine Tenor der Talkrunde.

Eine erfreuliche Ausnahme stellte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans dar. Ursächlich für das niedrige Zinsniveau ist das »unglaubliche Wachstum der Geldvermögen«, welches weltweit nach Anlagen sucht, stellt er unmissverständlich klar. »Alleine in Deutschland ist das Geldvermögen in den Händen eines relativ kleinen Kreises explosionsartig gewachsen.« Das enorme Überangebot ist verantwortlich für das Null-Zins-Niveau, und nicht die Entscheidungen des EZB-Präsidenten Mario Draghi.

»Schlimme Situation eigentlich und Sie malen auch schwarz, was das Geld angeht«, lautet dazu Frank Plasbergs Urteil. Und Frau Wagenknecht beklagt dazu, dass die einfachen Leute nun über steigende Bankgebühren den Preis des Niedrigzinsniveaus bezahlen müssten. Erneut rettet Walter-Borjans mit der Feststellung, dass man immer schon für die Leistungen der Bank bezahlt hat: »Früher hat man den Kontoauszug über die Zinsmarge bezahlt".

Rätselhaft bleibt, warum Plasberg und Wagenknecht Negativzinsen zur Beendung der Geldhortung kritisieren und sich große Mühe geben, das allgemeine Nullzinsniveau zu verdammen. Sie verlieren kein Wort über die Entlastung der Kreditnehmer, die enorm positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Einsparungen der öffentlichen Haushalte. »Draghi schädigt die Mittelschicht«, behauptet die linke Frontfrau Sahra Wagenknecht. Die Zentralbank sei schuld, weil einige Kapitalbesitzer nicht mehr von ihrem Zinsertrag leben können. Sollte die Linke nicht Partei ergreifen für jene, die jahrzehntelang Jahr für Jahr aus ihrem Arbeitslohn viele hundert Milliarden Euro abzweigen mussten, um diese Zinserträge zu erwirtschaften?

Als »Strafspargebühr« denunziert Plasberg die Anti-Hortungs-Gebühr der Raiffeisenbank Gmund, die Tagesgelder über 100.000 Euro mit 0,4% pro Jahr belastet. Uwe Fröhlich vom Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken erläutert, dass diese Gebühr nur die Spekulationskassen betrifft und schon für Termineinlagen von 30 Tagen wegfällt. Warum versucht Frank Plasberg dennoch hartnäckig, die Gebühr gegen Geldhortung und Geldspekulation als gegen den gewöhnlichen Kunden gerichtet zu präsentieren? Gerade weil sich Josef Paul, Chef der Raiffeisenbank Gmund, traut, die Verursacher der Geldhortung zur Kasse zu bitten, braucht er die anfallenden Kosten nicht auf die übrigen Kontobesitzer abzuwälzen, wie es viele andere Kreditinstitute derzeit leider tun.

Lesen Sie dazu bitte auch »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«, »Null Zinsen und die Zukunftsangst der Deutschen« und »“Kopfkissen-Sparen“ und andere Irrtümer«.

Klaus Willemsen, 25.10.2016

Verwendete Quellen:

http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-minus-zinsen-extra-gebuehren--retten-sich-die-banken-auf-kosten-der-kunden--102.html

http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-minus-zinsen-extra-gebuehren--retten-sich-die-banken-auf-kosten-der-kunden--102.

html http://www.inwo.de/medienkommentare/null-zinsen-und-die-zukunftsangst-der-deutschen/

http://www.inwo.de/medienkommentare/kopfkissen-sparen-und-andere-irrtuemer/

 

 

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