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Was bräuchte es, um Wirtschaft und Natur in Einklang zu bringen?

… fragt die prominente Politikökonomin Maja Göpel im Interview. Ihre Antwort bleibt etwas kryptisch, lautet im Kern jedoch etwas frei interpretiert: politische Entscheidungen orientieren sich entweder an den Bedürfnissen der Menschen oder sie dienen dazu, Kapital zu vermehren.

Als einen Kernsatz ihres Denkens könnte man herausheben: »Im Moment herrscht die kurzfristige finanzielle Rendite und das prägt auch die technische Entwicklung.« Maja Göpel ist Politökonomin und Transformationsforscherin. Daher weiß sie genau, dass die Renditeerwartungen des Kapitals (Finanzkapital und Bodenkapital) seit über zwei Jahrhunderten das Marktgeschehen dominieren. Sie weiß auch, dass durch das überproportionale Anwachsen des Kapitals dessen Erträge eine stetig wachsende Lobbymacht nach sich zieht. Im Interview mit Schrot&Korn fordert sie: »Eine Korrektur unserer ökonomischen Kennzahlen, um die Schadschöpfung an den Ökosystemen anzuzeigen, ein Zurückdrehen der Finanzialisierung und eine der Nachhaltigkeit dienende Digitalisierung. Es kann nicht gut sein, wenn Finanzmärkte und Algorithmen uns vorgeben, wie Mensch und Natur sich gefälligst zu verhalten haben.« Letzteres ist jedoch genau das, was in immer perfekterer Konsequenz weltweit geschieht. Von der Entscheidung im Gemeinderat über den Bundestag bis zum EU-Parlament werden Gesetze dahingehend formuliert, dass sie der Vermehrung des Kapitals dienen.

Am Beispiel der Bodensubvention wird Professorin Göpel etwas deutlicher: »Schauen Sie mal, unter welchen Bedingungen Bauern arbeiten müssen. Die EU-Subventionen drücken in eine bestimmte Richtung, die der Konzentration.« Die steuerlichen Subventionen dienen weder der Anerkennung bäuerlicher Arbeit noch dem Erhalt der biologischen Vielfalt unserer Landschaft. Sie sind darauf ausgerichtet, die Rendite für den Bodenbesitzer zu steigern. So wie viele andere staatliche Leistungen, wie beispielsweise das Wohngeld, in erster Linie dazu dienen, die Rendite der Grundeigentümer zu sichern und zu steigern. Sie schreibt dazu: »Warum passen wir zum Beispiel die Subventionen und den Mindestlohn nicht schneller an und besteuern das Rent-Seeking, also die unproduktiven Einkommen hinter den Miet- und Bodenpreissteigerungen?«

Leider vermeidet es Frau Göpel, ihre ökonomischen Erkenntnisse zu fokussieren. Im SCH&K Interview heißt es allgemein: »Wir sollten darüber nachdenken, was wir wirklich benötigen. Forschungen zeigen, dass wir vor allem Gesundheit und starke Beziehungen brauchen. Wir wollen wahrgenommen werden und etwas beitragen. Nicht zu vergessen so elementare Bedürfnisse wie Essen oder ein Dach über dem Kopf. Aber es muss kein Palast sein.« Was sie nicht sagt ist, dass bei allen Gesetzgebungsprozessen, wenn es darum geht Geld zu verteilen, die Bedürfnisse des Kapitals die entscheidenden Vorgaben machen.

Um die Situation für Landwirte und Mieter zu verbessern müsste man die Bodenrente abschöpfen und nach den von ihr aufgeführten Kriterien an die Menschen zurück verteilen. Nur diese grundsätzliche Entscheidung kann den geforderten Paradigmenwechsel einleiten. Um die Macht des Finanzkapitals zu bändigen braucht es auch keine „Neuerfindung des Finanzsystems“, wie sie mit Verweis auf den ehemaligen Investmentbanker John Fullerton auf ihrer Homepage andeutet. Es braucht Korrekturen, die es der Notenbank ermöglichen eine nachhaltige Null-Zins-Strategie umzusetzen.

Frau Göpel ist Honorarprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg, Mitglied im Club of Rome und Mitbegründerin von Scientists for Future. Anfang 2020 ist ihr Buch „Die Welt neu denken – eine Einladung“ erschienen. Seit 1. November 2020 ist sie wissenschaftliche Direktorin der neu gegründeten Hamburger Denkfabrik The New Institute. Wir hoffen sehr, dass in dieser Denkfabrik Wege erarbeitet werden, wie es der Menschheit möglich wird, dem Prinzip der Kapitalmaximierung zu entkommen.

Lesen Sie hierzu auch: »Das Bauernopfer«, »Corona-Bonds oder Negativzinsen« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 26.01.2021


Verwendete Quellen:

https://schrotundkorn.de/leben/maja-goepel-das-koennen-wir-besser

www.maja-goepel.de/wp-content/uploads/2020/03/wer-weitermachen-will.pdf

www.inwo.de/medienkommentare/das-bauernopfer/

www.klaus-willemsen.de/2020/04/20/corona-bonds-oder-negativzinsen/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/