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"Wachstum, Wachstum über alles?"

Den von Helmut Creutz bereits in den 80er Jahren geprägten Slogan, greift Peter Voß im 3SAT Interview mit Meinhard Miegel auf. In überzeugenden Worten argumentiert Prof. Dr. Meinhard Miegel gegen die „Droge Wachstum“. Die objektiven Bedingungen für weiteres Wachstum gibt es nicht mehr.

„Es wird kein weiteres, Wohlstand mehrendes, Wachstum der Wirtschaft geben“, lautet die überzeugende Botschaft. „Solche Lösungsansätze sind illusionär“, sagt das CDU Mitglied Meinhard Miegel. „Meinhard Miegel ist ein scharfsinniger Kritiker aller Wachstums-Euphoriker. Mit Statistiken weist er nach, dass es nicht immer aufwärts gehen kann, dass erhoffte Wachstumsraten einer hochindustriellen Gesellschaft illusionär sind.“ (ARD/SWR/3sat / Material: SWR)

Miegel geht mit der wissenschaftlichen Zunft hart ins Gericht. „Wir haben nichts anderes gelernt, als Wachstum zu erzeugen.“ Im Klartext heißt dies, dass sich 99 % der Ökonomen und Politiker auf dem Holzweg befinden, weil sie nicht in der Lage sind umzudenken. Dabei ist seine Analyse auch in CDU Kreisen nicht ganz neu. Bereits 2004 schrieb Kurt Biedenkopf in der Zeit: „Jede menschliche Ordnung, die immerwährendes materielles Wachstum zur Voraussetzung hat, muss früher oder später scheitern. Denn die Erfüllung dieser Voraussetzung ist objektiv unmöglich. Eine Politik, welche die Zukunftsfähigkeit des Landes und seiner freiheitlichen Ordnung von dauerhaftem Wachstum abhängig macht, kann deshalb keine lebenswerte Zukunft bieten. Ihr fehlt der tiefere Sinn.

Meinhard Miegel geht heute noch weiter: Renten und Löhne sinken seit Jahren. Wachstum schafft noch keine Arbeit und die „Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch“ ist bisher nicht gelungen. Erfreulich ist, dass er nicht nur die Konsumentenseite, sondern auch die Funktion des Kapitals beachtet: „Die Rendite aus der Kapitalanlage wird nicht auf Dauer wachsen. Wer auf seinem riesigen Vermögen sitzt und es nicht gemeinwohlorientiert nutzt, verhält sich dumm.

Wachstum über alles ist eine Sackgasse. Aber, „Wohlstand ohne Wachstum, geht das?“ fragt der SWR. Wir ergänzen: Ist eine Abkehr vom materiellen Wachstum denkbar, solange Geldvermögen und Schulden über positive Zinssätze weiter ins grenzenlose wachsen?

Klaus Willemsen, 19.11.2012

Verwendete Quelle:
http://www.3sat.de/page/?source=/ard/buehler/165910/index.html

Biedenkopf am 25.11.2004 in der ZEIT
http://www.zeit.de/2004/49/Union/seite-3