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"Von den Staatsschulden profitieren wir Bürger"

behauptet der Herausgeber des Handelsblattes, Gabor Steingart, in seinem WELTWORT zum Jahreswechsel. Diese folgenschwere Annahme ist bestenfalls naiv, im Falle eines Wiederholungstäters kann man sie auch als bewusste Irreführung interpretieren.

Sehr geehrter Herr Steingart, Sie diagnostizieren: »Der moderne Staat ist ein Staat, der chronisch mehr ausspuckt, als er einsammelt. Vater Staat ist kreditsüchtig - und wir Bürger profitieren davon«. Damit verharmlosen Sie wieder einmal das Schuldenmachen des Staates und ignorieren die sozialen und ökologischen Folgen dieser Entwicklung. Den Lesern des Handelsblatt Magazin erklären Sie: »Vielleicht zählt der eine oder andere Steuerzahler doch eins und eins zusammen und stellt fest, dass er mehr herausbekommt, als er je eingezahlt hat.«

Unser Staat hat in 40 Jahren Schuldenpolitik mehr Steuergelder für Zinsen ausgegeben, als er an neuen Krediten aufgenommen hat. Die Zinslasten haben Jahr für Jahr einen nennenswerten zweistelligen Milliardenbetrag ausgemacht und fehlten somit für Investitionen, Gehälter und andere wichtige Aufgaben.

Die Geldvermögen und damit die Zinserträge gehören einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung. Dieser Minderheit überweist der Staat viele 100-Milliarden Euro unserer Steuergelder. Und sobald die Kapitalmarktzinssätze wieder etwas steigen, werden diese Transfers auch wieder gewaltig ansteigen. Als Chefredakteur und Herausgeber des Handelsblattes ist Ihnen bewusst, dass vor allem wenige Besitzende und nicht »wir Bürger« die Profiteure der Schuldensucht sind.

Die ökonomischen Ressourcen der Menschheit werden, wie nie zuvor, gebraucht, um den Klimawandel zu begrenzen. Beim derzeitigen Schuldenstand wird schon ein geringfügiger Zinsanstieg dazu führen, dass die dafür erkämpften Etats wieder reduziert werden. Für »uns Bürger« gibt es nur zwei Szenarien, die einen hoffnungsvollen Ausblick auf die nächsten Jahre bieten: entweder einen massiven Abbau aller Staatsschulden oder ein Kapitalmarkt-Zinsniveau, das dauerhaft und nachhaltig auf ein Niveau um null pendeln wird. Letzteres ist mithilfe einer Geldgebühr, wie sie die INWO vorschlägt, erreichbar.

Die Perspektive der Zerstörung unserer Währung durch eine Hyperinflation und der damit verbundenen Vernichtung aller monetären Werte, ist für Sie und mich vermutlich gleichermaßen indiskutabel.

Klaus Willemsen, 30.12.2015

Verwendete Quelle:
Handelsblatt Magazin No.6 – Dez 2015

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