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Und täglich grüßt das Murmeltier,

… eröffnet der Moderator den ARD-Presseclub zum Thema Griechenland und zu der Frage: Ist Schäuble der richtige Buhmann? Seine ausgezeichneten Gäste wissen dies zu relativieren, können aber die aufgeladene und konträre Stimmungslage nicht nachvollziehbar erklären und dadurch auflösen. Alle beschreiben die Lage, doch keiner ist bereit, einen Konsens aufzuzeigen.

Sehr geehrte Frau Mika, sehr geehrter Herr Müller-Vogg, sehr geehrter Herr Paterson, sehr geehrte Frau Wettach,

Griechenland braucht selbstverständlich neue Kredite und die europäischen Bürger haben ein Recht darauf, das verliehene Geld zurückzubekommen. Es braucht nicht unbedingt eine Insolvenz des Staates und schon gar nicht die Aufgabe jeglicher sozialer Infrastruktur. Der vorliegende „Kompromiss“ ist für alle Seiten eine Katastrophe und weist keinen Weg aus der Krise.

Politiker und die verantwortlichen Ökonomen tun sich verständlicherweise schwer damit, jenseits der eingefahrenen Schablonen zu diskutieren. Warum aber verzichten sie darauf, den entscheidenden Punkt zur Auflösung der verfahrenen Situation auch nur anzusprechen?

Die Zinsbelastung des griechischen Staates liegt je nach Gläubiger aktuell bei 1,5 bis 3,5 Prozent. Für die freie Wirtschaft und Privathaushalte, sofern sie überhaupt an Kredite herankommen, ist die Belastung deutlich höher. Die Zinslast ist damit ein maßgeblicher Wettbewerbsnachteil für Griechenland. Herr Schäuble nimmt Anleihen gelegentlich für 0% auf. Gravierender noch ist aber die Zinsdynamik. Durch den Zins steigt die Schuldenlast über die Jahre exponentiell an. An eine Rückzahlbarkeit ist nicht zu denken. Hinzu kommt der Fakt, dass ein Großteil der Schulden aus den Zinsansprüchen der vergangenen Jahrzehnte resultiert.

Gläubigern pauschal ihr Geld nicht zurückzuzahlen ist keine für alle akzeptable Lösung. Ein Schuldenschnitt ist daher kein Kompromissvorschlag. Schulden zurückzuzahlen, die nicht aus erhaltener Leistung resultieren, sondern aus dem abstrakten Aufsummieren von Zins und Zinseszins, ist aber ebenso kein Standpunkt, den man den Menschen vermitteln kann.

Schuld an der katastrophalen Lage sind nicht die aktuellen Politiker in Griechenland. Die Schulden wurden von ihren Vorgängern angehäuft. Schuld sind auch nicht die übrigen europäischen Steuerzahler. Sie wurden nicht gefragt, ob sie den Banken und Spekulanten ihre hoch riskanten und profitablen Schuldscheine abkaufen wollen. Statt Schuldige zu suchen, sollten wir Lösungen diskutieren, die allen Beteiligten die Wahrung des Gesichts ermöglichen.

Der Verlust für alle Beteiligten wird minimiert, wenn die griechischen Schulden in zinslose Anleihen umgewandelt werden. Sie werden dann, wenn auch auf lange Sicht, tragbar und rückzahlbar. Alle Verhandlungspartner könnten ihre berechtigten Forderungen aufrechterhalten und keiner würde sein Gesicht verlieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist schon sehr nahe an der Nullzins-Politik. Bitte durchbrechen Sie, Frau Wettach, Frau Mika, Herr Müller-Vogg, Herr Paterson und Herr Herres endlich das Diskussionsverbot, das anscheinend in den Medien im Hinblick auf eine konstruktive Nullzins-Politik besteht. Eine Geldreform mit umlaufgesicherter Währung, die auf Dauer ein Null-Zins-Niveau ermöglicht, wird mittlerweile von Top-Ökonomen wie Ken­neth Rogoff, Wil­lem Bui­ter, Mi­les Kim­ball oder Marvin Goodfriend diskutiert. Bitte fördern Sie diese Debatte, statt vermeintlich Schuldige an den Pranger zu stellen und die alten, ausgediehnten Vorschläge immer neu zu zerpflücken.

Klaus Willemsen, 20.7.2015

Verwendete Quelle:
http://www1.wdr.de/daserste/presseclub/sendungen/rolle-schaeuble100.html

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