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Sündenböcke statt Ursachenanalyse

Professor Heinz-Josef Bontrup beschreibt in "Der Freitag" die Geschäftspolitik des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen und deren Auswirkung auf die Mieter. Ohne den Bezug zur Bodenwert-Entwicklung bleibt seine Analyse jedoch unvollständig. Dies hat entscheidende Auswirkungen auf die mögliche Abwehrstrategie.

Die Öffentlichkeit verlangt Feindbilder und persönliche Zuordnungen. Die Deutsche Wohnen bietet sich dafür perfekt an. Professor Bontrup kritisiert zu Recht »…die prächtige Profitentwicklung der Deutsche Wohnen: Profitraten im hohen zweistelligen Bereich sind für Immobiliengesellschaften ungewöhnlich. Von 2012 bis 2016 betrugen die kumulierten Gewinne vor Ertragsteuern satte 5,7 Milliarden und nach Steuern 4,1 Milliarden Euro«. Dafür sind nicht zuletzt die Geschäftspraktiken des Konzerns verantwortlich.

Der weitaus größte Teil der Belastung der Mieter beruht jedoch auf der allgemeinen Preisentwicklung des Bodens und der daraus abgeleiteten Kosten von Mieten und Pachten. Seit der Geld-Zins international an Bedeutung verliert, ist der Boden der größte Faktor für leistungsloses Einkommen. Boden ist DIE Ertragsquelle des Kapitals geworden. Die Politik aller in Deutschland verantwortlichen Parteien ignoriert einhellig den seit 20 Jahren anhaltenden massiven Anstieg der Grundstückspreise.

Die Deutsche Wohnen, aber auch alle anderen Immobilienbesitzer, profitieren massiv von der Entwicklung der Grundstückspreise in vielen Ballungsräumen. In dem Beitrag heißt es zurecht: »Steigende Mietpreise auf dem Berliner Wohnungsmarkt verschafften der Deutsche Wohnen höhere Werte in ihren Büchern.« Dieser höheren Werte müssen von Mietern und Pächtern bedient werden. Dies betrifft letztendlich alle Mieter der Stadt, weshalb es eben auch nicht die Option gibt, der Deutsche Wohnen den Rücken zu kehren.

Falsche Signale geben

Für die betroffenen Mieter ist es wichtig, sich zusammenzuschließen und sich gegen Missstände zu wehren. Der linke Professor und die linke Zeitung setzen jedoch falsche Signale, wenn es lediglich heißt: »Mieter aus sieben Bezirken haben das ›Bündnis der Deutsche Wohnen MieterInnen Berlin‹ gegründet, demonstrieren gegen vernachlässigte Instandhaltungen, die Missachtung des Mietspiegels oder besuchen die Anhörung, zu der die rot-rot-grünen Regierungsfraktionen Vertreter des Konzerns jüngst ins Abgeordnetenhaus vorgeladen hatten.«

Die Regierungsvertreter klagen den Konzern an, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Längst hätte der Senat damit beginnen können, die hohen Spekulationsgewinne aus der Bodenpreisentwicklung über die Grundsteuer abzuschöpfen und sie pro Kopf an die Bevölkerung zurückzuverteilen. Auf dem Grundstücksmarkt geht es eben nicht um Preiserhöhungen von ein paar Prozent. Beim Boden geht es um Preissteigerungen im zweistelligen Bereich, wobei die Verdoppelung eines Grundstückswertes über die letzten 20 Jahre keine Ausnahme darstellt. Doch auch die rot-rot-grüne Senatsregierung in Berlin wagt sich nicht an die Privilegien der Grundeigentümer heran. Wie denn auch, möchte man meinen, wenn selbst der engagierte linke Professor die massive Bodenpreisentwicklung als Ursache der Not verschweigt und sich damit begnügt, einem Wolfgang Clement oder dem Vorstandschef Michael Zahn ans Hemd zu pinkeln.

Für die Mieter der Stadt und den gesellschaftlichen Frieden in unserer Gesellschaft braucht es eine Umverteilung der Grundrente auf alle Bürger. Das Schimpfen über Sündenböcke ist eine wirkungslose Übersprungshandlung.

Lesen Sie dazu bitte auch »Ursache der Bodenpreisentwicklung bleibt ein Tabu«, »Die Linke rechtfertigt kapitalistische Strukturen« und »Grundsteuer: Zeitgemäß!«.

Klaus Willemsen, 30.8.2017

Verwendete Quellen:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-chef-kassiert-zwei-millionen
http://www.inwo.de/medienkommentare/ursache-der-bodenpreisentwicklung-bleibt-ein-tabu/
http://www.inwo.de/medienkommentare/die-linke-rechtfertigt-kapitalistische-strukturen/
http://www.grundsteuerreform.net/

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