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Steht die Welt Kopf oder der Vorstand der EthikBank?

Klaus Euler, Vorstandsvorsitzender der EthikBank, versteht die Welt nicht mehr. Anleger bekommen kaum noch Zinsen und Investoren sind immer weniger bereit, Zinsen zu zahlen. Oder sie fragen gar nicht erst nach einem Kredit, weil sie Investitionen aus eigenen Rücklagen finanzieren können. Noch vor wenigen Jahren wurde bei der EthikBank der stetige Zinsfluss ethisch hinterfragt. Heute scheitert der Vorstand daran, die veränderten Rahmenbedingungen zu verstehen und ruft nach "Wegen aus der Zinslosigkeit".

 

»Die Welt steht Kopf! Derjenige der Geld verleiht, zahlt Negativzinsen und diejenigen die Kredite aufnehmen, bekommen Zinsen ausgezahlt. … Was ist los mit unserem Wirtschaftssystem, funktioniert es noch?« Klaus Euler, Vorstandsvorsitzender der EthikBank betitelt seinen Leitartikel im aktuellen Kundenmagazin E-THIKKER mit »Wege aus der Zinslosigkeit«. Was er aber tatsächlich sucht, ist ein für seine Bank gangbarer Weg aus der Kostenfalle. Anders als sein früheres Vorstandsmitglied Sylke Schröder, bleibt Euler im überholten Denkmodell von moralisch bedenklichen, immer positiven Zinssätzen und hohen Inflationsraten stecken.

2011 schrieb das damalige Vorstandsmitglied Sylke Schröder: »Sind die Zinsen verantwortlich für die immer größer werdende Armut in der Welt? Oder sind sie notwendig, um ein vorausschauendes Wirtschaften überhaupt möglich zu machen? Darüber streiten die Gelehrten. Tatsache ist: Je mehr Schulden in der Welt sind, umso mehr muss die Wirtschaft wachsen oder das System implodiert.«  (E-Thikker, 4-2011) Frau Schröder kam damals zu der Schlussfolgerung: »Ein zinsloses Geldsystem in einer globalisierten Welt schaffen zu wollen, wäre eine gewaltige Aufgabe.« (Schröder, 4-2011)

Die Kraft des Faktischen, das weltweite Kapitalüberangebot, hat uns diesem Zustand näher gebracht. Allerdings nicht in Form einer - ökonomisch völlig unsinnigen - Abschaffung von Zinsen, sondern durch die Annäherung der Zinssätze an die Null-Marke. Ökonomisch wie ethisch bedenklich und »verantwortlich« ist das lange herrschende System immerwährender positiver Zinssätze und die damit verbundene Inflationierung der Währung. Ein System mit sich um den Wert null bewegenden Zinssätzen ist die Auflösung der Widersprüche. Was der Markt derzeit jedoch nicht von alleine schafft, ist die Aufrechterhaltung einer angemessenen Zinsmarge. Und daraus resultieren die existenziellen Probleme der EthikBank und vieler anderer Geldinstitute.

Sehr geehrter Klaus Euler, die EthikBank braucht kein wirtschaftliches und gesellschaftliches Umfeld von steigenden Zinslasten und steigender Inflation. Deren Folgen wären alles andere als ethisch verantwortbar. Die EthikBank braucht eine angemessene Differenz zwischen Kreditzinsen und Einlagenzinsen und sie braucht für ihre Anleger einen spürbaren Unterschied zwischen den Zinssätzen auf Giral- und Tagesgeld und den Zinsen auf langfristige Einlagen. Was die EthikBank daher vor allem braucht, in einem Umfeld von weltweitem Kapital-Überangebot und dem Fakt, dass es kein Zurück zu dauerhaft hohen Wachstumsraten geben wird, ist ein diesbezügliches Umdenken!

Da Sie den Einlegern auf absehbare Zeit keine höheren Zinsen für langfristige Geldanlagen bieten können, braucht es eine Gebühr für das Geld-Parken auf Giro- und Tagesgeldkonten. Die Skatbank und die Raiffeisenbank Gmund haben diesbezüglich die richtigen Schritte eingeleitet. Josef Paul, Vorstand der Gmunder Raiffeisenbank, nennt es Verwahr-Entgelt und hat diesen Schritt gut begründet.

»Vielleicht ist es die Hoffnung, die die Welt im Innersten zusammenhält; und die Gewissheit, dass die Menschen in Europa, in Amerika und im Süden den hohen Preis für Zins und Zinseszins nicht länger bezahlen wollen«, schrieb Ihre Kollegin Sylke Schröder vor fünf Jahren im E-Thikker. Die Welt braucht keine Wege aus der Zinslosigkeit. Die Bankenwelt braucht Liquiditätskosten, um die Geldhortung auf ein Minimum zu begrenzen, und sie braucht die ethische und politische Forderung führender Geschäftsbanker nach einer Geldgebühr. So bleibt das Geschäftsmodell einer ethischen Bank in einem postkapitalistischen Zinsumfeld zukunftsfähig.

Lesen Sie dazu bitte auch »GLS Bank – am moralischen Anspruch scheitern?«, »Kritik an Kopfpauschale – GLS Bank nimmt Stellung« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.  

Klaus Willemsen, 05.10.2016

Verwendete Quellen:

Leitartikel von Klaus Euler im E-Thikker - Das Kundenmagazin der EthikBank, Herbst 2016

Sylke Schröder in E-Thikker - aktuelle Informationen für die Kunden der EthikBank, 04/2011

http://www.inwo.de/medienkommentare/verwahr-entgelt-oder-die-geldgebuehr-in-der-testphase/

http://www.inwo.de/medienkommentare/gls-bank-am-moralischen-anspruch-scheitern/

http://www.inwo.de/medienkommentare/kritik-an-kopfpauschale-gls-bank-nimmt-stellung/

http://www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld

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