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»Stadtsparkasse kündigt Kunden mit hohen Guthaben«

Die Düsseldorfer Sparkasse fürchtet, dass »das Haus mit Geld geflutet« wird und wehrt sich gegen die geparkten Vermögen von Altkunden. Lange hat man gezögert, die Zinskonditionen an die geldpolitische Realität anzupassen. Künftig werden die Kosten sehr hoher Giro- und Tagesgeldbestände den Verursachern in Rechnung gestellt, um die Masse der Kunden zu entlasten.

Man sollte meinen, Einlagen zu verwalten und als Kredite weiterzuvermitteln, ist das Kerngeschäft einer Stadtsparkasse. Es mutet daher etwas skurril an, wenn Alexander Esch in der Rheinischen Post und der Westdeutschen Zeitung schreibt: »Die Kontoinhaber wurden vor die Wahl gestellt, … ihr Geld abzuheben, zu überweisen oder in Aktien sowie Fonds anzulegen. Die Stadtsparkasse vermittelte mit einer extra eingerichteten Plattform sogar an andere Banken.« In 35 Fällen wurden Girokonten mit extrem hohen Beträgen von Seiten der Stadtsparkasse gekündigt, nachdem deren Inhaber nicht auf die zuvor unterbreiteten Vorschläge eingegangen waren. Sparkassensprecher Volker Schleede betont in dem Beitrag den präventiven Charakter: »Ansonsten werde das Haus mit Geld geflutet, was hohe Kosten verursache.«

Abgesehen davon, dass die Stadtsparkasse nicht zur Bargeldhortung (Abhebung großer Summen in bar) animieren sollte, ist ihre Maßnahme ökonomisch richtig. Juristisch begibt sie sich hierbei jedoch auf dünnes Eis, wie es von Seiten der Verbraucherzentrale NRW heißt. Hintergrund ist, dass man bei der Einrichtung von Girokonten und Tagesgeldkonten jahrzehntelang die Möglichkeit negativer Zinssätze schlicht ignoriert hat. Heute muss man die Besitzer von „Altkonten“ daher überreden, die Konditionen die der Markt vorgibt, zu akzeptieren. Anstatt jedoch den Kunden und der breiten Öffentlichkeit die Entwicklung am Kapitalmarkt zu erklären, fällt den Verantwortlichen nichts Besseres ein, als die Schuld bei der Europäischen Zentralbank zu verorten. »Denn die Bank muss selbst Negativzinsen von minus 0,5 Prozent für das bei der europäischen Zentralbank geparkte Geld zahlen.«

Das jedoch ist nur die halbe Wahrheit. Die Stadtsparkasse bezahlt bei der Zentralbank für das Einlegen überschüssigen Zentralbankgeldes, damit es einen finanziellen Anreiz gibt, die Überschussliquidität auf dem Interbankenmarkt zur Verfügung zu stellen. Dieser Markt für unter den Banken gehandeltes Zentralbankgeld war in der Krise ab 2007 eingetrocknet, soll jedoch wiederbelebt werden, um einen reibungslosen Liquiditätsausgleich zu gewährleisten. Der Negativzins wird daher nur fällig, wenn die Banken ihre Überschüsse nicht weiterverleihen.

Kreditzinsen müssten weiter sinken

Das Problem der Sparkasse und anderer Geschäftsbanken besteht darin, dass sie die Milliardenbeträge an täglich fälligen Einlagen nur mit hohem Risiko (und somit nur mit zusätzlichen Kosten) langfristig ausleihen können. Zitat: »Mehr Geld könne zudem nicht verliehen werden, ohne zu große Kreditrisiken einzugehen«. Dahinter steckt das Kernproblem, dass der Markt aktuell ein Kreditzinsniveau von null oder sogar darunter braucht. Genau das aber können die Banken, wegen der Kurzfristigkeit der Einlagen und den hohen Kredit-Absicherungskosten, (noch) nicht liefern. Sie brauchen langfristige Einlagen mit Zinskonditionen nahe null - und folglich Liquiditätskosten für Bargeld und Tagesgeld.

Von dieser makroökonomischen Konstellation blieben die Einleger mit einem garantierten Einlagenzins von null Prozent bisher abgeschirmt. Die Geschäftsbanken trugen das Risiko, das die Einleger nicht einzugehen bereit waren. Doch das Verwahren von großen Vermögen kann nicht risikolos und ohne Bezug zur wirtschaftlichen Gesamtlage betrieben werden. Erst seitdem die Europäische Zentralbank im Juni 2014 mit ihrem negativen Einlagenzins geldpolitisch und gesamtökonomisch die richtigen Anreize setzte, ziehen die Geschäftsbanken langsam nach. Schließlich verringert sich ihre Marge immer weiter, wenn die Guthabenzinsen nicht im Gleichschritt mit den Kreditzinsen sinken. Und die Kreditzinsen müssen sinken, da es kaum noch Wachstum gibt und in allen Sektoren ein Schuldenüberhang entstanden ist. Zudem wurde durch Corona die tiefste Rezession der Nachkriegszeit ausgelöst.

Steilere Zinsstruktur wiederherstellen

Die Sparkassen brauchen eine Geldpolitik, die wieder zurück zu einer steileren Zinsstruktur führt. Eine Zinsstruktur, die am langfristigen Ende nahe null bleibt und folglich tagesaktuelle Gelder mit höheren Kosten belastet. Die Stadtsparkasse Düsseldorf handelt daher ökonomisch richtig und sollte für ihr konsequentes Vorgehen zum Vorbild für andere Geschäftsbanken werden. Die Maßnahme betrifft nur besonders große, täglich fällige Geldvermögen, deren Besitzer den Negativzins verkraften können. Die positiven Folgen der Negativzinspolitik für die Gesamtwirtschaft werden im Übrigen auch ihnen zugute kommen. Auch ihnen kann nicht daran gelegen sein, dass durch eine Kreditklemme die Wirtschaft immer mehr in Schieflage gerät.

Einleger, die unter 100.000 Euro liquide halten, bleiben bislang verschont. Es wäre die Aufgabe der Kreditinstitute, auch für Kleinsparer mit 30.000 oder 50.000 Euro an Einlagen attraktive längerfristige, aber dennoch ausreichend flexible, Nullzins-Anlageformen bereitzustellen – z.B. in Form regionaler Fonds, die die regionale Kreditversorgung und somit die regionale Infrastruktur verbessern.

Eine unrühmliche Rolle hinsichtlich der Negativzinspolitik spielen erneut die Verbraucherschützer, die hier nicht die Interessen der breiten Bevölkerung, sondern überdurchschnittlich reicher Einleger schützen. »Man könne sein Geld auch auf mehrere Häuser verteilen, um unter den Guthabengrenzen für Verwahrentgelte zu bleiben«, empfiehlt die Verbraucherzentrale laut Westdeutsche Zeitung. Damit konterkariert die Verbraucherzentrale die ökonomisch sinnvollen, ja notwendigen, Maßnahmen von Vorreiter-Instituten wie der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Lesen Sie hierzu auch: »Negativzinsen auf 35 Prozent der weltweiten Geldvermögen«, »Banken gegen Negativ-Zinsen« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.


Beate Bockting, Klaus Willemsen, 24.02.2021

 

Verwendete Quellen:

Rheinische Post, 22. Februar 2021, C1

https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorf-sparkasse-droht-kunden-mit-kuendigung_aid-54523827

https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/stadtsparkasse-duesseldorf-kuendigt-kunden-mit-hohen-guthaben_aid-56383579

https://www.inwo.de/medienkommentare/negativzinsen-auf-35-prozent-der-weltweiten-geldvermoegen/

www.inwo.de/medienkommentare/banken-gegen-negativ-zinsen/

http://www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebueh