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Sehr geschätzter Herr Christian Siedenbiedel,

in der F.A.Z. beschreiben Sie die Rolle der Alternative Bank Schweiz (ABS) als Tabubrecher bei der Einführung negativer Einlagenzinsen für Privatkunden. Dieses Ereignis markiert einen Paradigmenwechsel in der kapitalistischen Geldpolitik. Warum aber vermisse ich in Ihrem lesenswerten Beitrag den ökonomischen Zusammenhang und die positive gesellschaftliche Perspektive dieser Entwicklung?

Zu Recht weisen Sie darauf hin, dass die ABS-Bank mit ihrem Schritt nicht alleine steht, dass sich zahlreiche Banken diesen notwendigen Schritt bisher nur bei institutionellen Großanlegern getraut haben und dass viele Banken den notwendigen Schritt derzeit noch durch Querfinanzierungen zu vermeiden suchen. Was den Kunden der Banken so schwer zu vermitteln ist, sind Gebühren auf liquide Geldmittel. Sie erwähnen zunächst den Begriff »Strafzinsen« und verwenden im Weiteren die Bezeichnung »Guthabengebühr«.

Als Ursache für die Notwendigkeit von Gebühren auf liquide Geldbestände beschreiben Sie die Entwicklung der Einlagenzinssätze in Europa. In Schweden, der Schweiz und dem Euroraum liegen diese bereits unter null und es ist abzusehen, dass sie weiter in den negativen Bereich abgesenkt werden könnten.

In Ihrem Beitrag stellen Sie die entscheidende Frage: »Was steckt dahinter, dass eine kleine Bank in der Schweiz jetzt negative Zinsen auch von Privatkunden verlangt?« Die Antwort darauf bleibt aber unbefriedigend. Von einem ausgewiesenen Fachmann im Bereich Finanzen des Wirtschaftsressorts der FAZ wünsche ich mir mehr Klarheit.

Durch die anhaltend flache Zinsstruktur werden seit Jahren Milliarden-Bestände aus langfristigen Anlagen in liquide Bestände umgeschichtet. Es lohnt sich für die Anleger kaum noch, ihr Vermögen langfristig auszuleihen. Verständlicherweise wartet man auf die Zinswende, um dann zeitnah von steigenden Zinssätzen profitieren zu können. Für die Geschäftsbanken birgt dieses Verhalten ein hohes Risiko. Langfristige Ausleihungen müssen in immer höherem Maße durch Fristentransformation oder neues Zentralbankgeld abgedeckt werden. Die Erträge aus dem klassischen Kreditvermittlungsgeschäft werden dadurch immer geringer. Durch die negativen Zinsen verschafft sich die ABS-Bank »mehr Handlungsspielraum im Geschäft mit sinnvollen Krediten«, zitieren Sie.

Die einzelnen Geschäftsbanken sehen sich genötigt, ein monetäres Problem zu lösen, das eigentlich von der Notenbank behoben werden muss. Nur wenige kleine Banken haben den Mut zu einem Alleingang. Für größere Institute könnte der zu erwartende mediale Aufschrei im harten Kampf um Marktanteile verheerende Auswirkungen haben. Ihr Beispiel beschreibt dies: »Schwedische Banken geben die negativen Zinsen wohl überwiegend nicht weiter, leiden aber sehr unter der Situation, wie die jüngsten Zahlen von Nordea, SEB und Svenska Handelsbanken zeigen.«

Es ist Aufgabe der Notenbank, durch angemessen hohe Kosten beziehungsweise Gebühren auf das gesamte Notenbankgeld die Zinsstruktur, auch in Zeiten niedriger Kapitalmarktzinssätze, in der notwendigen Spanne zu halten. Bereits in Ihrem Beitrag »Die neue Welt der Negativzinsen« vom Februar 2015 schrieben Sie: »Wer Geld spart, zahlt jetzt drauf. Wer einen Kredit aufnimmt, muss am Ende weniger zurückzahlen. Das ist die neue Welt der negativen Zinsen. Wie verrückt ist das denn?« Diese Verwirrung basiert darauf, dass die konkurrierenden Geschäftsbanken ein Versäumnis der Notenbank ausgleichen müssen. Dies ist ihnen, ohne geeignete Werkzeuge und im harten Wettbewerb, schlicht nicht möglich. Da wir uns weltweit ein Zurück zu den hohen Kapitalmarktzinssätzen vergangener Jahrzehnte nicht leisten können, ist eine funktionale Zinsstruktur nur durch angemessene Geldgebühren im Bereich der Geldmenge M1 zu realisieren.

Sehr gespannt auf Ihre Antwort,
Ihr Klaus Willemsen, 23.10.2015

Verwendete Quellen:
www.faz.net/aktuell/finanzen/geldanlage-trotz-niedrigzinsen/der-preis-des-geldes-die-neue-welt-der-negativzinsen-13429375.html

www.faz.net/aktuell/finanzen/geldanlage-trotz-niedrigzinsen/negativ-zinsen-bei-der-alternative-bank-in-der-schweiz-13870968.html

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