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Sehr geehrter Herr Losse,

Sie zitieren in der Wirtschaftswoche die „Wirtschaftsforscher“ Sinn und Fratzscher mit deren Bedenken zur Einführung von negativen Zinsen. Doch was wollen Sie uns sagen? Regt Ihr kurzer Beitrag dazu an, den Gedanken hinter diesem neuen Ansatz weiter zu erforschen? Oder soll er helfen, einen sich anbahnenden Paradigmenwechsel im Keim zu ersticken? Der Standpunkt der zitierten „Forscher“ ist doch eher enttäuschend.

„Den Schaden haben die Sparer, deren Zins nun noch weiter unter die Inflationsrate gedrückt wird“, zitieren sie Professor Sinn in der WirtschaftsWoche. Herrn Professor Sinn und seinem Institut ist es bis heute nicht gelungen darzustellen, wie man einen geschlossenen Geldkreislauf bei einer Inflationsrate um null gewährleisten kann. Die genannten "Wirtschaftsforscher" empfehlen bei Unterbrechungen im Geldkreislauf seit Jahrzehnten positive Zinssätze oder eine stetige Inflation. Damit einhergehende Probleme versuchen sie wegzureden, aber nicht auszuschalten. Die höheren Zinsen belasten die Wirtschaft in unangemessener Weise. Die stetige Inflation enteignet die Sparvermögen, und dies auch schon bei einer Höhe von zwei oder nur einem Prozent.

Der so genannte "Strafzins fürs Geldparken“ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Geld parken (sprich horten) im großen Stil unterbricht den Geldkreislauf und verknappt künstlich das Kreditangebot. Der Gedanke, dem durch eine Strafgebühr entgegenzuwirken ist ein Paradigmenwechsel. Anstatt die Weitergabe überschüssiger Liquidität durch positive Realzinssätze zu belohnen, kann man Hortung auch durch eine Gebühr unattraktiv machen und damit tendenziell verringern. Für die Gesellschaft hätte dieser unscheinbare Schritt Auswirkungen in der Dimension von mehreren 100 Milliarden € pro Jahr.

Marcel Fratzscher liegt richtig, wenn er vor zu hohen Erwartungen der jetzt angekündigten Schritte warnt. „Spürbare Auswirkungen auf die Kreditvergabe in den Krisenländern“ und eine Veränderung der „Inflationserwartungen“ sind in der Tat nicht zu erwarten. Dies liegt jedoch nicht daran, dass die Maßnahme falsch wäre. Ausschlaggebend ist, dass die Geldhaltegebühr, mit Rücksicht auf das wissenschaftliche Defizit, von Seiten der Notenbank noch nicht zu Ende gedacht wird. Um den Geldkreislauf tatsächlich zu schließen, und damit die Kreditvergabe zu optimieren, muss die Geldhaltegebühr auf alle Giralgeldbestände wirken. Außerdem muss sie, um Ausweichreaktionen zu minimieren, auch die Bargeldbestände einschließen.

Sie sollten es den verantwortlichen Wissenschaftlern nicht so einfach machen, mit abgedroschenen Plattitüden neue Ansätze im Keim zu ersticken. Es wäre schön, wenn sie als Redakteur die richtigen Fragen aufwerfen und den Wissenschaftlern die Lücken in deren Argumentation vorhalten würden.

Klaus Willemsen, 4.6.2014

Verwendete Quelle:
http://www.wiwo.de/politik/europa/moegliche-leitzinssenkung-wirtschaftsforscher-warnen-ezb-vor-negativen-zinsen/9968964.html

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