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Sehr geehrte Frau Antje Höning,

im März veröffentlichten Sie in der Rheinischen Post einen Kommentar zur EZB-Gelddruckpolitik: »Subventionen für Sparkassen-Kunden?« Ihre Skepsis an der darin beschriebenen Idee der Sparkassen ist plausibel. Doch leider enthält Ihr Beitrag zwei - unter Ökonomen durchaus gängige - Denkfehler, die den Blick auf eine entscheidende Verbesserung der Geldpolitik verbauen.

Sie schreiben: »wer richtig viel anzulegen hat, muss sogar Strafzinsen zahlen«. Diese Formulierung ist sehr missverständlich. Strafzinsen zahlen derzeit einzelne Geldhalter, die zwei- und dreistellige Millionenbeträge auf den Girokonten liegen lassen. Strafzinsen werden von einigen Banken dafür berechnet, dass Geldhalter und -verwalter ihre überschüssige Liquidität eben nicht anlegen. Diese täglich fälligen Einlagen sind auf fast fünf Billionen Euro (5.000.000.000.000 €) angeschwollen und verursachen bei den (seriösen) Banken enorme Risiken. Diese Liquiditätsschwemme, auch Geldhortung genannt, soll durch die Geldgebühren bzw. Negativzinsen begrenzt werden. Die Kosten erzeugen einen Anreitz, dieses Geld wieder langfristig anzulegen, es zu investieren oder es ausgegeben.

In unserem folgenden Briefwechsel konkretisieren Sie, dass bereits Einlagen über 500.000 € von den Negativzinsen betroffen sind. Ab diesem Betrag kann man in der Regel wohl unterstellen, dass aus spekulativen Gründen auf längerfristige Anlagen verzichtet wird. Eine Liquiditätsgebühr im Sinne von Keynes u.a. könnte dieses Geld aktivieren und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Den zweiten, verzeihlicheren Denkfehler enthält Ihre Formulierung »die Minizinsen sind ein großes Ärgernis für alle Sparer«. Viele Menschen sparen, um Rücklagen für später zu haben. Die Vermögensvermehrung durch Zins und Zinseszins ist meistens nur ein, wenn auch ein gern gesehener, Nebeneffekt. Die Rheinische Post hat an dieser Stelle bereits ausgeführt, dass selbst niedrigste Zinsen für die Sparer mitunter besser sind, als die Phasen, in denen die Inflationsrate höher war als der durchschnittliche Zinssatz. Das Ärgernis für die Sparer besteht in der Absicht, dass die Währung inflationiert werden soll. Schon die von der EZB angestrebten 2 Prozent stellen eine reale Enteignung der Geldvermögen dar. Das Ankurbeln der Konjunktur sollte daher nicht durch die Ausweitung der Geldmenge, sondern besser durch eine Liquiditätsgebühr, erfolgen. Siehe dazu: »Stabile Währung dank Durchhaltekosten«.

Klaus Willemsen, 21.4.2015

Verwendete Quelle:
www.rp-online.de/wirtschaft/wirtschaftskolumnen/die-oekonomin/subventionen-fuer-sparkassen-kunden-aid-1.4960468

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