• DE

Schafe fressen Menschen - Welchen Wert haben Utopien?

Thomas Assheuer stellt die Frage: »Was ist eine gerechte Gesellschaft?« und sucht in dem 500 Jahre alten Bestseller »Utopia« von Thomas Morus nach Erkenntnis. Punktgenau verweist er auf Passagen, die zeigen, warum eine gerechte und humane Gesellschaft auch heute noch Utopie ist. Er scheitert jedoch bei der Überlegung, warum der entscheidende Wandel bis heute ausbleibt.

»Damit aber genügend Weideland zur Verfügung steht, treten Großinvestoren auf den Plan; die »Monopole« privatisieren gemeinfreies Land und reißen sich die Äcker unter den Nagel. Sie kündigen Pachtverträge oder zwingen die Bauern, ihr Land zu Schleuderpreisen zu verkaufen. Mit ihren Habseligkeiten fliehen die Bauern in die engen Städte, wo sie verhungern.« (ZEIT No 52)

Die Geschichte wiederholt sich bis heute täglich und in allen Teilen der Welt. Auch 500 Jahre später ist es den Menschen nicht gelungen, aus den klaren Fakten die notwendigen Schlüsse zu ziehen. In Deutschland explodieren die Bodenpreise, und dennoch weigern sich selbst Linke, Grüne und Sozialdemokraten, über eine angemessene Grundsteuer die Spekulationsgewinne der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Noch immer ist es ein Geheimnis, wem der Boden gehört auf dem wir leben, und wer wie viel an unserer Pacht und Miete verdient.  

In Afrika verlieren Millionen Menschen ihr Land an internationale Trusts und werden wie seinerzeit in England zu Hungerflüchtlingen. Immer mehr riskieren ihr Leben, um in Europa zu überleben. Doch selbst Entwicklungshelfer verzichten darauf, den Menschen das Nutzungsrecht an ihrer Scholle zu sichern. In China, Russland und den USA sind acht der zehn reichsten Clans durch Bodenspekulation, Immobiliengeschäfte und mit Bodenschätzen reich geworden und mächtig geblieben. Im noch immer kommunistischen Kuba stehen internationale Investoren bereit, dem Volk sein Land wieder wegzunehmen; mit Dollars statt mit Gewehren.  

Für Assheuer und Morus scheint die Ursache klar zu sein: »Die Besitzenden stecken mit den Mächtigen unter einer Decke« und »der Staat schützt die üblen Machenschaften der Reichen«. Es sei eine Sünde, dass die 62 reichsten Menschen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. »Doch um das zu ändern, müssten alle Nationen kooperieren. Es wäre möglich - doch schon das Mögliche klingt heute utopisch.« Diese Schlussfolgerung von Thomas Assheuer ist in fataler Weise falsch. Für die Entkapitalisierung des Bodens gibt es viele Möglichkeiten.  

Eine ökonomische und gerechte Handhabung des Bodens ist in zahllosen Bereichen möglich. Auch wenn marxistische und kapitalistische Akteure - aus durchaus unterschiedlichen Motiven heraus - einen sozial-ökologischen Umgang mit dem Boden bisher weitgehend verhindern konnten, kann die notwendige Reform in jedem Dorf der Welt beginnen. Es geht hierbei um einen Bewusstseinsprozess und nur in zweiter Linie um die reine Machtfrage. Schuld sind nicht mehr die Schafe auf der Weide, sondern jene, die im politischen Alltag aus ideologischer Verbohrtheit die zielführenden Diskussionen verweigern.

Lesen Sie dazu bitte auch »(Boden-)Reichtum bleibt für das Finanzamt tabu«, »Eine Grundsteuerreform - viele vertane Chancen« und »Grundsteuer: Zeitgemäß!«

Klaus Willemsen, 22.12.2016

Verwendete Quellen:

Die ZEIT No 52, 15.Dezember 2016, »Irgendwo im Nirgendwo«

http://www.inwo.de/medienkommentare/boden-reichtum-bleibt-fuer-das-finanzamt-tabu/

http://www.inwo.de/medienkommentare/eine-grundsteuerreform-viele-vertane-chancen/

http://www.grundsteuerreform.net

 

 

Kommentare und Antworten

Einen Kommentar hinzufügen

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

* Diese Felder sind erforderlich.