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Sahra Wagenknecht unterscheidet Marktwirtschaft und Kapitalismus

Sahra Wagenknecht erklärt in einem Telepolis-Interview nicht nur, dass Kapitalismus und Demokratie "nicht zusammenpassen", sondern auch dass Kapitalismus und Marktwirtschaft nicht zusammenpassen. Die Alternative "Kommunismus oder Kapitalismus" sei dagegen historisch überholt. "Der Versuch, den Kapitalismus durch eine zentralisierte Plan- und Staatswirtschaft zu ersetzen, ist Ende des letzten Jahrhunderts gescheitert", so Wagenknecht. "Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir uns mit den bestehenden Verhältnissen abfinden müssen. Es bedeutet lediglich, dass wir neue Ideen und Konzepte für eine attraktive Alternative brauchen."

Zum neuen Buch von Sahra Wagenknecht (Fraktionsvorsitzende der Linkspartei und promovierte Volkswirtschaftlerin) mit dem Titel  „Reichtum ohne Gier“ gibt es ein ausführliches Interview mit ihr in drei Teilen sowie einen Kurzbericht über die Buchvorstellung mit Prof. H.W. Sinn.

Ihre These: „Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nicht identisch“ ist sicher in der Linkspartei und darüber hinaus neu und gewöhnungsbedürftig – aber doch nicht für alle! So setzt sich die INWO seit Jahrzehnten „für eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ ein, siehe hier: www.inwo.de/verteilungsneutrales-geld/. Es ist sehr erfreulich, dass so etwas nun auch eine Person ausspricht, der ja auch Nähe zu Rosa Luxemburg attestiert wird.

Das Entscheidende ist nun, welche Handlungsempfehlungen daraus abgeleitet werden – dies bemerkt auch H.W. Sinn im o.g. Text. Und hier endet auch seine Zustimmung zu Sahra Wagenknecht, deren Wertschätzung des Ordoliberalismus (Wagenknecht im Telepolis-Interview: „Die Ordoliberalen sind in vieler Hinsicht kapitalismuskritisch und radikal.“) auch Sinn teilt.

Im gleichen Interview, zwei Antworten davor, äußert sich Wagenknecht so: „Geld ist ein öffentliches Gut.“ Das ist bemerkenswert! Leider spricht sie dann nachfolgend nur von der Geldversorgung, ohne zu bedenken, dass der Umlauf des Geldes, mit dem die Wirtschaftssubjekte sich versorgen, von grundlegender Bedeutung ist! Genau hier setzt ja die Geldhaltegebühr, die u.a. von der INWO vorgeschlagen wird, an (siehe http://www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/).

Ebenfalls im 3. Teil des Interviews ist zu lesen, „dass es ein Widerspruch ist, dass ein Investor nur mit seinem investierten Geldbetrag haftet, aber unbegrenzten Zugriff auf alle im Unternehmen erwirtschafteten Gewinne hat. Heute erzählt man den Leuten, Risiko und Gewinn stünden in der Wirtschaft in engem Zusammenhang.“
In dieser Kritik sind wir mit Wagenknecht einig, und präzisieren diese noch: Inzwischen beruht der Großteil der Unternehmergewinne auf ökonomischen Renten, wie Prof. Dirk Löhr in seinem Blog „Rent-grabbing“ darlegt. (https://rent-grabbing.com/2015/03/07/unternehmen-als-verdeckte-land-banks-die-spiegelbildhypothese/ sowie https://rent-grabbing.com/2015/04/22/unwort-des-monats-konsumentenrente/) Daher muss nicht unbedingt die Eigentumsstruktur geändert werden – das Abschöpfen der Renten durch geeignete Steuern (z.B. eine Bodenwertsteuer: www.Grundsteuerreform.net) ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung!

Es ist zu hoffen, dass diese Äußerungen von Sahra Wagenknecht viele Menschen – nicht nur innerhalb der Linkspartei – zu aufmerksamer und kritischer Beschäftigung mit dem Thema anregen!

Lesen Sie auch: Verteilungsneutrales Geld für eine nachhaltige Gesellschaftsordnung

 

Quellen:

http://www.heise.de/tp/artikel/48/48034/1.html

http://www.welt.de/politik/deutschland/article154288851/Sinn-haelt-viele-Ideen-Wagenknechts-fuer-plausibel.html

 

 

 

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