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Rettet unser Bargeld

»und verhindern Sie die Bargeldabschaffung«, fordern Prominente wie Max Otte, Dirk Müller, Sahra Wagenknecht, Frank Schäffler, Albrecht Schachtschneider, Helge Peukert und viele mehr. Die illustre Runde, die sich hinter der Petition von Max Otte versammelt hat, eint eine Sorge: Mit dem Bargeld würden wir eine Säule des freiheitlichen Rechtsstaates verlieren. Das Individuum wird endgültig zur Geisel der Banken.

Es fällt leicht, den Unterzeichnern zuzustimmen wenn sie die Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung als unlautere und vorgeschobene Argumente für eine Abschaffung des Bargelds entlarven. Doch leider fehlt, trotz des versammelten ökonomischen Sachverstands, jeglicher Hinweis auf den zwingenden monetären Hintergrund dieser Debatte - und damit fehlen auch Hinweise auf Alternativen.  

Stattdessen erzeugt die Petition Stimmung durch Panikmache: »Wir werden zu Geiseln der Banken. Alle unsere Ein- und Verkäufe werden gespeichert«. Welche Art von Käufen, die nicht schon heute registriert werden, gemeint sind, wird nicht gesagt. Es ist zumindest fraglich, ob man an Freiheit gewinnt, wenn man seine Ersparnisse in Form von Bargeld mit sich herumtragen muss. Die Unterzeichner aber behaupten: »Ohne Bargeld ist der Kleinsparer den Banken völlig ausgeliefert.«

Der Text unterstellt, dass man mit der Abschaffung des Bargeldes einen Run auf die Girokonten, wie er bei drohenden Bankenpleiten einsetzt, verhindern möchte. Um dies zu begründen, wirft man jedoch die Stabilität »unseres Geldes« und die Stabilität einzelner Geldinstitute in einen Topf. »Die drohende Bargeldabschaffung hat einen ernsten Hintergrund: Stabil ist unser Geld schon lange nicht mehr. Der Geld-Abfluss soll verhindert werden, weil unser Finanzsystem faktisch pleite ist.« Wenn meine Bank zahlungsunfähig zu werden droht, versuche ich mein Guthaben vorher abzuheben. Welchen Sinn aber soll es haben, Bargeld zu horten, wenn die Währung an sich ihren Wert verliert?

Otte und seine Mitstreiter sollten den monetären Zusammenhang der Geld-Abschaffungs-Diskussion benennen, statt an niedere Instinkte zu appellieren. Der Geldmarkt funktioniert immer weniger, seit eine Zinsdifferenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Anlagen kaum noch existiert. Um die Wirtschaft und den Geldkreislauf anzukurbeln, müsste die EZB die Zentralbankzinssätze weiter deutlich in den negativen Bereich absenken.

Diese volkswirtschaftlich sinnvolle Maßnahme ist jedoch nicht praktikabel, solange ein kostenloses Ausweichen der Geldhalter in die Bargeldhortung möglich ist. Das Bargeld zu verbieten, weil es ein ökonomisch notwendiges Absenken der Zentralbankzinsen verhindert, heißt aber das Kind mit dem Bade auszuschütten. Dem Problem des „Zero Lower Bound“ kann man wesentlich eleganter beikommen. Siehe „Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld“ und lesen Sie auch „Das Verwirrspiel geht weiter“. Vielen der Unterzeichner wird dies vertraut sein. Warum aber sagen sie es nicht?  

Klaus Willemsen, 26.04.2016  

 

Verwendete Quellen:

https://rettet-unser-bargeld.de/

http://www.geldreform.eu/

http://www.inwo.de/medienkommentare/das-verwirrspiel-geht-weiter/

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