• DE

Propaganda gegen Minuszins wird ausgeweitet

Die europäische Zentralbank habe unter der Führung von Mario Draghi deutsche Sparer enteignet, schreiben „Bild“ und andere Zeitungen mit Verweis auf Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Auch die Westdeutsche Zeitung (WZ) ist sich nicht zu schade, diese Propagandalüge auf die Titelseite zu nehmen.

Der Berichterstattung der WZ sieht man an, dass es der Redaktion peinlich zu sein scheint, ihren Lesern erneut das Märchen von der Enteignung der Sparer aufzutischen. Dennoch muss sich die Redaktion fragen lassen, warum sie nicht auf die Fakten hinweist: Dank der mutigen Entscheidung des ehemaligen EZB-Präsidenten hat Deutschland eine Rekordbeschäftigung, steigende Löhne, steigende Renten und steigende Kaufkraft. Nie zuvor haben so viele Beschäftigte so hohe Rücklagen bilden können. Die Schuldenlast der Betriebe und der öffentlichen Kassen ist seit Jahren rückläufig. Und dank der moderaten Inflation verlieren die Ersparnisse der „kleinen Leute“ weniger an Kaufkraft als in Zeiten mit hohen Zinsen und noch höherer Inflation. Lediglich die Geldvermögen der oberen zehn Prozent sind nicht mehr so massiv angestiegen wie im vergangenen Jahrhundert.

Statt dies zu erläutern, kolportiert man ein leicht durchschaubares Lobbyargument des CDU-Abgeordneten Axel Fischer aus einer Zeitung, bei der die Abwägung zwischen Meinungsmache und Aufklärung seit jeher bekannt ist. »„Die Politik der Europäischen Zentralbank unter Draghi hat nicht nur deutsche Sparer kontinuierlich enteignet, sondern die Altersvorsorge von Millionen Menschen in Deutschland geschmälert. Dafür hat er aus meiner Sicht keine deutsche Auszeichnung verdient“, sagte Fischer der „Bild“-Zeitung (Montag).«

Die Politik Mario Draghis hat den Bürgern Europas viele 100 Milliarden Euro Zinslasten erspart. Wenn es seiner Nachfolgerin gelingt, diesen Kampf gegen die Interessen des internationalen Finanzkapitals fortzuführen und zu gewinnen, hat er den Grundstein zu einer nachhaltig krisenfreien Marktwirtschaft gelegt. Ein Euro ohne Zins und Inflation wäre ein wesentlicher Schritt zur Bewältigung der sozialen und ökologischen Herausforderungen. Draghi hat sich mit einer mächtigen Lobby angelegt und allen Anfeindungen standgehalten. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ist mehr als angemessen.

Lesen Sie hierzu auch: »Propaganda - statt sozialdemokratischer Politik«, »Der Kleinsparer wird nicht durch die Einführung von Negativzinsen betrogen, sondern dadurch, dass es keine gibt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.


Klaus Willemsen, 28.01.2020

Verwendete Quellen:

Westdeutsche Zeitung vom 28. Januar 2020, S.1

www.inwo.de/medienkommentare/propaganda-statt-sozialdemokratischer-politik/

www.inwo.de/medienkommentare/der-kleinsparer-wird-nicht-durch-die-einfuehrung-von-negativzinsen-betrogen-sondern-dadurch-dass-es-keine-gibt/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/