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Negativzinsen verstehen

»Der Nullzins frisst das Vermögen der Deutschen auf.« Mit dieser und weiteren Lügen verstärkt das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL seine Propaganda gegen eine antikapitalistische Geldpolitik. Was ist die Motivation der Redaktion, den Ruf als objektives Magazin so plump aufs Spiel zu setzen?

Mit der aktuellen Titelstory bemüht das Redaktionsteam so plumpe Stereotype, als wolle es Beispiele für Fake-News produzieren. So heißt es schon in der Überschrift: »Wenn Sparen arm macht – Niedrigzinsen und die Folgen«. Fakt ist dagegen, dass kein Mensch arm wird, weil sein Vermögen heute geringer verzinst wird als vor 20 Jahren. Und Fakt ist weiter, dass selbst bei Nullzins ein Geldvermögen nicht »gefressen« wird. Genau genommen wird es noch nicht einmal kleiner. – Während bei niedrigen Zinsen Löhne steigen, Renten steigen, Unternehmereinkommen steigen und die allgemeine Steuerbelastung sinkt. Entwicklungen, von denen vor allem Kleinsparer, Durchschnittssparer und der oft zitierte Mittelstand profitieren.

Die Stoßrichtung der Spiegel-Propaganda zielt auf etwas anderes: die Zinserträge reicher und superreicher Geldanleger wieder zu vergrößern. Bis zur Finanzkrise 2008 konnten reiche Geldanleger reale Zinsraten von 2, 3 und mehr Prozent erzielen und damit ihre Geldvermögen auf Kosten der Allgemeinheit, ohne eigene Arbeit und ohne Risiko, stetig vermehren. Von der Differenz zwischen Inflationsrate und dem Zinssatz für langfristig angelegte Millionenbeträge profitierten jedoch zu (fast) allen Zeiten nur wenige, wirklich reiche Familien. Die Zinserträge von Sparbüchern, kurzfristigen Anlagen und durchschnittlichen Sparguthaben lagen selten oberhalb der Inflationsrate. Zinsen auf Girokonten gab es ohnehin nur in einer kurzen Zeitspanne bei der Etablierung von Online-Banken.

Inflation, nicht Negativzinsen frisst Geldvermögen

»Die Deutschen sind ein Volk von Sparern. Sie horten enorme Summen auf Sparbüchern und Festgeldkonten. Sie sorgen mit Lebensversicherungen fürs Alter vor. Doch seit einem Jahrzehnt wirft das Ersparte kaum noch Geld ab«, schreibt Thomas Schulz in den Hausmitteilungen und leitete damit eine bewusste Irreführung ein. Der gewöhnliche Sparer legt sein Geld fürs Alter zurück und möchte – selbstverständlich –, dass die Kaufkraft dieser Rücklagen über die Jahre bewahrt bleibt. Geldanleger, die Vermögen anlegen, um es – auf Kosten anderer – zu vermehren, sind eine andere Interessengruppe. Schon im Juli haben Tim Bartz, Martin Hesse und Christian Reiermann mit ihrem Beitrag »Neue EZB-Chefin Lagarde – Schlechte Aussichten für Kleinsparer«, daran gearbeitet, die Interessen des Großkapitals als die Interessen des gewöhnlichen Bürgers zu verkaufen. Es ist befremdlich zu erleben, wie selbstverständlich sich gut bezahlte Journalisten in den Dienst des Finanzkapitals stellen.

Der aktuelle Beitrag weist eine gefährliche Zielrichtung auf: die Interessen des Großkapitals an hohen Zinsrenditen als die Interessen von Kleinsparern und der arbeitenden Mittelschicht zu verkaufen. Die Fragestellung »Was kann man tun für sein Geld?« führt die Leser bewusst in eine falsche Richtung. Die Entwertung von Geldvermögen und gleichermaßen von Löhnen und Renten, beruht auf der Inflationierung des Euros. Der Spiegel macht seit Jahren kontinuierlich Stimmung gegen Null- und Minuszinsen. Die Autoren Tim Bartz, Martin Hesse, Anton Rainer, Michael Sauga und Thomas Schulz verzichten bewusst darauf, darüber zu informieren, wie man eine tatsächlich inflationsfreie, stabile Währung mit einer ausreichend großen Zinsdifferenz gewährleisten kann. So wie der Spiegel seit jeher darauf verzichtet, die gewaltigen Vorteile niedriger Zinsen für die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt darzustellen, die Überwindung eines Inflationsziels als Baustein einer stabilen Währung zu erwähnen oder gar die dreistelligen Milliardenbeträge zu benennen, die über Jahrzehnte in Form von Zinsen die Vermögen der Superreichen Jahr für Jahr vergrößert haben.

Aufklären statt verwirren

Natürlich erkennen nicht alle Leser die vom Spiegel erzeugte Manipulation. Viele jedoch spüren, dass zwischen den Zinsinteressen des Kapitals und ihren Lebensbedingungen Widersprüche bestehen, die die herrschenden Medien nicht benennen. Die Autoren erzeugen hier einen Vertrauensverlust, der langfristig für unsere Gesellschaft gefährlich ist. Die Redaktion sollte sich weniger von den Kapitalinteressen der Eigentümerfamilien leiten lassen, und stattdessen mehr Wert auf Objektivität in Bezug auf gesellschaftliche Zusammenhänge legen.

Lesen Sie dazu bitte auch: »Effektivere Negativzinsen werden dringend benötigt«, »Der Kleinsparer wird nicht durch die Einführung von Negativzinsen betrogen, sondern dadurch, dass es keine gibt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 11.11.2019

Verwendete Quellen:

https://magazin.spiegel.de/SP/2019/46/166862892/

DER SPIEGEL, 8. November 2019

www.spiegel.de/plus/christine-lagarde-als-ezb-chefin-schlechte-aussichten-fuer-sparer-a-00000000-0002-0001-0000-000165101001

www.inwo.de/medienkommentare/effektivere-negativzinsen-werden-dringend-benoetigt/

www.inwo.de/medienkommentare/der-kleinsparer-wird-nicht-durch-die-einfuehrung-von-negativzinsen-betrogen-sondern-dadurch-dass-es-keine-gibt/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

Kommentare und Antworten

  • Karin am 11.11.2019 um 20:32
    Der neue Spiegel-Titel kommt wirklich aus der untersten Schublade. Kein Wunder, dass viele Jugendliche sich nun anders orientieren und anderswo Aufklärung suchen! Zum Beispiel in der Fairconomy.

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