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Negativzinsen sind gerechter als steigende Gebühren

Nach der Skatbank und der Raiba Gmund verlangt nun auch die Volksbank Stendal Negativzinsen von Privatkunden. Für private Einlagen über 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto zahlen die Kunden fortan 0,4 Prozent. Das sollte weiter Schule machen, denn es ist viel gerechter, als alle möglichen Bankgebühren zu erhöhen.

Im August hatten verschiedene Verbundbanken öffentlich angekündigt, institutionelle Anleger mit Negativzinsen zu belasten, so die beiden großen Institute im westfälischen Münster oder auch einige Sparkassen in Ostdeutschland. Sie verhandelten mit Großkunden über so genannte "Verwahrentgelte" von 0,4 Prozent. Auch ein Bankwechsel, um so den Negativzinsen zu entgehen, wird den betroffenen Großkunden mittlerweile erschwert. So bestätigte etwa die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam, dass Unternehmen, die als Neukunden eine größere Summe einlegen möchten, "schon seit längerem" einen Strafzins zahlen müssen. An die Privatkunden traut man sich im allgemeinen aber noch nicht heran.

Dabei wird die ausufernde Liquiditätshaltung, auch von Privatleuten, immer mehr zum Problem: Nach Angaben von Wolfgang Zender, Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbands, wüssten viele Sparer wegen der niedrigen Zinsen nicht, wie sie ihr Geld anlegen sollten, etwa wenn ein Sparguthaben fällig wird: "Das Geld wird fast ausschließlich noch auf Tagesgeldkonten geparkt."

Dieses kurzfristig geparkte Geld, das ja jederzeit wieder abgezogen werden kann, ließe sich nur unter hohem Risiko weiterverleihen. Und solche Risiken scheuen die Banken, was mittlerweile zu einem riesigen Einlagenüberhang geführt hat. Die Einleger müssten selbst einsehen, dass man bei Giral- und Tagesgeld nicht von "Sparen" im eigentlichen Sinne sprechen kann und dass sie mit ihrer Liquiditätshaltung ihrer Bank Kosten verursachen - und zwar je größer die Summe auf dem Konto ist. Die neuen Kosten entstehen den Banken nicht durch die üblichen Girokonten, auf die wie eh und je Löhne und Gehälter fließen und wieder abfließen, sondern durch Unternehmen und Privatleute, die große Summen einfach "parken".

Bei den Genossenschaftsbanken ist der Kostendruck gestiegen, seitdem die DZ Bank ihre Entscheidung bekanntgab, von den angeschlossenen Instituten ab dem 1. August 2016 0,3 Prozent Zinsen für bei dem Zentralinstitut geparkte überschüssige Einlagen zu verlangen. Dabei bleibt die DZ sogar noch unter dem negativen Einlagenzins der EZB von 0,4 Prozent.

So ist es verständlich, dass die Institute sich auf die mit dem Einlagenüberhang verbundenen steigenden Kosten und weiter sinkende Margen vorbereiten. Einige erhöhen ihre monatlichen Kontoführungsgebühren, andere lassen sich die normale EC-Karte bezahlen. Wieder andere erhöhen die Gebühren für beleghafte Überweisungen, was insbesondere ältere Menschen ungerecht trifft, die sich mit moderner Technik überfordert fühlen. All diese Gebührenerhöhungen belasten Menschen, die mitunter kein Geld zu verschenken haben und mit jedem Euro rechnen müssen. Es trifft nicht die eigentlichen Verursacher.

Daher sind Negativzinsen viel gerechter als Gebührenanhebungen. Wieso sollte jemand, der 100.000 Euro auf dem Konto "herumliegen" lässt, noch mit 1.000 Euro belohnt werden, während andere, die ständig Angst vorm Dispozins haben müssen, für sie draufzahlen?

Wenn die Wirtschaft nicht mehr wie in der Vergangenheit wächst, kann man auch keine positiven Zinsen mehr erwarten. Es gibt kein Naturrecht auf positive Zinsen! Wichtig ist, dass die sinkenden Zinsen auch bei den Kreditnehmern ankommen, die die reale Wirtschaft in Schwung halten. Dabei sollten aber nicht nur die Konzerne profitieren, die sich nun aufgrund des Aufkaufs von Unternehmensanleihen durch die EZB zu negativen Zinsen finanzieren können, sondern vor allem auch jene, die Arbeitsplätze im sozialen oder ökologischen Bereich erhalten oder neu schaffen. Daher müssten besonders die alternativen Banken auf Negativzinsen statt Gebührenerhöhungen setzen. Sie müssten das Potenzial erkennen, dass in den Negativzinsen steckt: Die sinkende Zinsbelastung kommt der breiten Bevölkerung zugute, sofern gleichzeitig eine vernünftige Boden- und Ressourcenpolitik betrieben wird. Mit solchen Forderungen könnten die Alternativbanken Vorreiter einer echten Wende zur Nachhaltigkeit sein!

 

Lesen Sie dazu auch:

http://www.inwo.de/medienkommentare/steht-die-welt-kopf-oder-der-vorstand-der-ethikbank/

http://www.inwo.de/medienkommentare/gls-bank-am-moralischen-anspruch-scheitern/

http://www.inwo.de/medienkommentare/kritik-an-kopfpauschale-gls-bank-nimmt-stellung/

 

Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/nachrichten/noch-eine-bank-nimmt-negativzinsen-von-privatkunden-14479130.html

http://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/regional/sparkassen-negativ-zinsen-ostdeutsch-100.html

http://www.focus.de/finanzen/banken/in-ostdeutschland-erste-sparkassen-wollen-negativzinsen-verlangen_id_5878403.html

 

 

 

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