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Negative Zinsen oder höhere Inflation?

Das Geld inflationieren, um das Horten von Liquidität zu verteuern. Seit Jahren beweisen die Bank von Japan (BoJ), die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken, dass sie Tiger ohne Krallen sind. Regelrecht verzweifelt werden die Geldmengen Jahr um Jahr erhöht, ohne dass die Inflationsraten spürbar steigen. Die elegante Alternative zu Inflation heißt negative Zinssätze. Stefan Padberg erläutert, dass Liquiditätskosten nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch sozial gerecht sind.

Inflation hat aus geldreformerischer Sicht die positive Wirkung, dass das Horten von Geld durch den Kaufkraftverlust verteuert wird. Also bringt der Verbraucher seine Reserven zu einer Bank, die ihm gewährleistet, dass dieser Verlust durch die Geldanlage kompensiert werden wird. Das Geld steht somit wieder für Investitionen zur Verfügung.  

Inflation hat aber eine unsoziale Wirkungsrichtung für die schwächeren Marktteilnehmer (Kleinunternehmer, Arbeitnehmer, Arbeitslose, usw.), weil sie die Preiserhöhungen in der Regel auf ihrer Einnahmenseite nicht so effektiv auffangen können wie die stärkeren Marktteilnehmer. Und warum sollen alle Marktteilnehmer in gleichem Maße unter den Folgen einer Inflation leiden, wo es doch nur darum geht, das Horten von Geld bei denjenigen unbeliebt zu machen, die mehr Geld zur Verfügung haben, als sie normalerweise ausgeben?  

Diesen Nachteil hätten negative Zinsen nicht. Sie wirken nur beim Anlage suchenden Geld. Dies ist mir in den letzten Monaten drastisch klar geworden, nachdem immer mehr Banken und Sparkassen dazu übergehen, horrende Gebühren auf Girokonten zu nehmen. Die Sparkasse Wuppertal nimmt mittlerweile für ein klassisches Girokonto 7,90 €, die GLS Bank hat angekündigt, dass sie bald 3,90 € Gebühren für ihre Girokonten berechnen wird und dass zusätzlich pro Kunde 5,00 € erhoben werden sollen, also 8,90 € für ein Girokonto. Die Postbank wird mit satten 3,90 € auch nachziehen.

Begründet wird dies immer mit den niedrigen Zinssätzen. Es bleibe zu wenig an Gewinn übrig. Hohe Gebühren sind aber unsozial, denn der Rentner mit einem Grundumsatz von vielleicht 600 € auf seinem Girokonto bezahlt genauso 8 € monatliche Gebühren wie große Unternehmen mit mehreren Mio. € Umsatz. Und vor allem jene, die aus spekulativen Gründen ihre Girobestände auf Millionenbeträge aufgebläht haben, also die Verursacher der Geldhortung, werden nicht zur Kasse gebeten. Wieder einmal zahlen die kleinen Leute für die großen Profiteure. Warum also nicht negative Zinsen nehmen, um die notwendige Gewinnspanne aufrecht zu erhalten? Damit würden die großen Girobestände entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit an den Kosten beteiligt.  

Wenn es sich rumspricht, dass negative Zinsen eine sozialere Finanzierungsform für Girokonten sind, dann könnte sich die Tür auf breiterer Front für negative Zinssätze von bis zu 1-2% öffnen. Wenn man es dann noch hinbekommt, die negative Verzinsung auf das Bargeld zu übertragen, dann können negative Zinsen mit noch niedrigeren Werten kommen. Interessante praktikable Vorschläge hierfür gibt es mittlerweile.  

Aber nicht nur die sozialere Wirkung der negativen Zinsen sollte uns interessieren. Es lässt sich seit vielen Jahren beobachten, dass das Inflationsniveau durch die Zentralbanken in den USA, Japan und Europa kaum noch zu beeinflussen ist. Trotz großzügiger Geldmengenausweitung gibt es immer nur „asset price inflation“, sprich: Blasenbildung. Ich würde deshalb dazu raten, die negativen Zinsen stärker ins Bewusstsein zu holen und nach Wegen zu suchen, diese zu etablieren. Bei dem heftigen Überangebot an Geldkapital, das wir seit Jahren haben, scheint mir das die einzig vernünftige Alternative zu sein, weil damit ein wahrnehmbares Signal gesetzt wird.  

Wir müssen ja irgendwann dahin kommen, dass das Investieren mit Gewinnerzielungsabsicht so unattraktiv wird, dass es auf das für die nötigen Innovationen erforderliche Maß beschränkt wird. Erst dann werden mehr Gelder für den Kultur-, Bildungs- und Gesundheitsbereich (sog. "Schenkungsgelder" in Sinne der Wirtschaftslehre Rudolf Steiners) generiert werden können. Der Reichtum, den wir alle produzieren, muss letztendlich wieder uns allen zu Gute kommen und darf nicht ewig in der Hoffnung auf etwas mehr Zinsen in der Investitionsblase kreisen. Ein solches Signal wird durch die Höhe der negativen Zinsen viel deutlicher an die Geldbesitzer gegeben als durch die Inflation.  

Stefan Padberg, 14.09.2016

Lesen Sie dazu bitte auch:

Negativzinsen ermöglichen eine Wirtschaft ohne Wachstum

Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld

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