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Nachdenken in seiner edelsten Form

Einen, ich bin geneigt zu schreiben, historischen Beitrag hat Jens Berger auf den »NachDenkSeiten« veröffentlicht. Präzise argumentiert und mit Rechenbeispielen unterlegt, räumt er auf einen Schlag mit einer Handvoll geldpolitischer Lebenslügen auf. Sein Beitrag »Sparkassen, Strafzinsen und andere Merkwürdigkeiten - ist das schon Kampagnenjournalismus?« macht den Weg frei für eine soziale, ökologische und dabei links-alternative Geld- und Währungspolitik.

Jens Berger geht mit seiner Zunft nicht zimperlich um: »wie beim Thema Inflation wird leider auch beim Thema Negativzinsen viel Unsinn geschrieben«. Und er begnügt sich bei seiner Kritik an der monetären Diskussion nicht mit Details. Der Autor räumt auf mit dem Klischee vom gierigen, an allem schuldigen Banker, und gleichzeitig mit dem Märchen von der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken. Damit räumt er gleich zwei Brocken aus dem Weg, die seit Jahren benutzt werden, um von praktikablen Lösungen für eine nachhaltige und soziale Währung abzulenken.  

Mit einem simplen Zahlenbeispiel entlarvt Jens Berger jene, die gegen die angebliche »Enteignung der Sparer durch Negativzinsen« polemisieren. Für Sparkassen mit einem soliden Einlagenüberschuss sind die so genannten Strafzinsen sicherlich ein Kostenfaktor. Doch diese Kosten können und müssen an die Verursacher weitergegeben werden. Das hat zum einen nichts mit Enteignung zu tun, da es lediglich die Durchsetzung eines simplen und gerechten Prinzips darstellt: Wer gesellschaftliche Kosten verursacht, muss diese auch begleichen. Und zum anderen deshalb, weil die Höhe der Kosten - wie Berger vorrechnet - für gewöhnliche Kontenstände völlig vernachlässigbar ist. Negativzinsen oder Geldgebühren tun erst weh, wenn man Millionenbeträge auf Girokonten liegen hat.  

Der Verweis auf das Verursacherprinzip, ohne den bei Linken üblichen moralischen Filter, ist Berger hoch anzurechnen. Entscheidend für die Geldpolitik ist, dass es eine Motivation gibt, den Geldkreislauf zu schließen, sein Geld also weiterzugeben. Es ist nicht relevant, ob ich aus rationaler Entscheidung, aus Furcht oder aus spekulativer Gier Geld horte. Entscheidend ist, dass es durch die Geldgebühr für den Einzelnen günstiger ist, sein Geld auszugeben oder langfristig auszuleihen. Dieser klare Blick führt Jens Berger zu dem Fazit: »Strafzinsen für Privatkunden wären keinesfalls ungerecht, sondern ganz im Gegenteil sogar sehr gerecht!«  

Jens Berger bricht mit dem Klischee vom bösen und gierigen Banker. Er postuliert das Verursacherprinzip, wobei kleine Verursacher wenig bezahlen und große Verursacher viel. Damit macht er den Blick frei für die gesellschaftlichen Chancen durch Negativzinsen und Geldgebühren - Meilensteine auf dem Weg zu einer gerechteren und sozialen Gesellschaft. Mit dem Verzicht auf das simple Feindbilddenken machen die »NachDenkSeiten« ihrem Namen Ehre.  

Lesen Sie dazu bitte auch, wie Bettina Schausten in »Berlin direkt« das Gerede von der »Enteignung der Sparer« als Rattenfängerei entlarvt sowie unser Positionspapier „Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld“.  

Klaus Willemsen, 7.6.2016  

Verwendete Quellen:

www.nachdenkseiten.de

www.inwo.de/medienkommentare/der-frust-der-sparer/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/