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Mehr Mut zum Umdenken, Herr Piper und Herr Zydra

»Das große Experiment« überschreiben Nikolaus Piper und Markus Zydra ihren Artikel über die Anleihekäufe der EZB in der Süddeutschen Zeitung. Gut verständlich beschreiben sie die Fakten, erklären die Motivation und wägen das Für und Wider ab. Beide Autoren, obwohl grundsätzlich unterschiedlicher Meinung, ignorieren jedoch die Bedeutung der gewaltigen Geldhortung und scheitern daher mit ihrer Analyse.

»Das billige Geld der EZB entfaltet bislang nicht überall in der Euro-Zone die gewünschte Wirkung. Durch den Ankauf von Staatsanleihen soll diese Blockade aufgelöst werden.« Das billige Geld bleibt in stetig wachsendem Umfang auf den Girokonten liegen oder wird zur Spekulation genutzt. Immer neues Zentralbankgeld verändert jedoch nicht die Ursache dieser Entwicklung. Es treibt lediglich die Preise der Spekulationsobjekte in die Höhe und erzeugt Preisblasen.

Das im Überfluss vorhandene Geld muss von den Girokonten zurück in langfristige Ausleihungen, Investitionen und Konsum fließen. Es ist völlig unbegreiflich warum Nikolaus Piper und Markus Zydra die dazu notwendigen Maßnahmen nicht einmal erwähnen. Ihre Beiträge sind so nahe an der Lösung, dass man den Gedanken kaum los wird, die Geldhortung, und damit die Auflösung der Geldhortung als Problemlösung, werden bewusst unterschlagen.

»Auf die Lehrbücher kann man sich in diesen Zeiten nicht mehr verlassen, denn wenn es nach dem ginge, was die ökonomische Theorie sagt, müsste Europas Wirtschaft schon längst boomen. Schließlich hat die Europäische Zentralbank (EZB) Geld im vergangenen Jahr so billig gemacht wie nie zuvor in der Geschichte. Der Leitzins liegt bei 0,05 Prozent. Dennoch kommt in der Euro-Zone die Kreditvergabe und damit der Aufschwung nicht so richtig in Gang.

Die EZB versucht es deshalb mit der Brechstange und möchte bis September 2016 mindestens 1,1 Billionen Euro in das Finanzsystem der Euro-Zone pumpen, (...) Man kann fest davon ausgehen, dass diese Zufuhr nicht wirkungslos verpufft. Doch die EZB möchte eine bestimmte Wirkung erzeugen: Das Geld soll rein in die Realwirtschaft, um Wachstum und Inflation zu erzeugen.«

Das Kreditangebot wird sich gewaltig vergrößern, wenn die gehorteten Bestände, derzeit 4,7 Billionen € täglich fällige Einlagen, zusätzliche Kosten verursachen. Mit einer Geldgebühr ließe sich dies auf elegantere Weise bewerkstelligen, da sie für die ausreichende Spreizung zwischen Geldmarkt- und Kapitalmarktzinssatz sorgen würde.

Zu Recht schreiben die Autoren: »In Italien und Spanien kommen Unternehmen und Privathaushalte sehr schwer an Kredite, und wenn doch, dann sind die Darlehenszinsen viel höher als es der niedrige Leitzins nahelegen würde.« Ihre Beiträge lassen den Schluss zu, dass der Ankauf von Staatsanleihen diese Situation, wenn überhaupt, dann nur sehr indirekt, verbessern kann. Eine Geldreform mit Durchhaltekosten auf die liquiden Zahlungsmittel würde die Ausgangslage dagegen sehr wohl ändern. John Maynard Keynes, Irving Fisher, Silvio Gesell und aktueller Benoît Cœuré, der britische Wirtschaftshistoriker und Keynes-Biograph Robert Skidelsky, der US-Wirtschaftsprofessor Miles Kimball, Gregory Mankiw, Willem Buiter, Harvard-Professor Kenneth Rogoff oder der britische Journalist und Universitätsdozent George Monbiot weisen auf Freigeld als Lösungsmöglichkeit hin. Es ist an der Zeit, dass dieser wichtige Ansatz auch in der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung berücksichtigt wird.

Klaus Willemsen, 11.3.2015

Verwendete Quelle:
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/anleihekaeufe-der-ezb-das-grosse-experiment-1.2385763
de.wikipedia.org/wiki/Silvio_Gesell

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