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Kritik an Kopfpauschale – GLS Bank nimmt Stellung

Die „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“, kurz GLS, plant einen kolossalen Fehler. Anstatt die Ursache für die schwieriger werdende finanzielle Lage der Bank direkt anzugehen, will man von allen Kunden jährlich einen zusätzlichen pauschalen Solidaritätsbeitrag einfordern. Julian Mertens, Referent der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der GLS, reagierte umgehend auf die von der INWO veröffentlichte Kritik.

In seiner Stellungnahme verweist Mertens zunächst auf die Notenbankpolitik: »Die Europäische Zentralbank kann mit ihren niedrigen und Negativzinsen bisher kaum positive Wirkungen erzielen.« Es sei ihr bisher nicht gelungen, dass mehr Geld in die reale Wirtschaft investiert wird. Deswegen postuliert er, stellvertretend für die GLS: »Wir sehen also weder gesellschaftlich noch ökonomisch einen Vorteil im Negativzins.« Diese Schlussfolgerung ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Die Politik der Negativzinsen hat unserer Gesellschaft massive ökonomische Vorteile gebracht, die an dieser Stelle oft kommentiert wurden - beispielsweise die Zinsersparnis der öffentlichen Haushalte, die Zunahme der Beschäftigungsverhältnisse und die geringeren Zinseinnahmen zu Gunsten einer höheren Lohnquote, um nur einige zu nennen.  

Für die Geschäftspolitik der GLS ist aber ein anderer Umstand entscheidend: Trotz der negativen Leitzinsen ist es ihr und vielen anderen Banken nicht gelungen, das Kreditvolumen spürbar zu vergrößern. Schuld daran ist jedoch nicht das Zinsniveau, sondern die zu geringe Zinsdifferenz. Geldguthaben werden in immer größerem Umfang auf Giro- und Tagesgeldkonten geparkt, anstatt sie als Termingeld anzulegen und damit des Kreditangebot zu vergrößern.

In dem Beitrag »GLS Bank – am moralischen Anspruch scheitern?« werden jene Banken genannt, die aus der Problemlage die richtige Schlussfolgerung gezogen haben: die Girokontenbestände entsprechend ihrem Volumen mit Kosten zu belegen. Auf diese Weise werden die Halter motiviert, überschüssige Liquidität langfristig zu verleihen. Julian Mertens erwähnt diesen Zusammenhang mit keinem Wort, obwohl die GLS bereits vor Monaten darauf aufmerksam machte, dass auch ihr ein enormer Liquiditätsüberhang zu schaffen macht. Es ist dieser Liquiditätsüberhang, der die Einlagen bei der EZB aufbläht und zusätzliche Kosten von 0,4% pro Jahr verursacht - Kosten, die in die Millionen gehen.  

Julian Mertens war bis Mai 2015 Handelsblatt-Redakteur, Redakteur einer Zeitung also, die die Chancen und Möglichkeiten einer Nullzins-Politik lange ignoriert hat. Dies entschuldigt vielleicht, dass seine Beurteilung des allgemeinen Zinsniveaus eingeschränkt ist. Das den Anthroposophen nahestehende Umfeld der GLS weiß jedoch um die gesellschaftlichen Vorzüge niedriger Zinssätze. Hier gilt es außerdem zu betonen: Niedrige Zinsen müssen nicht bedeuten, dass die Zinsdifferenz niedrig ist. Die INWO fordert beispielsweise eine Zinsstruktur, in der die Zinsen für Liquidität deutlich unter 0 liegen, so dass es auch bei Kreditzinsen um 0% (für langfristige Kredite) noch eine deutliche Zinsdifferenz gibt. Allerdings reicht es dazu nicht, wenn die EZB die Einlagefazilität auf -0,4% senkt. Zielführend wäre ein Zinssatz von rund -3%, was jedoch begleitend eine Bargeldgebühr verlangt, um eine Verlagerung der jetzigen Girargeldhortung hin zur Bargeldhortung zu vermeiden.  

Diese geldpolitische Forderung kann die GLS nicht umsetzen. Was sie jedoch machen kann ist, bei den eigenen Kosten das Verursacherprinzip heranzuziehen, anstatt der großen Zahl der ganz gewöhnlichen Kunden und ideellen Förderer pauschal höhere Kosten zu berechnen. Von der GLS erwarte ich, dass man zumindest das spekulative Geldhorten als Problem benennt und das Beispiel der Raiffeisenbank Gmund als mögliche Alternative zur Kopfpauschale darstellt. Die Mitgliederversammlung kann so an einer historisch richtungsweisenden Entscheidung beteiligt werden: Kopfpauschale oder Verursacherprinzip. Eine Aufgabe, die man auch als Anerkennung für jahrzehntelange Solidarität und vorbildliches ökologisches Verhalten betrachten kann.  

Lesen Sie dazu bitte auch »GLS Bank – am moralischen Anspruch scheitern?«, »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld« und »Kapitalismus absurd«.  

Klaus Willemsen, 10.09.2016  

Verwendete Quellen: http://www.inwo.de/medienkommentare/gls-bank-am-moralischen-anspruch-scheitern/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

www.inwo.de/medienkommentare/kapitalismus-absurd-ueberschreibt-das-handelsblatt-sein-titelthema/  

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