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Konsumprämien für Hongkongs Bürger

Jeder in Hongkong gemeldete Einwohner soll eine einmalige Prämie ausgezahlt bekommen. Nicht als Ausgleich für die extreme Einkommensungleichheit, sondern um den Konsum im Land anzuheizen. Eine skurrile Maßnahme, die letztlich auf eine inkonsequente Geldpolitik zurückzuführen ist.

Der Ansatz ist nicht neu. Wenn der Produktivitätszuwachs dazu führt, dass das Warenangebot deutlich größer wird als die Konsumnachfrage, kommt es zu Stockungen im Wirtschaftskreislauf. Die Bundesregierung subventioniert dann traditionell den Kauf von Automobilen. Vor zehn Jahren hieß das Abwrackprämie, heute rechtfertigt man es gerne als Einstieg in die Mobilitätswende. Die Regierung von Hongkong geht bei der Subventionierung von Industrie und Finanzkapital lediglich neutraler vor. Sie bevorzugt weder eine Bevölkerungsgruppe noch einen Industriesektor. Dennoch geht es auch hier darum, die Umsätze und die Gewinnspannen der Wirtschaft zu gewährleisten.

DER SPIEGEL schreibt: »Hongkong ist wirtschaftlich stark gebeutelt nach den monatelangen Protesten und dem Ausbruch des Coronavirus. Um die Wirtschaft nun anzukurbeln, soll jeder ständige Bewohner Hongkongs rund 1300 Dollar (10.000 HK-Dollar) erhalten.« Zur Steigerung des Wirtschaftswachstums will die Regierung auf diese Weise ca. 10 Milliarden, und mit traditioneller Wirtschaftsförderung weitere 130 Milliarden, Dollar ausgeben. Geld, dass sie zunächst in Form von Steuern den Bürgern entzieht.

Bürgergeld oder Kapitalsubventionierung?
»Wenn ein Staat ohne weitere Voraussetzungen Geld an seine Bürger verteilt, sprechen Ökonomen auch von Helikoptergeld.« Interessant ist, dass der Autor von »finanzieller Hilfe für die Bürger« spricht, obwohl er selber ausführt, dass es sich um eine Maßnahme gegen die fehlerhafte Geldpolitik handelt. Er schreibt: »Ökonomen diskutieren solche Maßnahmen seit einiger Zeit für den Fall, dass die Zinssenkungen von Zentralbanken weltweit nicht mehr ausreichen sollten, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.« Er vergisst dabei die weiteren Zusammenhänge und das eigentliche Problem zu benennen. Das anhaltend niedrige Zinsniveau (verursacht durch das gewaltige Überangebot an Finanzkapital, oder durch die Zinsentscheidungen der Notenbanken) führt am Kapitalmarkt seit Jahren dazu, dass die Zinsdifferenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Anlagen verschwindend gering geworden ist. Es existiert kein ausreichender Anreiz mehr, Geldvermögen langfristig auszuleihen. Immer größere Geldvermögen werden in liquiden Geldaggregaten gehortet. Die mittlerweile mehrere Billionen Dollar ausmachenden Horte verringern gleichermaßen die Kaufkraft und die Investitionssumme.

Eine Nutzungsgebühr auf liquide Geldmittel (Bargeld und Giralgeld) würde diese Horte abbauen, Geld in den Nachfragekreislauf lenken und langfristige Ausleihungen bzw. Investitionen noch günstiger machen. Sinkende Kapitalkosten würden sich preissenkend auf die Lebenshaltungskosten und positiv auf die Lohnquote auswirken. Die Folgen des Überangebotes (eine erfreuliche Entwicklung, da es seit Jahrzehnten keine flächendeckende Zerstörung der Produktionsmittel durch eine Wirtschaftskrise oder einen Krieg gab) könnte durch die Verkürzung der Lebensarbeitszeit aller Beschäftigten korrigiert werden. Die Vermeidung von Massenarbeitslosigkeit und Armut kann durch Arbeitszeitverkürzung und sinkende Kapitalbelastung erreicht werden. Mit Blick auf die weltweite Überproduktion und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, wäre dies eine lohnende Alternative zum Helikoptergeld bzw. zu steigenden Zins- und Inflationsraten.

Lesen Sie hierzu auch: »US-Ökonom Kenneth Rogoff: Plädoyer für Minuszinsen«, »Effektivere Negativzinsen werden dringend benötigt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.


Klaus Willemsen, 27.02.2020


Verwendete Quellen:

www.spiegel.de/wirtschaft/helikoptergeld-hongkong-gibt-jedem-buerger-1300-dollar-a-4629799e-4e94-41c2-a764-a30f1b38f454

www.inwo.de/medienkommentare/us-oekonom-kenneth-rogoff-plaedoyer-fuer-minuszinsen/

www.inwo.de/medienkommentare/effektivere-negativzinsen-werden-dringend-benoetigt/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/