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Jens Weidmann hält Diskussion um Überwindung der Nullzinsgrenze für „fehlgeleitet“

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Dr. Jens Weidmann, hat sich in der Eröffnungsrede zum diesjährigen Zahlungsverkehrssymposium ablehnend zur Abschaffung des Bargelds geäußert. Dabei erteilte er auch den generellen Überlegungen zur Durchbrechung der Nullzins-Schranke eine Abfuhr. Als Wachstums-Dinosaurier predigt er immer noch: „Viel zielführender ist es, wenn die Regierungen der Mitgliedstaaten das Wachstum im Euro-Raum fördern“.

Damit gehört Weidmann einer Art an, die langsam aber sicher aussterben wird. Noch hört man die Ökonomen, Politiker und Unternehmer nach Wirtschaftswachstum rufen – doch der gesunde Menschenverstand sagt uns schon lange, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Und auch die Realität belehrt uns schon länger eines Besseren.

Laut Weidmann „geht die Diskussion um Minuszinsen und die Existenzberechtigung des Bargelds … am eigentlichen Problem vorbei.“ Die ausgesprochen niedrigen Leit- und Kapitalmarktzinsen seien eine Reaktion auf die ökonomischen Rahmenbedingungen verhaltener Wachstumsaussichten und eines auf absehbare Zeit gedämpften Inflationsdrucks. „Die maßgebliche Ursache liegt dabei in einer Wachstumsschwäche.“

Dabei gesteht selbst Weidmann ein, dass der „allgemeine Wachstumstrend in entwickelten Volkswirtschaften stetig nach unten weist“. Die sich ändernde Altersstruktur verstärke dies noch. Auch eine Qualitätsverschlechterung bei der Schul- und Berufsbildung, steigende Ungleichheiten in der Einkommensverteilung, wachsende Staatsschulden und hohe private Verschuldung wirkten dämpfend. Diese „allesamt wachstumsbelastenden Faktoren“, die auch Weidmann sieht, bringen ihn jedoch nicht auf die Idee, das Wachstum an sich infrage zu stellen.

Seine bekannte Kritik an der expansiven Geldpolitik mit fragwürdigen Mitteln ist ja durchaus berechtigt, wirkt aber unglaubwürdig, denn Weidmann müsste dann auch verstehen und kritisieren, welche großenteils geldpolitisch zu verantwortende Dynamik der Vergangenheit zur jetzigen Situation geführt hat. Durch überhöhte Guthabenzinsen wurden Vermögen akkumuliert und in rententragende Assets investiert, während Staaten und Bürger immer weiter in die Verschuldung getrieben wurden. Auch das war expansiv!

Hätte man die Nullzinsgrenze früher durchbrochen, wäre uns diese unsägliche Entwicklung erspart geblieben, die große Teile der Welt und (nun immer sichtbarer) auch Europa ins Chaos gestürzt hat. Dabei würde eine Abschaffung des Bargelds die notwendige Fortsetzung der Negativzins-Politik natürlich vereinfachen, sie ist aber nicht zwingend erforderlich. Die großen Scheine kann man getrost abschaffen, für die kleineren wird man eine technische Lösung finden.

BB, 30. Juni 2015

Verwendete Quelle:

http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2015/2015_06_15_weidmann.html#doc339878bodyText3

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