• DE

Jahresrückblick 2020

Der Rückblick in den Medienspiegel der INWO 2020 beginnt mit einem freundlichen Blick auf die ökonomische Situation des Jahres 2019: »Nie zuvor haben die Deutschen so viel konsumiert wie derzeit. Nie zuvor wurden so viele Steuergelder in Infrastruktur investiert und nie zuvor hatten so viele Menschen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze«, der jedoch durch die ernüchternde Diagnose einer ökonomischen Perspektivlosigkeit der politischen Elite eingetrübt wird.

Nahezu Vollbeschäftigung, »und dennoch trauen sich selbst grüne Ökonomen nicht, Alternativen zum permanenten Wirtschaftswachstum aufzuzeigen.« Bedauerlicherweise wird die gute wirtschaftliche Lage nicht genutzt, um einen Weg aus der Wachstumslogik heraus einzuschlagen. Kapital-Lobbyisten haben selbst die Grüne Partei gekarpert. Man fordert höhere staatliche Investitionen durch zusätzliche Schulden und verhindert so ein weiteres Absinken der Kapitalmarktzinsen. Stärkung der Konjunktur durch permanentes Wirtschaftswachstum? Diese Dino-Ideologie stellt der INWO-Kommentar unmissverständlich als Sackgasse dar.

»Der Bundeshaushalt weist zum wiederholten Male einen Rekord-Überschuss aus.« Eine überaus erfreuliche Entwicklung für alle Steuerzahler und alle Bürger, die auf einen handlungsfähigen Staat angewiesen sind. Die kleine Sensation an der Schlagzeile ist die ehrliche Einschätzung des Finanzministeriums. Nach jahrzehntelangem Leugnen der Bedeutung der Zinssätze für die Haushaltslage heißt es: »Als Grund dafür benennt das Bundesfinanzministerium vor allem das gesunkene Zinsniveau.« Rekordüberschuss durch gesunkenes Zinsniveau

Bedauerlich in diesem Zusammenhang, dass der Bundesfinanzminister im selben Monat die Vorteile der Minuszins-Politik durch nebulöse Verdrehungen der Realität verleugnet. »Finanzminister Olaf Scholz mahnt die Geschäftsbanken, Minuszinsen nicht an die Sparer weiterzureichen. Man müsse dafür sorgen, dass Sparerinnen und Sparer fair behandelt werden. Doch dies ist nicht im Interesse der typischen SPD-Wählerschaft. Genau genommen ist es zum Schaden der arbeitenden Bevölkerung.« Kopfschüttelnd fragt man sich, wann Sozialdemokraten endlich bereit sind, ihre Klientel über die Belastung durch das zinstragende Kapital ehrlich aufzuklären. Propaganda statt sozialdemokratische Politik

Gleiches gilt für die Rechtfertigung der privaten Bodenrente. Die SPD hinterfragt nicht, wie man den Boden entkapitalisieren könnte. Sie greift jene an, die die unangemessene Kapitalisierung des Bodens infrage stellen. »Genüsslich zitiert die FAZ führende SPD-Genossen bei ihrem Engagement, die Bodenrenten der Immobilienvermarkter zu rechtfertigen. Peinlich viele Genossen beteiligen sich an einem Shitstorm gegen Handelsunternehmen, die während der Laden-Schließungszeiten Mietzahlungen auf bessere Zeiten verschieben.« Hand in Hand: SPD mit Haus & Grund

Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL bleibt seiner Propagandalinie treu und behauptet auch 2020 unermüdlich, dass die aktuelle Zinspolitik deutschen Sparern ein Leid zufüge. Umso erstaunlicher, dass der namhafte US-Ökonom Kenneth Rogoff mit den Worten zitiert werden darf: »In einer Welt der niedrigen Inflationsraten und Realzinsen müssten die Zentralbanken aber einen Weg finden, ihren Leitzins noch weiter in den negativen Bereich zu senken«. Und weiter heißt es dort: »Es ist die einzige zukunftsträchtige Methode, um die Geldpolitik in diesen Zeiten wirksam zu halten.«  Mit Blick auf eine kommende Wirtschaftskrise äußert er die Hoffnung, dass die Politik in der Lage sein wird, der Rezession mit Minuszinsen zu begegnen. US-Ökonom Kenneth Rogoff: Plädoyer für Minuszinsen

Leider bleiben solche ehrlichen Beiträge eher eine Seltenheit. In der gesamten Medienlandschaft wird die Propaganda gegen Minuszins massiv intensiviert. »Die europäische Zentralbank habe unter der Führung von Mario Draghi deutsche Sparer enteignet, schreiben „Bild“ und andere Zeitungen mit Verweis auf Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Auch die Westdeutsche Zeitung ist sich nicht zu schade, diese Propagandalüge auf die Titelseite zu nehmen.«

Im Februar wird die Entwicklung der Bodenpreise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgegriffen: »Es ist noch viel schlimmer, als selbst kritische Geister annehmen. Mit unglaublichen Fakten schildert „Die Story im Ersten“ die Entwicklung der Bodenpreise, beim Bauland in den Metropolen, aber auch die Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen. In „Goldgrube Bauland“ lässt Claus Hanischdörfer keinen Zweifel daran, dass der Grundbesitz auch in Deutschland der entscheidende Faktor ist, um Reiche reicher zu machen, ohne dass sie dafür eine gesellschaftlich relevante Leistung erbringen müssen.« Die Bodenpreise explodieren und spalten die Gesellschaft

Begleitend fragt WZ-Redakteur Peter Littek in der Westdeutschen Zeitung: In was für einer Stadt leben wir eigentlich? »Die Entwicklung der Mietpreise lässt für ihn nur einen Schluss zu: »Bauen muss einfach billiger werden«. Doch sein Lösungsvorschlag greift zu kurz und ignoriert die Ursache der Problematik.« In was für einer Welt leben wir eigentlich, lieber Peter Littek, wenn selbst ein WZ-Redakteur es nicht für notwendig hält, zu schreiben wie hoch die Bodenrente ist und wem sie zufließt?

Friedrich Merz will nicht CDU-Chef werden »...er will ins Bundeskanzleramt. Und dabei geht es nicht nur um konservative Werte. Es geht darum, die Macht des Kapitals zu festigen. Friedrich Merz und seine Unterstützer geben gerne vor, Leistung „wieder“ belohnen zu wollen und die Tüchtigen von unangemessenen Steuerlasten befreien zu müssen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass mit ihm der Zug in die entgegengesetzte Richtung fahren wird.«

In Asien diskutiert man bereits im Februar, was zu tun ist, wenn die Konsumnachfrage nachlässt. »Jeder in Hongkong gemeldete Einwohner soll eine einmalige Prämie ausgezahlt bekommen. Nicht als Ausgleich für die extreme Einkommensungleichheit, sondern um den Konsum im Land anzuheizen. Eine skurrile Maßnahme, die letztlich auf eine inkonsequente Geldpolitik zurückzuführen ist.« Unser Beitrag Konsumprämien für Hongkongs Bürger erläutert, dass diese originelle Maßnahme leider die Ursachen der Nachfragekrise ignoriert und deshalb zu kurz greift.

Unmittelbar mit Beginn des harten Lockdown hat die INWO in einem frei erfundenen Beitrag deutlich gemacht, wie man der Vernichtung von privaten und geschäftlichen Existenzen vorbeugen kann: »Um ökonomische Belastungen durch die Corona-Pandemie zu verringern, können Mieter und Pächter bis auf Weiteres Zahlungen an Grund- und Immobilieneigentümer einstellen. In einer nächtlichen Krisensitzung haben sich Bundeskanzlerin Merkel und Bauminister Seehofer mit Vertretern der Immobilienkonzerne und Grundeigentümer auf diese Sofortmaßnahme verständigt.« Tatsächlich einigte sich die Bundesregierung später darauf, dass Miet- und Pachtrückstände aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2020 den Vermieter nicht zur Kündigung berechtigen - allerdings nur für die Dauer von 24 Monaten, die Zahlungsrückstände müssen bis zum 30. Juni 2022 beglichen werden, sonst kann gekündigt werden. Auch ist die Regelung zum 1. Juli 2020 ausgelaufen, das heißt, Mietrückstände nach dem 30. Juni sind wieder ein Kündigungsgrund. Bis heute hat sich die Bundesregierung nicht getraut, die Grundeigentümer an den Kosten der Krise angemessen zu beteiligen. Miet- und Pachtzahlungen in Deutschland bis auf weiteres eingestellt

»Kapitalismus kaputt? Löst die gegenwärtige Pandemie den nächsten globalen Krisenschub aus?«, fragt Alwine Schreiber-Martens im März. »Aber was sind die Ursachen? Ist das Virus wirklich dafür verantwortlich? Es ist nur der Anlass, ähnlich dem Funken, der ins Pulverfass fällt.« Im Gegensatz zu den meisten Wirtschafts-Autoren bietet sie den Lesern jedoch eine Idee an: Wir brauchen jetzt eine Bargeldgebühr – die Gesell-Eisler-Solution

In Grünen-Kreisen bleibt es auch in der Corona-Krise tabu, eine Abkehr vom Wirtschaftswachstumspfad zu fordern. Der Philosoph Richard David Precht geht im Interview der Frankfurter Rundschau mit der Partei hart ins Gericht. Die Grünen wollen »heute ihre Verantwortung entsorgen, jetzt ganz konkret für einen großen Umbau zu mehr Nachhaltigkeit einzustehen«. Dabei ist die Gesellschaft schon einige Schritte weiter, glaubt Precht: »Psychologisch, nicht ökonomisch, ist zumindest ein Gefühl dafür entstanden, dass unser Leben, wie wir es vor der Krise geführt haben, nicht alternativlos ist. Welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen man nun treffen muss, ist noch eine ganz andere Frage. Ich glaube nur, dass die Bereitschaft der Menschen gewachsen ist, den Weg der Veränderung mitzugehen.«  Rückkehr in die Normalität? 

Auf dem Höhepunkt des ersten Lockdown sichert sich das internationale Finanzkapital mithilfe aller etablierter Parteien Renditen, die der Finanzmarkt ohne staatliche Unterstützung längst nicht mehr hergibt. »...oder darf´s noch etwas mehr sein?, möchte man fragen. Deutsche und europäische Politiker überschlagen sich mit Forderungen nach neuen staatlichen Schulden als Ausweg aus der Wirtschaftskrise. Das Finanzkapital wird bedient und in keinster Weise an den Lasten der Krise beteiligt. Der Staat soll Schulden machen, um in die Infrastruktur zu investieren, und er soll sich verschulden, um Unternehmen günstige Kredite vermitteln zu können.«  Eine Billion zusätzliche Schulden, oder 2 Billion …

Die Beteiligung des Finanzkapitals an den Krisenkosten würde alle europäischen Steuerzahler massiv entlasten und den europäischen Gedanken bei Europas Bürgern deutlich stärken. Doch die verantwortlichen Politiker schweigen diesbezüglich und machen, was die Finanzlobby von ihnen erwartet. »Der Weg aus der Krise führt über ein gigantisches Investitionsprogramm. Die dafür notwendigen mehreren Billionen Euro liegen als täglich fällige Sichteinlagen auf den europäischen Bankkonten bereit. Dieses gehortete Geld zu aktivieren ist auf verschiedene Weise möglich. Traditionell nehmen die öffentlichen Haushalte zusätzliche Schulden auf und bieten den Geldbesitzern attraktive Zinssätze, damit diese ihre Liquidität aufgeben.
Die moderne Variante bestünde jedoch darin, den Geldbesitzern Kosten in Form einer Geldgebühr für ihre Geldzurückhaltung aufzuerlegen.« Staatliche Konjunkturprogramme sind der riskante Weg aus der Krise; Negativzinsen sind der elegantere Weg und sichern allen die notwendige Entlastung

Bei der Europäischen Zentralbank und beim Internationalen Währungsfonds ist man bezüglich der Geldpolitik deutlich weiter. Die Corona-Pandemie stürzt die Europäische Union in die schwerste Rezession ihrer Geschichte. »Bei der Europäischen Zentralbank wurde diese Gefahr bereits vor Jahren erkannt. In einem Artikel an zentraler Stelle schrieben Katrin Assenmacher-Wesche (ECB, Head of Devision Monetary Policy Strategy) und Signe Krogstrup bereits 2018: »Der geldpolitische Spielraum ist in vielen Ländern nach wie vor durch die (Zins-)Untergrenze (Lower-Zero-Bound) begrenzt, was die politischen Optionen zur Bewältigung künftiger deflationärer Schocks einschränkt. Die Existenz von Bargeld hindert die Zentralbanken daran, die Zinssätze weit unter Null zu senken.« Aus diesem Grund untersuchten sie, was zu tun ist, um eine negative Rendite auf Bargeld zu erzielen, um so die Untergrenze für eine Zinssenkung aufzuheben.«

»Während zahllose Unternehmen durch Zins- und Ratenzahlungen in die Insolvenz geraten, kritisiert der Chef der Stadtsparkasse München, Ralf Fleischer, die Zinspolitik der Notenbank und dass zu viel Geld auf Girokonten liegt.« In der Süddeutschen Zeitung wird er mit den Worten zitiert: »Negativzinsen passen nicht mehr in diese Zeit« Dabei machen seine Ausführungen vor allem eins sehr deutlich: Die Wirtschaft braucht jetzt Negativzinsen

In der Europäischen Zentralbank - und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung - werden derweil die Chancen der Negativzinsen offen diskutiert »Die EZB-Ökonomen Miguel Boucinha und Lorenzo Burlon kommen (...) zu dem Ergebnis, die Negativzinspolitik habe zu einer verstärkten Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt«, heißt es in der FAZ. Ausdrücklich verweist der Autor Christian Siedenbiedel auf das Problem der Geldhortung, das Silvio Gesell bereits vor über 100 Jahren beschrieb: »Unter anderem wird die Möglichkeit angesprochen, dass die Menschen als Reaktion verstärkt Bargeld horten könnten, statt ihr Portfolio zugunsten von längerfristigeren und riskanteren Wertanlagen umzuschichten. Im Augenblick aber gebe es keine starken Anzeichen für so ein Leckwerden („leakage“) des Bankensystems, schreiben die Autoren.«  Ein Hoch der Negativzinspolitik in der FAZ

Im Mai machen Max Uthoff und Claus von Wagner in ihrem Beitrag »Krankenhaussystem à la Bertelsmann« in »Die Anstalt« im ZDF deutlich, dass die Diskussion über Kapitalrenditen und Zinshöhen ganz massive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Bürger hat. »Seit Jahrzehnten wachsen die Geldvermögen weltweit deutlich schneller als die Sachvermögen. Unfassbare Summen drängen die Politik dazu, immer neue Investitions- und Gewinnmöglichkeiten zu schaffen.« Ein herrliches Beispiel dafür, wie immer neue Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge den Bedürfnissen der Kapitalanleger geopfert werden: Krankenhäuser als Profitzentren

Im Mai durchbricht Harvard-Professor Kenneth Rogoff ein weltweites Denkverbot unter Ökonomen mit seiner These: »Wer Negativzinsen bisher als einen zu weit gehenden Schritt der Notenbanken ansah, sollte sich das jetzt vielleicht nochmal überdenken.«  »Während sich Politiker aller Lager darin gefallen, höhere Staatsverschuldung und damit sichere Prämien fürs Kapital zu propagieren, zeigt der Harvard-Professor für Volkswirtschaftslehre Kenneth Rogoff, dass dieser Weg durchaus nicht alternativlos ist. Der ehemaliger IWF-Chefvolkswirt fordert stark negative Zinsen als Weg aus der Krise.« Gewürdigt haben wir das in: Baerbock, Scholz und Merkel: Rettet die Geldrendite!  

Wo sind die Grünen, wenn man sie mal braucht? »fragt Bernd Ulrich auf ZEIT-online. Produktion, Konsumtion und die damit verbundene Umweltzerstörung haben rapide abgenommen. Als hätte im letzten Moment eine spirituelle Macht den Hebel auf »überleben« umgelegt. Die Menschheit sagt für ein paar Monate: Wir können auch anders. ›Nicht zuletzt könnte nun sogar das ganze Wachstums- und Konsummodell in die Krise kommen, jedenfalls in seiner bisherigen Form.‹« Muss sich der Autor auch die Frage stellen: Warum treiben die Grünen die Regierung nicht vor sich her?

Eine unheilige Allianz aus Verbraucherschützern, FDP-Abgeordneten, Sparkassenvorständen und Finanzlobbyisten versucht derweil unermüdlich, Durchhaltekosten auf Spekulationskonten gerichtlich zu verbieten. Erfolglos: »Strafzinsen für alle« - Verbot ist wohl vom Tisch titelte FONDS-online. »Es ist eigentlich nicht zu glauben. Da versuchen Geldspekulanten, die Rendite ihrer Spekulationskasse gesetzlich absichern zu lassen. Renditen wohlgemerkt, die der Markt schon lange nicht mehr hergibt. Der Markt verlangt Durchhaltekosten auf Spekulationskassen, um eine angemessene Zinsdifferenz zu langfristigen Einlagen herzustellen. Um politisch Stimmung gegen derartige Durchhaltekosten zu schüren, bedient man sich der FDP-Bundestagsfraktion.«

Im Juli titelt das britische Magazin The Economist - »Free money« (Freigeld) »Die aktuelle Ausgabe des Economist befasst sich im Briefing »A new era of economics« mit den Herausforderungen, vor die die Corona-Pandemie die Ökonomen stellt. Die Makroökonomie ist in Bewegung. Könnte sich am Ende die Negativzinspolitik als am wirkungsvollsten erweisen, um die Krisen zu überwinden?« »Die Pandemie habe ein Umdenken in der Makroökonomie beschleunigt.« Die INWO würdigt diesen Meilenstein in der Geschichte der Volkswirtschaftslehre hier.

Die globalisierungskritische Bewegung attac Deutschland verteidigt dagegen das Privileg positiver Kapitaleinkommen: »Unter der Schlagzeile »Kritik am Finanzsystem« rechtfertigt attac-Finanzfachmann Alfred Eibl das kapitalistische Prinzip der leistungslosen Geldvermehrung: Wer Geld im Überfluss besitzt, soll dafür auch Zinsen bekommen. Wie dies möglich ist in einer Volkswirtschaft, deren Leistung aktuell um 13 % zurückgegangen ist, verrät er nicht. Corona-Rezession bei gleichzeitiger weiterer Vermehrung von Geldvermögen und Schulden - ist das die Agenda des globalisierungskritischen Netzwerks?« Die Fairconomy-Referentinnen Beate Bockting und Alwine Schreiber-Martens widersprechen Eibls Argumentation vehement. attac-Kritik am Finanzsystem als Rechtfertigung leistungsloser Kapitaleinkommen

Auf EU-Ebene hat sich die Bodenlobby erneut rücksichtslos durchsetzen können. »Fast 40 Prozent des gesamten EU-Budgets werden erneut zur Subventionierung des Bodenkapitals eingesetzt. Sogar DER SPIEGEL leistet sich einen deutlich kritischen Beitrag: »387 Milliarden Euro an Subventionen sollen in den kommenden sieben Jahren in die Landwirtschaft fließen«, rein für den Bodenbesitz, ohne nennenswerte ökologische Auflagen. »Das ist Vetternwirtschaft, und die Abkassierer sorgen dafür, dass die Wünsche der Bürger in Europa ignoriert werden«, schreibt Markus Becker in seinem Leitartikel.« Das Bauernopfer 

Linker Plan gegen Bodenspekulation? »… oder Placebo-Gesetze gegen die Vermögenskonzentration. Glaubt man dem SPIEGEL, plant die Linkspartei wirksame Maßnahmen gegen die zunehmende Konzentration des landwirtschaftlichen Bodens. Allerdings kommt sofort der Verdacht auf, dass man eigentlich lediglich Symbolpolitik betreiben will, die den Junkern nicht ernsthaft ihre Erträge schmälern soll.«

Die absoluten Gewinner des Corona-Krisenjahres 2020 sind die Grundeigentümer weltweit. Während die Leistung ganzer Volkswirtschaften massiv eingebrochen ist, haben sich die Bodenwerte und die Gewinne der weltweit Boden aufkaufenden Fonds nochmal deutlich erhöht. Doch weit und breit ist keine politische Kraft oder gesellschaftliche Bewegung zu erkennen, die ernsthaft die Abschöpfung der Bodenrenten und die Heranziehung zur Finanzierung der Krisenkosten fordert. Es ist der Bodenlobby tatsächlich gelungen, sämtliche maßgeblichen Medien, namhafte Wissenschaftler und das Gros der weltweiten Zivilgesellschaft durch eine Mauer des Schweigens von einer notwendigen, kritischen Debatte abzuhalten. »Unzählige Menschen, als Gewerbetreibende, als Unternehmer oder als Privatpersonen sind in ihrer Existenz bedroht. In nahezu allen Fällen sind Miet- oder Pachtforderungen maßgeblich verantwortlich. Dennoch findet sich kaum eine Stellungnahme, die die üppig fließenden Einnahmen der Grundbesitzer infrage stellt.«

Dabei ist die Privatisierung der Bodenrenten als unerschöpfliche Quelle privaten Reichtums durchaus nicht alternativlos. Einen Hinweis gibt Professor Löhr aktuell im Handelsblatt: „Die Abschöpfung der Erträge aus Lagevorteilen kann ausreichen, die gesamten fixen Kosten der Kommunen zu finanzieren.“ Wir sollten leistungslose Einkommen statt Leistung besteuern, lautet seine frohe Botschaft.

 

Klaus Willemsen, 31.12.2020

https://www.inwo.de/medienkommentare/staerkung-der-konjunktur-durch-permanentes-wirtschaftswachstum/

https://www.inwo.de/medienkommentare/rekordueberschuss-durch-gesunkenes-zinsniveau/

https://www.inwo.de/medienkommentare/hand-in-hand-spd-und-haus-grund/

www.spiegel.de/wirtschaft/service/kenneth-rogoff-rechnet-mit-staerkerem-minuszins-a-b5cf877f-c5fc-437b-a8f4-714dee554b8a

https://www.inwo.de/medienkommentare/us-oekonom-kenneth-rogoff-plaedoyer-fuer-minuszinsen/

https://www.inwo.de/medienkommentare/propaganda-gegen-minuszins-wird-ausgeweitet/

...

https://www.imf.org/en/Publications/WP/Issues/2018/08/27/Monetary-Policy-with-Negative-Interest-Rates-Decoupling-Cash-from-Electronic-Money-46076

...

https://www.inwo.de/medienkommentare/ein-hoch-der-negativzinspolitik-in-der-faz/

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ezb-lob-der-negativzinsen-16768205.html?fbclid=IwAR3oJoHgdm6BTA576rMZP_OjxjWYrlysyTMUL1uLcxoLYL84pkgLKO19kH8

https://www.inwo.de/medienkommentare/krankenhaeuser-als-profitzentren/

www.project-syndicate.org/commentary/advanced-economies-need-deeply-negative-interest-rates-by-kenneth-rogoff-2020-05/german

www.inwo.de/medienkommentare/baerbock-scholz-und-merkel-rettet-die-geldrendite/

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/corona-krise-die-gruenen-systemkrise

https://www.project-syndicate.org/commentary/advanced-economies-need-deeply-negative-interest-rates-by-kenneth-rogoff-2020-05/german?barrier=accesspaylog

www.inwo.de/medienkommentare/wo-sind-die-gruenen-wenn-man-sie-mal-braucht/

www.inwo.de/medienkommentare/strafzins-fuer-alle-verbot-ist-wohl-vom-tisch/

https://www.inwo.de/medienkommentare/the-economist-titelt-free-money-freigeld/

www.economist.com/briefing/2020/07/25/the-covid-19-pandemic-is-forcing-a-rethink-in-macroeconomics

magazin.spiegel.de/SP/2020/44/173654736/index.html

www.inwo.de/medienkommentare/das-bauernopfer/

www.inwo.de/medienkommentare/linker-plan-gegen-bodenspekulation/

https://www.inwo.de/medienkommentare/mauer-des-schweigens/

https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/homo_oeconomicus/gastkommentar-homo-oeconomicus-wir-sollten-leistungslose-einkommen-statt-leistung-besteuern/26719646.html?ticket=ST-20304409-2aPUnCBvJkAZXjM2c5DW-ap3