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Greta Thunberg sollte nicht den Flieger nehmen, Herr Döschner!

Mit gutem Beispiel vorangehen, damit wird man die Zerstörung der Welt nicht bremsen. Selbst die Klima schonenden Verhaltensänderungen Millionen junger Menschen werden keine spürbaren Effekte für das Weltklima erzeugen. Und dennoch sind diese Aktionen absolut notwendig.

Jürgen Döschner aus der WDR Wirtschaftsredaktion empfiehlt Greta Thunberg »beim nächsten Mal den Flieger zunehmen«. Mit Symbolpolitik ließe sich die Zerstörungsdynamik unseres Wirtschaftssystems nicht aufhalten. Mit dieser Einschätzung liegt der geschätzte Kollege zugleich vollkommen richtig und doch vollkommen falsch. Und dass dies so ist, daran ist Herr Döschner nicht ganz unbeteiligt.

Das Klima der Erde, wie wir es seit Jahrhunderten kennen und (meist) zu schätzen wissen, verändert sich in nie da gewesenem Tempo. Mit Wachstumsrate von 3%, 7% und mitunter über 10% betreibt der Mensch die Ausplünderung der natürlichen Ressourcen. Über Jahrmillionen entstandene CO2-Speicher werden mit der explosiven Dynamik einer logarithmischen Wachstumsfunktion ausgeplündert und verbrannt. Die Geldvermögen der Welt, und ihnen immer mühsamer hinterherhächelnd, die volkswirtschaftlichen Leistungen, wachsen mit Verdopplungsraten von 20 bis 35 Jahren. Doch weit und breit findet sich kaum ein namhafter Ökonom, der die Ursachen für diesen Wachstumsgalopp klar benennt oder gar den Ausweg aus der Wachstumsfalle aufzeigt.

Was wird aus den Konzernen, wenn wir statt jährlich mehr, zukünftig immer weniger Autos, Flugzeuge, Rüstungsgüter, Schiffe, LKWs, Medikamente und Pestizide nutzen? Weniger Konsum führt nach der Logik der herrschenden Ökonomie nicht zu mehr Entspannung, Freizeit und Lebensfreude. Ein Rückgang des Wirtschaftswachstums befreit die Menschen nicht von Zeitverschwendung und Arbeitsbelastung. Ein Rückgang des Wirtschaftsvolumens bringt zunächst einmal ökonomische Gefahren mit sich. Weniger Steuereinnahmen, weniger Arbeitsplätze, weniger Wohlstand für viele – so die gängige Theorie. Dass sich diese Theorie auch in der Praxis bewahrheitet liegt allerdings nicht daran, dass die Menschen ein grenzenloses, gieriges Bedürfnis nach Konsum haben. Es liegt mitunter auch daran, dass sich Ökonomen schlichtweg weigern notwendige Rahmenbedingungen für eine wachstumsneutrale Volkswirtschaft zu benennen.

Auch die WDR-Wirtschaftredaktion beklagt in einem Atemzug die katastrophalen Auswirkungen von immer mehr Autos, Flugzeugen, Chemie und Tourismus. Beschreibt im nächsten Beitrag, dass Deutschland über 10 Jahre hinweg die Wirtschaftsleistung mit enormen Wachstumsraten fast verdoppeln konnte. Und mahnt im dritten Beitrag, welch schlimme Konsequenzen es mit sich bringt, wenn die Auftragsbücher im Maschinenbau zukünftig nicht mehr ganz so voll sind wie derzeit.

Leider darf auch der Investigationsjournalismus im WDR nicht auf die Idiotie dieser Wachstumslogik hinweisen. Und leider sind auch Beiträge über Ursachen und Auswege aus der exponentiellen Wachstumslogik unseres Wirtschaftssystems im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ebenso tabu, wie in den privaten Mainstreammedien. Selbst im recht freien Westdeutschen Rundfunk darf man nicht erwähnen, dass Minuszinsen der Anfang vom Ende des Wachstumszwangs sind. Nur ganz zaghaft kann man berichten, welche Vorteile sich durch negative Zinssätze und negative Wachstumsraten für Ökonomie und Gesellschaft ergeben können. Ökonomen, die Negativzinsen als Vorteil beschreiben und negative Wachstumsraten als Chance für unsere Gesellschaft begreifen, laufen noch heute Gefahr auf den Scheiterhaufen zu landen.

Dabei weiß jeder, der es wissen möchte: wenn wir auch weiterhin die volkswirtschaftliche Leistung der Menschen alle 30 Jahre verdoppeln, wird die Erde nicht die bleiben, die wir kennen und die die meisten von uns lieben. Leider sind es in erster Linie die Kinder und die Narren die es sich leisten, diese simple Wahrheit auszusprechen. Sie haben noch nicht gelernt, auf Privilegien und Machtstrukturen Rücksicht zu nehmen. Sie mussten ihre Gedanken noch nicht in die herrschenden Muster integrieren. Die wenigen Ökonomen, die sich der Schere im Kopf beharrlich verweigern, sind heute die Hofnarren ihrer Zunft.

Und genau deshalb braucht es Greta Thunberg, ihr Vorbild und Millionen Kinder, die ihren Eltern sagen: akzeptiert endlich die Folgen eures Handelns. Sagt und tut endlich das Nötige, um eine wirklich nachhaltige Kreislaufwirtschaft, jenseits von Wachstum und Verelendung zu ermöglichen. Und lasst euch von Interessen abhängigen Fachleuten nicht den gesunden Menschenverstand wegreden.

Lesen Sie dazu auch: »Hohe Risiken in der weltwirtschaftlichen Entwicklung?«, »Klimaaktivistin Greta Thunberg« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 20.8.2019

Verwendete Quellen:

https://www.inwo.de/medienkommentare/hohe-risiken-in-der-weltwirtschaftlichen-entwicklung/ www.inwo.de/medienkommentare/klimaaktivistin-greta-thunberg/ www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

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