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GLS Bank – am moralischen Anspruch scheitern?

Das Nullzinsniveau ist für die ganze Gesellschaft, aber insbesondere für die GLS Bank, eine ganz besondere Herausforderung, erläutert Vorstandssprecher Thomas Jorberg den GLS-Mitgliedern. Ganzheitlich betrachtet könnte man die Situation der Bank mit den Worten zusammenfassen: Operation gelungen, Patient tot. Vorstandssprecher Thomas Jorberg scheitert daran, seinen Einlegern die Problematik der enorm angestiegenen Liquidität zu vermitteln. Die Bank braucht dringend zusätzliche Einnahmen, um die durch diesen Liquiditätsberg entstehenden Kosten stemmen zu können. Dabei plant sie jedoch einen kolossalen Fehler.

Kredite vermitteln zu besonders günstigen Bedingungen für soziale und ökologische Investments, die die ansonsten übliche Rendite nicht erwirtschaften, das ist der Markenkern der GLS Genossenschaftsbank. Die Einleger haben auf maximale Zinserträge verzichtet und dadurch viel Gutes ermöglicht. Doch gerade jetzt, da sich das allgemeine Zinsumfeld dem anthroposophischen Idealzustand annähert, sollen die Mitglieder und Kunden mit einem neuen Zusatzbeitrag in die Pflicht genommen werden. Das ist nur mit Wortakrobatik zu begründen und ökonomisch falsch.

In der Zwickmühle

Die GLS Bank finanziert sich, wie jede ordentliche, solide Bank, vor allem aus der Differenz zwischen Kreditzinsen (Einnahmen) und Einlagenzinsen (Kosten). Diese Zinsmarge ist laut Auskunft der Bank in den letzten Jahren von 2,3 % auf 1,7 % gesunken und wird vermutlich noch weiter absinken. Diese noch immer verhältnismäßig hohe Marge verdankt die Bank den ethischen Ansprüchen ihrer Einleger und dem daraus resultierenden Zinsverzicht. Sie ist alles andere als selbstverständlich und sollte nicht überstrapaziert werden. Dazu ein Kunde: »Außerdem muss ich schon sagen: Eine Bank, die mit 1% Zinsmarge nicht wirtschaften kann, hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die Deutsche Bank ist wegen mangelnder Kosteneffizienz zu Recht in der Kritik, kann aber auch bei 1% Zinsmarge noch Gewinne erwirtschaften, die GLS Bank verbrennt für Ihre internen Kosten (und ein ebenfalls viel zu hohes Gehalt für Herrn Jorberg und Co.) m.E. definitiv zuviel Geld. Eigentlich gehört sie doch zur Genossenschaftsgruppe und gerade die arbeiten doch ansonsten recht effizient. Warum nicht die GLS Bank? Die kann sich doch auch an der im großen und ganzen recht guten Genossenschaftbanken-Infrastruktur beteiligen.«  

Das entscheidende Problem der GLS Bank ist sicherlich weniger das Gehalt von Herrn Jorberg als vielmehr das vergleichsweise geringe Kreditvolumen von 2,2 Milliarden Euro sowie die allgemein viel zu flache Zinsstruktur. Für die Einleger macht es keinen Unterschied mehr, ob sie Geld für ein, drei oder fünf Jahre anlegen oder aber es liquide halten. Für eine solide Bank dagegen ist dieser Unterschied existenziell.  

Lenken statt betteln

Die GLS Bank hat es geschafft, ihren Einlegern zu vermitteln, dass es unethisch und ökologisch schädlich ist, hohe Zinsen zu nehmen. Sie hat aber versäumt zu erläutern, dass es ebenso bedenklich ist, sein Geld liquide zu parken. Wie alle anderen Kreditinstitute auch, leidet sie unter der Zunahme der täglich fälligen Einlagen. Diese erzeugen enorme Kosten und begrenzen gleichzeitig das Volumen langfristiger Ausleihungen.

Josef Paul, Chef der Raiffeisenbank Gmund, hat diesen Zusammenhang richtig analysiert und den betreffenden Kunden eine volumenabhängige Abgabe angekündigt, die eine Umwandlung von Tagesgeldern in Termingelder befördert. Wie schon seit 2014 die thüringische Deutsche Skatbank und die schweizerische ABS Bank gehen diese Institute das Problem an seiner Wurzel an. Stellvertretend für die Notenbank, die sich diesen Schritt noch nicht traut und die Geschäftsbanken mit dem Problem allein herumwursteln lässt, erzeugen sie die ökonomisch notwendigen Durchhaltekosten bei den Verursachern der Geldhortung. Die Raiffeisenbank Gmund wie auch die Alternative Bank Schweiz (ABS) vertrauen auf den Kontakt zu ihren Kunden und deren Fähigkeit, Einsicht in das Sinnvolle und Notwendige zu zeigen. Genau dies erwarten wir als Kunden auch vom Vorstand der GLS Bank.  

Die für den Herbst angedrohte Kopfgebühr von 60 € pro Konto trifft die falschen Leute und beseitigt vor allem nicht die Ursachen des Dilemmas. Als Freund der GLS Bank weiß man, dass es leicht ist, an meine Zahlungsbereitschaft zu appellieren. Für diese Bereitschaft kann ich als Freund, Kunde und Mitglied im Gegenzug vom Vorstand erwarten, dass er ökonomisch sinnvolle Vorschläge unterbreitet. Die Vorstände der genannten Institute haben Mut bewiesen, indem sie eine sinnvolle und notwendige Maßnahme beschlossen haben, die von vielen Ökonomen verspottet und von Wirtschaftsjournalisten fälschlicherweise als »Angriff auf die Sparer« denunziert wird. Von Thomas Jorberg würde ich mir diesen Mut ebenso wünschen.

Lesen Sie dazu bitte auch »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«, »“Verwahr-Entgelt“ oder die Geldgebühr in der Testphase« und »Die Legende von der Enteignung unserer Sparer«.  

Klaus Willemsen, 30.08.2016  

Verwendete Quellen:

gls.de/privatkunden/ueber-die-gls-bank/gls-beitrag/

inwo.de/medienkommentare/kapitalismus-absurd-ueberschreibt-das-handelsblatt-sein-titelthema/

www.inwo.de/medienkommentare/erste-schweizer-bank-gibt-negativzinsen-an-privatkunden-weiter/ www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

www.inwo.de/medienkommentare/verwahr-entgelt-oder-die-geldgebuehr-in-der-testphase/ www.inwo.de/medienkommentare/die-legende-von-der-enteignung-unserer-sparer/  

 

 

Stellungnahme GLS-Bank (Julian Mertens)

Im Hinblick auf Negativzinsen möchte ich auf die größte Bank Europas verweisen. Die Europäische Zentralbank kann mit ihren niedrigen und Negativzinsen bisher kaum positive Wirkungen erzielen. Seit 2011 hat die EZB-Leitzins auf immer weitere Rekordniveaus abgesenkt, im März dieses Jahres dann auf 0,00 Prozent. Sie will die Kreditvergabe anregen, indem sie die Einlagenzinsen bei Banken auf -0,4 Prozent festgelegt hat. Weil das schlecht funktioniert hat sie sogar begonnen, Unternehmensanleihen zu kaufen. Einige Unternehmen haben das zur Kurspflege ihrer Aktien genutzt. Was der EZB nicht gelingt und was ihr viele Kritiker vorwerfen ist, dass dadurch mehr Geld realwirtschaftlich investiert wird. Wir sehen also weder gesellschaftlich noch ökonomisch einen Vorteil im Negativzins.

Die deutschen Großbanken müssen mit dieser und anderen Herausforderungen umgehen wie alle anderen Banken. Wobei Deutschlands Großbanken aktuell Zinsmargen von deutlich über einem Prozent vorweisen. Allerdings haben auch sie ein Profitabilitätsproblem mit hohen Cost-Income-Ratios. Zinsmargen von einem Prozent sind heutzutage bei Direktbanken zu beobachten. Weniger Filialen und Mitarbeiter sind eine Antwort, mehr Provisionen und Spekulationen eine andere. Und schon gar nicht all die Dinge wegen der die Menschen zur GLS Bank kommen, wie Transparenz, offene Beratung und viele Leistungen mit positiver gesellschaftlicher Wirkung.

Als GLS Bank halten wir sowohl an unserem wertebasierten Kreditgeschäft, das über 80 Prozent unserer Erträge ausmacht, als auch an provisionsfreier Beratung fest. Gleichzeitig achten wir sehr genau auf unsere Kosten und haben diesbezüglich ein klares Ziel formuliert. 25% mehr Effizienz in zwei Jahren.

Warum ein Beitrag für alle? Weil er uns unabhängiger macht von den Finanzmärkten, die es nicht schaffen, mit dem Überfluss an Geld umzugehen. Weil wir den genossenschaftlichen Gedanken aufgreifen, bei dem jede und jeder mit gleichen Rechten und Pflichten für die GLS Gemeinschaft einsteht. Und die sich so alle für eine sinnvolle Verwendung von Geld einsetzen. Wir haben in den vergangenen Tagen einige Rückmeldungen erhalten, natürlich Kritik aber auch viel Zuspruch.

Es stimmt, wir brauchen Einsicht in das Sinnvolle und Notwendige. Notwendig, weil die GLS Bank sich ökonomisch verändern muss. Sinnvoll, weil sie an ihren Grundwerten festhalten will.

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