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Geldverrufung in Indien

Im Schatten der US-Wahl führt Indien eine radikale Geldreform durch. Während alle Welt auf Amerika blickte, verkündete der indische Premier Narendra Modi am Dienstagabend, dass über Nacht die beiden bislang größten Geldnoten, der 500- und der 1000-Rupien-Schein, die zusammen 87 % der gesamten Bargeldmenge ausmachen, aus dem Verkehr gezogen würden.

Am Mittwoch gab es einen unerwarteten Bankfeiertag und am Donnerstag einen regelrechten Bankrun auf die Geldinstitute, zumindest in den großen Städten. Ganz unvorbereitet war die Reform offenbar aber nicht, denn die Banken geben ab sofort - allerdings in begrenztem Umfang von 4000 Rupien (gut 54 Euro) - neue Scheine mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen im Wert von 500 und 2000 Rupien aus. An Geldautomaten sollen ab heute maximal 2000 Rupien (27 Euro) pro Tag und Person erhältlich sein.

Die alten Scheine dürfen nur noch bis Jahresende in sehr begrenztem Umfang gegen neues Geld eingetauscht werden. Größere Beträge müssen auf ein Konto eingezahlt werden. Wenn Steuersünder dabei nicht auffallen wollen und sie nicht einzahlen, verfällt ihr gehortetes Bargeld.

Die offizielle Begründung der indischen Regierung ist denn auch, dass sie mit dieser radikalen Aktion gegen Schwarzgeld und Korruption vorgehen will. Ein weiterer Grund ist Geldfälschung. Militante Islamisten sollen ihre Aktivitäten mit gefälschten Rupien finanzieren.

Ein Bericht des Washingtoner Think-Tanks Global Financial Integrity besagt, dass Indien zwischen 2002 und 2011 eine illegale Kapitalflucht in Höhe von 344 Mrd. US-Dollar erlebte. Tatsächlich hat die indische Zentralbank Reserve Bank of India (RBI) auch aktuell ein Problem mit massiver Bargeldnachfrage.
Die umlaufende (?) Bargeldmenge hat sich innerhalb der letzten zwölf Monate um 17,3 % erhöht und trägt somit zu 20 % des gesamten Geldmengenwachstums bei. - Und das, obwohl die größten Scheine, die 1000-Rupien-Scheine, nur umgerechnet 13,50 Euro wert sind und sich daher nicht besonders gut zum Horten eignen. Dagegen soll ein Viertel der Wirtschaftsleistung mit Schwarzgeld abgewickelt werden. Steuereintreibung ist für den indischen Staat problematisch.

Auch bei der Europäischen Zentralbank trägt insbesondere die Bargeldnachfrage zum Geldmengenwachstum bei, allerdings "nur" zu rund 10 %. In Europa ist Geldhortung der Hauptgrund hierfür.

Die indische Zentralbank erwartet nun, dass sich das Geldmengenwachstum innerhalb dieses Monats auf Buchgeld verlagert. So kommt Modis regierende Bharatiya Janata Partei, die seit 2014 an der Macht ist, ihrem Wahlversprechen näher, den Schwarzgeld-Sumpf auszutrockenen und das reguläre Finanzsystem zu stärken.

Allerdings ist in Indien elektronisches Bezahlen längst nicht überall möglich und laut Weltbank hat nur die Hälfte der Inder überhaupt ein Konto. Die Situation der Armen könnte sich durch die überraschende Reform daher in den nächsten Wochen verschärfen. So wird für die nächste Zeit durchaus mit Problemen und mit einem Einbruch in einigen Wirtschaftsbereichen gerechnet. Offenbar haben die indischen Verantwortlichen die Chance nicht genutzt, um die neuen, sogar größeren Scheine mit einer Umlaufsicherung zu versehen. Damit wäre der armen Bevölkerung auf Dauer am meisten geholfen. So wird man die Verrufung wohl in einigen Jahren wiederholen müssen.

 

Quellen:

http://economictimes.indiatimes.com/news/economy/policy/demonetisation-move-negative-for-near-term-economic-activity-goldman/articleshow/55355362.cms

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bargeld-geldscheine-in-indien-ploetzlich-ungueltig-1.3241348

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/indische-geldreform-loest-bankrun-aus-1261387

http://www.abc.net.au/news/2016-11-09/india-abolishes-larger-banknotes-in-fight-against-corruption/8007734

 

 

 

 

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