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»Geldpolitisch mehr Gas geben«

Diese anschauliche Wortwahl verwendet Loretta Mester, die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, um der Idee vom Helikoptergeld mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Notenbanker in den USA, Europa und Japan diskutieren, angesichts von Leitzinsen um null Prozent, wie eine weitere Lockerung der Geldpolitik aussehen kann.

»Die Bank von Japan besitzt fast keine Optionen mehr« und die »Zeit für eine expansivere Geld- und Finanzpolitik ist da«, zitiert die FAZ japanische Fachleute. Dabei betreibt die japanische Notenbank seit Jahrzehnten eine expansive Geldpolitik und beweist damit, dass dieses Mittel wirkungslos ist. Unklar bleibt bei der Berichterstattung der FAZ, warum bei der Diskussion skurriler Lösungsansätze die Ursache der Misere außen vor bleibt. Unklar bleibt auch, warum der plausible Lösungsansatz einer Geldgebühr nicht erwähnt wird.  

Die permanente Ausweitung der Notenbankgeldmenge erscheint den Verantwortlichen notwendig, weil die Umlaufgeschwindigkeit der herausgegebenen Geldmenge permanent abnimmt. Immer größere Bestände werden gehortet, die Bereitschaft, überschüssige Liquidität anderen Marktteilnehmern zu marktgerechten Zinsen mittel- und langfristig zu überlassen, schwindet in allen relevanten Währungsräumen. Die Folgen sind bekannt.  

Die Lösung kann jedoch nicht darin bestehen, die abnehmende Umlaufgeschwindigkeit durch die Ausweitung der Geldmenge kompensieren zu wollen. Die Geldpolitik in Japan hat dies über 20 Jahre anschaulich verdeutlicht und auch der gesunde Menschenverstand lässt keine andere Interpretation zu. Wenn die Räder blockieren, hilft es eben nicht wirklich, immer mehr Gas zu geben. Es kommt darauf an, die Blockierung, also die Geldhortung aufzulösen.  

Sehr geehrter Gerald Braunberger, ob wir es eine weitere Lockerung der Geldpolitik, Helikoptergeld oder eine expansivere Geld- und Finanzpolitik nennen, bleibt sich gleich. Dabei wird versucht, mit einer gefährlichen Medizin Symptome zu lindern, anstatt Ursachen zu beseitigen. Damit ist dieser Ansatz »nichts anderes als eine Bankrotterklärung«, wie sie in Ihrem Beitrag »Nun erreicht das Helikoptergeld auch die Fed« Otmar Issing zitieren.  

Um der Hortung etwas entgegenzusetzen, bräuchte es zunächst eine angemessene Zinsdifferenz. Dies erreichen wir durch Kosten am kurzfristigen Ende der Zinsstrukturkurve oder durch hohe Zinsen am langen Ende. Letzteres würde viele Staaten, Unternehmen und ganze Volkwirtschaften sehr bald in den Konkurs beziehungsweise Ruin treiben. Daher gilt es die erste Variante zu diskutieren, anstatt sich mit der Floskel »fast keine Optionen« zufriedenzugeben. Diesbezüglich sind Sie und die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefragt.  

Klaus Willemsen, 15.7.2016 

 

Lesen Sie dazu bitte auch:

»Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«

»Geldmengenausweitung brachte Japan nicht den gewünschten Erfolg - was jetzt?«

»Die Dimensionen der Bargeldhortung«.    

 

 

Verwendete Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/nun-erreicht-das-helikoptergeld-auch-die-fed-14339305

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