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Geldpolitik voller Widersprüche

In der Eigenwerbung verspricht »Der Spiegel« komplizierte Zusammenhänge aufzudecken und verständlich darzustellen. Das Wirtschaftsressort scheiterte jedoch erneut an diesem Anspruch. Die veränderte Geldmarktpolitik wird mit den ökonomischen Scheuklappen des letzten Jahrhunderts analysiert.

»Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.« Die Wortwahl, liebe Redakteure, zeigt, dass sich Ihnen die Steuerungsfunktion dieser Maßnahme nicht erschließt. Dieser Zinssatz ist keine Strafe, sondern eine sinnvolle Gebühr um das Horten von Geldbeständen weniger attraktiv zu machen. Überschüssige Liquidität sollte anderen Marktteilnehmern, möglichst langfristig, zur Verfügung gestellt werden.

Dies sollte jedoch nicht nur für die Einlagen bei der Notenbank, sondern auch für Giralgeldbestände bei den Geschäftsbanken gelten. Ein interessanter Zusammenhang, den Sie hätten aufdecken können, wäre der Hinweis, dass der negative Zinssatz für die Geschäftsbanken hierzulande noch immer nicht durch ein Äquivalent auf den Girokonten der Privatkunden ergänzt wurde.

Auch der folgende Satz zeigt, dass es der Wirtschaftsredaktion an kritischer Analyse mangelt: »Das billige Geld soll eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen verhindern.« Die Realität zeigt seit Jahren, dass der gewünschte Effekt nicht eintritt, solange das »billige Geld« vor allem in die Hortung und die Spekulation fließt. Hier wäre der Hinweis sinnvoll, dass nicht die Ausweitung der Menge entscheidend ist. Es braucht einen positiven Anreiz, sein Geld weiterzugeben.

»Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an, die ihr als optimal für die Konjunkturentwicklung gilt.« Hier fehlen zwei entscheidende Informationen: Die EZB strebt dies seit langem an, doch immer höhere Bestände liegen wie Blei auf den Girokonten, statt die Nachfrage anzukurbeln. Die eingeleiteten Maßnahmen sind nicht zielführend.

Und weiter: Die Inflation ist die Peitsche, mit der man in vergangenen Jahrhunderten Geld in den Umlauf trieb. Der Hinweis, dass eine Geldgebühr diese Aufgabe heute elegant übernehmen kann und Deflation wie Inflation dadurch vermeidbar sind, wäre wahrlich innovativ.

Klaus Willemsen, 22.1.2016

Verwendete Quelle:
www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-haelt-leitzins-auf-rekordtief-von-0-05-prozent-a-1073177.html

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