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Friedrich Merz will nicht CDU-Chef werden,

...er will ins Bundeskanzleramt. Und dabei geht es nicht nur um konservative Werte. Es geht darum, die Macht des Kapitals zu festigen. Friedrich Merz und seine Unterstützer geben gerne vor, Leistung „wieder“ belohnen zu wollen und die Tüchtigen von unangemessenen Steuerlasten befreien zu müssen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass mit ihm der Zug in die entgegengesetzte Richtung fahren wird.

Seit über einem Jahrzehnt steigen die Bodenpreise in den Metropolen, aber auch auf dem Land, rapide an. Allein im letzten Jahr sind »Einfamilienhausgrundstücke noch einmal um 15 % teurer geworden«, hat der Gutachterausschuss der Stadt Düsseldorf aktuell festgestellt. In der Landwirtschaft zeigt sich das gleiche Bild. »Zwischen den Jahren 2007 und 2015 sind die Kaufpreise für Ackerland in Deutschland um knapp 113 Prozent gestiegen«, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BzfE) und stellt die Frage: Wie viel Steigerung ist für die Landwirte noch zu ertragen? Diese Wertsteigerungen gehen zulasten der Menschen, die den Boden nutzen und bearbeiten. Landwirte, Gewerbetreibende und Mieter zahlen einen hohen Preis für die leistungslosen Einkommen der Eigentümer.

Für Friedrich Merz und seine einflussreichen Hintermänner ist diese Entwicklung alles andere als bedauerlich. Bei BlackRock, der Deutschen Wohnen und vielen anderen Finanzinvestoren, die weltweit in Boden investieren und mit knappen Boden spekulieren, knallen permanent die Sektkorken. Aus Sicht der Investoren besteht die eigentliche Leistung nicht darin, ein Gewerbe zu betreiben, Mitarbeiter zu beschäftigen, Dienstleistungen anzubieten oder einfach einer geregelten Arbeit nachzugehen. Ihre Leistung sehen sie darin, Milliarden Euro und Dollars in die Spekulation mit Boden zu investieren. Ihre Leistung besteht darin, die Korrelation von sinkenden Kapitalmarkt-Zinssätzen und steigenden Bodenpreisen rechtzeitig erkannt zu haben, sie auszunutzen und die Entwicklung nach Möglichkeit zu befeuern.

Merz erweckt gerne den Eindruck, es ginge ihm um konservative, christlich-bürgerliche Werte. Es ist jedoch das Gegenteil, wenn immer mehr Rentner Angst haben, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen können, Familienväter einen Nebenjob aufnehmen müssen, um die steigende Miete aufzubringen, wenn Landwirte ihren Hof aufgeben müssen, weil sie die Pachtzinsen nicht mehr erwirtschaften können und der Ladenbesitzer den halben Monat arbeitet, um nur die Ladenpacht zu bezahlen. Man bewahrt keine konservativen Werte, wenn man die Volkswirtschaft darauf konzentriert, die Gewinne von Anlegern zu steigern, die Produktion in allen Bereichen permanent zu intensivieren und auf Teufel komm raus immer höhere Exportüberschüsse zu erzeugen.

Die Politikziele von Finanzinvestoren und Hedgefonds stehen im diametralen Gegensatz zu den Bedürfnissen von Menschen die ein friedliches, harmonisches, ökologisch nachhaltiges, familienfreundliches, christliches und den Mitmenschen zugewandtes Leben führen wollen. Der Reichtum der Wenigen hat immer den Mangel und womöglich die Not derjenigen zufolge, die für diesen Reichtum über ihren persönlichen Bedarf hinaus arbeiten müssen.

Lesen Sie hierzu auch: »Haben wir Angst vor ökonomischen Visionen?«, »Das Klima retten und Wohlstand angemessen verteilen« und »Lieber Gabor Steingart! - ein offener Brief«.

Klaus Willemsen, 13.02.2020


Verwendete Quellen:
https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/grundstueckpreise-steigen-weiter_aid-25882429
https://www.bzfe.de/inhalt/bodenpreise-2675.html
https://www.inwo.de/medienkommentare/haben-wir-angst-vor-oekonomischen-visionen/
https://www.inwo.de/medienkommentare/das-klima-retten-und-wohlstand-angemessen-verteilen/
www.inwo.de/medienkommentare/lieber-gabor-steingart-ein-offener-brief/