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FED wird bald eines Besseren belehrt

Seit 2009 sind die Leitzinsen in den Industrieländern auf Rekordtief. Nun hat die amerikanische FED zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt ihre Leitzinsen wieder angehoben, um 0,25 %. Die Risiken sind enorm. Doch schon bald könnte sie die Zinsen wieder senken müssen.

Denn eines hat sich trotz der Zinssenkungen seit Ausbruch der Krise noch nicht geändert: Ob private Haushalte, Unternehmen oder Staaten, ob in Amerika, Europa oder Asien, ob in Industrie- oder Entwicklungsländern – die Welt versinkt weiter im Schuldensumpf. Das hat unter anderem die Studie „Debt and (not much) deleveraging“ des McKinsey Global Institute (MGI) vom Februar 2015 deutlich gemacht. Es reicht eben nicht, nur auf die Staatsverschuldung zu schauen, man muss endlich die Gesamtverschuldung in den Blick nehmen, wie wir Freiwirtschaftler das immer schon gemacht haben.

McKinsey schreibt: "Nach der Finanzkrise von 2008 sowie der längsten und tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg war erwartet worden, dass die Volkswirtschaften der Welt ihre Schulden abbauen würden. Es ist nicht passiert." Im Gegenteil, die Entwicklung hat sich rapide verschlechtert: Die Summe der weltweiten Schulden ist von 87 Billionen Dollar 2000 über 142 Billionen Dollar 2007 auf nunmehr 199 Billionen Dollar im Jahr 2014 angewachsen.

Die Staatsverschuldung ist auch in den USA seit Ausbruch der Finanzkrise explodiert und liegt nun bei 105 % des Bruttoinlandsprodukts, noch etwas höher als im Euroraum (94 %). Die Gesamtschuldenquote der USA (also inklusive der Schulden von Unternehmen, Privaten und Finanzsektor) lag allerdings 2014 schon bei 269 % der Wirtschaftsleistung, knapp vor Deutschland mit 258 % des BIP. Das bedeutet: Hüben wie drüben müssten wir fast drei Jahre lang arbeiten, ohne einen Cent auszugeben, nur um unsere Schulden abzutragen. In der gleichen Liga (283 %) spielt China mit, denn dort haben sich die Schulden insgesamt von 2007-2014 vervierfacht.

Seit Ausbruch der Finanzkrise ist insbesondere in den Schwellenländern die Neuverschuldung extrem angestiegen und liegt inzwischen etwa gleichauf mit der Neuverschuldung in den Industrieländern. Eine Zinserhöhung der FED kann daher besonders für die Schwellenländer gefährlich werden, wenn sie in Dollar verschuldet sind. Und das wird auf die gesamte Weltwirtschaft zurückwirken.

Viele Wirtschaftsjournalisten machen die niedrigen Zinsen, die sie gemeinsam mit dem Quantitative Easing unter „lockerer Geldpolitik“ subsummieren, für diese Entwicklung verantwortlich. Dabei blenden sie aus, dass die Überschuldung inzwischen so groß ist, dass eine Zinserhöhung gegenwärtig zu Zusammenbrüchen führen muss. Es gibt nicht ausreichend Wachstum, als dass höhere Zinsen tragfähig wären. Wir brauchen im Gegenteil weitere Zinsentlastungen. Erst ausreichend negative Zinsen erlauben Deleveraging auch bei denen, die es am dringendsten brauchen.

Schuldenabbau setzt einen Abbau von Guthaben voraus. Der Fehler der letzten Jahrzehnte, die Guthaben durch fortwährend positive Guthabenzinsen exponentiell wachsen zu lassen, rächt sich nun. Auch die Renditeforderungen wurden dadurch künstlich hochgehalten. Die Ungleichgewichte sind daraufhin innerhalb der Staaten, weltweit und auch in der Finanzwelt so groß geworden, dass sie nun selbst das Wirtschaftswachstum behindern.
Wir sollten schnellstens eine Rolle rückwärts mithilfe von Negativzinsen einleiten! Das heißt, wir brauchen eine Haltegbühr auf Liquidität, zuvorderst auf das Bargeld, damit die weitere Flucht in Scheine versperrt wird. Die EZB könnte mit der Abschaffung der 500- und 200-Euro-Noten beginnen.

Solche Überlegungen haben Citygroup-Chefökonom Willem Buiter und andere schon lange. Aktuell sagte Buiter im CNBC, dass die FED jetzt anheben müsse, um noch als konsequent wahrgenommen zu werden. Aber die Zentralbanken weltweit könnten ihre Leitzinsen allerhöchstens bis auf 2 % hochfahren. Die FED werde nicht einmal so weit kommen, bevor die nächste Rezession sich ausbreite, und werde dann sehr wahrscheinlich ebenfalls Negativzinsen einführen. „Wir werden wieder an der Nullzinsgrenze ankommen, bevor wir „Abschwung“ rufen können.“

 

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Quellen:

www.mckinsey.com/insights/economic_studies/debt_and_not_much_deleveraging

www.cnbc.com/2015/11/20/citis-buiter-inconsistent-fed-will-never-reach-normal.html

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