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Falscher Fuffziger

Die Einführung des neuen 50-€-Scheins soll vor Geldfälschung schützen - doch sie schützt uns leider nicht vor der zunehmenden Privatisierung unserer Zahlungsmittel, die eigentlich ein öffentliches Gut sein sollten. Viel wichtiger als neue Sicherheitsmerkmale wäre die Einführung einer Umlaufsicherung für Bargeld.

Um die neue Europa-Serie bei der Bevölkerung bekannt und beliebt zu machen, scheut die Europäische Zentralbank keine Kosten und Mühen. Für Schulklassen gibt es einen Comic, in dem Alex und Anna den Geldfälscher Billy Fuchs stellen helfen, der falsche Fuffziger in Umlauf brachte. Dafür bekommen Alex und Anna von der EZB einen Preis verliehen und Billy Fuchs wandert hinter Gitter.

Vielleicht können die neuen Banknoten nicht so leicht gefälscht werden - doch gehortet werden können sie immer noch genauso gut wie die alten Scheine.  Im Mai 2016 beschloss die EZB zwar, im Rahmen der Europa-Serie keine 500-€-Banknote aufzulegen. Doch diese "Abschaffung" des größten Scheins war nur halbherzig, denn die noch "in Umlauf befindlichen" 500-€-Scheine der ersten Serie sind zeitlich unbefristet gültig. Dabei werden die 500er hauptsächlich für Hortungszwecke verwendet. Man bekommt sie selten zu Gesicht, aber ihr Anteil am Wert der gesamten ausgegebenen Euro-Banknoten beträgt fast 30 Prozent.

Überhaupt müssen wir uns klarmachen, dass die Hauptfunktion unseres gesetzlichen Zahlungsmittels - und das ist allein das Bargeld - mittlerweile die Wertaufbewahrungs- statt der Zahlungsmittelfunktion ist. Für Zahlungszwecke kommen wir mit einem Bruchteil des Bargelds aus, wie wir bei der Euro-Einführung Anfang 2002 erleben konnten, als wir im Euroraum mit weniger als 350 Milliarden Euro keinerlei Engpässe erlebten. Mittlerweile ist die Bargeldmenge auf 1,1 Bill. Euro angewachsen. Sie hat sich also mehr als verdreifacht, während doch die Benutzung von Bargeld im Zahlungsverkehr rückläufig ist. Wie passt das zusammen?

In Zeiten niedriger, teils sogar negativer Zinsen bietet sich das Bargeld als ständig verfügbare Geld"anlage" mit 0 Prozent Rendite an. Zumindest solange es kaum Inflation gibt. Ein Grund mehr, warum die Währungshüter eine Inflation von "unter, aber nahe 2 Prozent" für Geldwertstabilität ausgeben und anstreben.

Bargeld sollte jedoch nicht der Wertaufbewahrung dienen, denn dies ist unverträglich mit seiner Zahlungsmittelfunktion. Ein Umstand, auf den der Geldsystemanalytiker Helmut Creutz immer wieder hingewiesen hat. Unsere Zahlungsmittel sind die wichtigste Infrastruktur unseres gesamten Wirtschaftssystems - sie dürften nicht privatisiert werden. Darum fordert die INWO: Geld muss ein öffentliches Gut und somit allen zugänglich sein.

Die Bedeutung des Bargelds wird von den meisten unterschätzt, weil die bargeldlose Zahlung immer weiter zunimmt und die täglich fälligen Einlagen mit 5,9 Bill. Euro weit höher liegen als die Bargeldmenge mit 1,1 Bill. Euro. Nur wenige, wie der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds Kenneth S. Rogoff wissen um die entscheidende Rolle des Bargelds. Er hat dazu ein ganzes Buch verfasst und schon im Vorwort macht er deutlich, „dass die Papiergeldwährung (Bargeld) das Kernstück einiger der am schwersten zu lösenden gegenwärtigen Probleme der öffentlichen Finanzwirtschaft und des Bankenwesens bildet.“ Recht hat er!

Wenn die Geldscheine einer Gebühr unterliegen würden, könnten sie nicht mehr ohne Verlust gehortet werden. Das hatte schon Silvio Gesell vor mehr als hundert Jahren erkannt. Heute sind seine Erkenntnisse aktueller denn je. So bleibt der neue 50-€-Schein einstweilen auch nur ein "falscher Fuffziger" - so lange, bis die Umlaufsicherung eingeführt wird...

Mehr zum Hintergrund.

Was es mit der Umlaufsicherung auf sich hat...

 

Quelle:

Kenneth S. Rogoff: Der Fluch des Geldes. Warum unser Bargeld verschwinden wird. FinanzBuch Verlag, München 2016, 352 S., 24.99 €, ISBN 978-3-89879-966-9 

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